Nehmt den bösen Buben ihre Schäufelchen weg!

Von Andreas Theyssen am 20. August 2013

Nordkorea ist die loose cannon der Weltpolitik. Regelmäßig verzweifeln die USA, Südkorea und selbst Partner China an Pjöngyang. Ausgerechnet die Schweiz hat jetzt ein Mittel gefunden, um Diktator Kim Jung-un auszubremsen. Ein Beispiel, das Schule machen muss

Wie wird man nur mit Nordkorea fertig? Mal ist das Land friedfertig, dann wieder beschießt es südkoreanische Inseln, mal lenkt es ein, dann droht es den USA mit Atomkrieg. Die Welt ist ratlos, wie man mit dem Regime in Pjöngyang umgeht. Hilfslieferungen, sprich: Zuckerbrot, helfen nicht. „Show of force“ durch große amerikanisch-südkoreanische Militärmanöver, vulgo: Peitsche, zeigt auch keine Wirkung. Die Regierungen in Seoul, Washington, Tokio und selbst im befreundeten Peking sind ratlos, wie man dem Diktator Kim Jung-un beikommt.

Ausgerechnet die Schweiz, die von Kims Kapriolen überhaupt nicht betroffen ist, hat nun ein Mittel gefunden, um Pjöngyang Paroli zu bieten. Die Regierung in Bern stoppte den Export eines Skiliftes in den Paria-Staat. Damit wollte der Diktator ein Skigebiet ausstatten, das er gerade entwickeln lässt.

Der Schritt der Schweiz hat Charme. Denn der Boykott schadet nicht der Bevölkerung, die eher mit dem Kampf gegen den Hunger befasst ist als mit Skifahren. Er trifft nur den Diktator, der nun sein Prestigeprojekt zumindest vorerst nicht verwirklichen kann. Hinzu kommt, dass Kim den Berner Boykott als persönlichen Affront auffassen muss, weil er in einem Schweizer Internat auf gewachsen ist und dort Skifahren gelernt hat.

Die Methode „Nehmt den bösen Buben der Weltpolitik ihre Schäufelchen weg“ sollte Schule machen. Zum Beispiel im Fall Wladimir Putin. Russlands Präsident lässt gnadenlos Oppositionelle einsperren und Minderheiten wie Homosexuelle staatlich sanktioniert diskriminieren. Privat ist er begeisterter Judoka. Stoppen wir also den Export von Judoanzügen nach Russland solange, bis Putin zum lupenreinen Demokraten mutiert ist.

Zum Beispiel im Fall des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Der lässt seinen Behörden auch einen überaus ruppigen Umgang mit Oppositionellen durchgehen, und in puncto Vollstreckung von Todesurteilen steht er mit seiner Volksrepublik an der Weltspitze. Gleichzeitig ist er verheiratet mit der populären Folk- und Armeesängerin Peng Liyuan. Boykottieren wir also ihre Lieder, die es bei Amazon als CDs oder MP3-Dateien zu kaufen gibt, bis Peking von der Todesstrafe ablässt.

Zum Beispiel im Fall von US-Präsident Barack Obama. Der lässt seine Schnüffelagentur NSA munter unsere Email- und Telefondaten auskundschaften. Gleichzeitig ist er bekannt als Blackberry-Fan. Verkaufen wir ihm also keinen Blackberry mehr, solange er seine Digitalspione nicht stoppt. Wer anderer Leute Smartphones ausforschen lässt, sollte selber keines haben.

Kleinlich? Peinlich? Das ist es auf jeden Fall. Aber wer die Weltpolitik aufmischt, darf durchaus persönlich die Konsequenzen spüren. Die Schweiz hat uns das wunderbar vorgeführt.

Andreas Theyssen hat als Politikchef der „Financial Times Deutschland“ sieben Jahre lang die Kapriolen des Regimes in Pjöngyang verfolgt – und die Hilflosigkeit der restlichen Welt im Umgang damit. Umso mehr hat ihn jetzt die simple, aber klare Reaktion der Schweiz überrascht.

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