Begrenzt die Allmacht der Schufa!

Von Andreas Theyssen am 29. Januar 2014

Die Kreditauskunft darf mit höchstrichterlicher Erlaubnis verschweigen, wie sie zu ihren Ratings zur Kreditwürdigkeit von Kunden kommt. Nun reicht es. Den Bonitätsbewertern, die recht willkürlich und intransparent über Existenzen entscheiden, muss Einhalt geboten werden

Die Richter haben völlig recht. Warum sollte ein Unternehmen öffentlich Auskunft erteilen über die Geheimnisse seines Geschäftsmodells? Schließlich ist es ja eben dieses Geheimnis, das jene Firma so erfolgreich gemacht hat. Und so geht es völlig in Ordnung, dass der Bundesgerichtshof in letzter Instanz die Klage einer Kreditnehmerin abgewiesen hat, die wollte, dass die Schufa, Deutschlands wichtigster Bonitätsprüfer, die Kriterien preisgibt, nach denen sie die Kreditwürdigkeit von potenziellen Kreditnehmern bewertet. Ist schließlich ein Geschäftsmodell.

Die Richter liegen ziemlich daneben mit ihrem Urteil. Denn sie haben sich auf einen Teilaspekt – nämlich das Geschäftsgeheimnis – konzentriert, das große Ganze aber völlig außer Acht gelassen. Das große Ganze ist nämlich, dass die Schufa mit ihrem Geschäftsmodell ganz gravierend Einfluss nimmt auf die Existenz von Menschen und Unternehmen. Kaum ein Mietvertrag wird noch vergeben, ohne dass der Mietinteressent eine Schufa-Selbstauskunft vorlegen muss. Kaum ein Kredit, sei es für einen Autokauf, sei es für die Überbrückungsfinanzierung eines Unternehmens, wird noch vergeben ohne Abfrage bei der Schufa. Und je nach Auskunft kann die Schufa eine Existenz fördern, ihr das Überleben sichern oder aber eben diese Existenz vernichten.

Das Geschäftsmodell der Schufa ist der sogenannte Score, der im Idealfall bei 100 Punkten liegt und die Wahrscheinlichkeit anzeigen soll, mit der ein Kunde seinen Kredit zurückzahlt. Er ist der hypothetische Wert, der sich aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt, deren Mix aber ein – nun vom Bundesgerichtshof bestätigtes – Geheimnis ist. Es ist völlig in Ordnung, wenn darin enthalten ist, wenn ein Kreditnehmer Zins- oder Tilgungsraten schuldig blieb oder seine Miete nicht gezahlt hat. Doch die Schufa nimmt – wie auch andere Bonitätsbewerter – in ihren Score auch andere vermeintliche Risiken auf, zum Beispiel Wohngegend oder Alter. Und da wird es bedenklich.

Intransparente Bonitätskriterien

Es ist völlig intransparent, nach welchen Kriterien dort wie gerechnet und gewichtet wird. Theoretisch müsste jeder eine schlechte Bonität erhalten, der nicht als Beamter beschäftigt ist; er könnte schließlich seinen Job verlieren. Theoretisch müsste jeder über 50 dort eine schlechte Bonität erhalten; er könnte ja einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden und berufsunfähig werden. Das aber passiert nicht. Somit wird das ganze Scoring reichlich willkürlich.

Hinzu kommt, dass den Bonitätsbewertern Fehler unterlaufen. Vor dem Bundesgerichtshof hatte eine Frau geklagt, der aufgrund einer Namensverwechslung ein Leasingvertrag verweigert worden war. Kein Einzelfall. FDP-Chef Christian Lindner erzählt gerne, wie seinem Vater, einem Beamten, ein Kredit verweigert wurde. Der Hintergrund: Es gibt einen Künstler gleichen Namens mit gleichem Geburtsdatum, der schon mehrere Insolvenzen hingelegt hat. Und das hatte der Bonitätsbewerter mal eben verwechselt.

Die Schuldnerbewerter, mögen sie nun Schufa oder Creditreform oder sonst wie heißen, haben einen massiven Einfluss auf den Alltag aller Deutschen. Ohne ihr Plazet erhält man nicht einmal einen Handyvertrag. Und eben wegen ihres Einflusses auf die Existenz von Menschen, der in seinem Ausmaß fast schon Behördenautorität hat, darf es nicht sein, dass ihre Kreditwürdigkeitsbewertung nach völlig intransparenten Bewertungen erfolgen. Hier ist der Punkt erreicht, an dem – wenn schon nicht Gerichte – zumindest der Gesetzgeber eingreifen muss. Ein Fall für Justiz- und Verbraucherschutzminister Heiko Maas.

Andreas Theyssen, Mitgründer des Opinion Club, hat seine ganz eigenen Erfahrungen mit der Bonitätsauskunft gemacht, als er sie für eine Wohnungsanmietung anforderte. Er freute sich über seine hervorragende Bonität – und entdeckte dann, dass ein Handyvertrag und vor allem ein Hypothekenkredit überhaupt nicht erfasst waren.

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Jörg am 24. Februar 2014

Ein Urteil, dass sich absolut gegen die Privatleute stellt. Hier kann man nur hoffen, dass es eine Möglichkeit gibt, um gegen dieses Urteil vorzugehen, denn diese Entscheidung ist lediglich positiv für das Unternehmen selbst und für niemand anderen und das kann so nicht hingenommen werden.