Das neue Gesicht der Eurogegner

Von Andreas Theyssen am 15. Januar 2014

Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel geht für die AfD ins Rennen. Doch auch er wird nicht die massiven Probleme der Partei kaschieren können

Bernd Lucke, Chef der eurofeindlichen Neupartei „Alternative für Deutschland“, hat einen Coup gelandet. Er konnte den früheren IBM-Manager und Chef des Industrieverbandes BDI, Hans-Olaf Henkel, in die AfD holen. Und damit ein Zugpferd für den Europawahlkampf. Zumal Henkel auf Platz zwei oder drei der Wahlliste kandidieren wird und somit Abgeordneter in Brüssel werden dürfte.

Henkel wird viele nerven. Er war Dauergast in deutschen TV-Talkshows, machte sich mit seiner hanseatisch-schnoddrigen, teils besserwisserischen Art selten Freunde. Dass er in letzter Zeit deutlich seltener in die Fernsehstudios eingeladen wurde, kann man durchaus mit Erleichterung sehen. Und dennoch ist er genau der richtige Mann für die Ziele und das Klientel der AfD.

Henkel gilt als weltgewandt, als Wirtschaftsexperte, als einer, der der Politik die Leviten liest. Und genau damit erreicht er die AfD-Zielgruppe: verunsicherte Kleinbürger, denen „die da oben“ ohnehin suspekt sind; Bildungsbürger, die Zweifel an Angela Merkels angeblich alternativloser Euro-Politik haben; Nostalgiker, die aus rein emotionalen Gründen die D-Mark wiederhaben wollen. Dass Henkel früher als BDI-Chef selber ein Anhänger des Euros war, werden sie ignorieren. Zumal er selber behauptet, dazugelernt zu haben.

Der Ex-Manager hat angekündigt, künftig die AfD bei Wahlveranstaltungen, in Interviews und Talkshows zu unterstützen. Und dazu wird er auch eingeladen werden, den er formuliert deutlich kantiger, aggressiver und pointierter als der leise, differenzierende AfD-Chef Lucke. Allein schon Henkels mediale Präsenz dürfte dafür sorgen, dass die Eurogegner ihr Bundestagsergebnis von 4,7 Prozent halten und in das Europaparlament einziehen können.

Eines wird Henkel durch seine Medienpräzens allerdings nicht überdecken können: In den AfD-Landesverbänden geht es drunter und drüber. Vorstände lösen sich in Serie auf, sei es wegen interner Querelen, sei es wegen Unterschlagung von Parteigeldern, sei es wegen rassistischer Äußerungen. Immer wieder müssen Mitglieder, darunter sogar Landesvorsitzende, wegen rechtsradikaler oder ausländerfeindlicher Parolen ausgeschlossen werden.

Und so kann Hans-Olaf Henkels neuer Partei ein paradoxes Schicksal drohen: Sie punktet bei den Wählern, erodiert aber von innen.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, beobachtet die AfD seit ihrer Gründung. Sein Kommentar zu Hans-Olaf Henkel erschien zuerst auf „Cicero Online“.

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