Boykottiert Putin & Co!

Von Maxim Sergienko am 3. März 2014

Russlands Präsident annektiert de facto die Krim. Und EU wie USA schauen weitgehend tatenlos zu. Dabei gibt es eine Möglichkeit, Wladimir Putin von seinem Weg abzubringen

Sind wir jetzt im Krieg? Mit Russland?, fragen sich Ukrainer in diesen Tagen. Das kann doch nicht wahr sein! Völlig unmöglich. Absurd. Russische Soldaten in Uniform ohne Abzeichen patrouillieren in den Straßen auf der Krim, sperren Flughäfen ab, errichtet Straßensperren. Sie blockieren ukrainische Küstenwachenschiffe und Ausfahrten aus den Militärkasernen.

Es könnte ein böser Traum sein. Oder ein schlechter Film. Aber es ist die Realität.

Erstaunlich: Viele Russen unterstützen die Invasion. Sie wollen den Ukrainern endlich mal eins so richtig auswischen. Für deren „Verrat“ und für den „faschistischen Aufstand“. So viele Jahre waren wir zusammen und jetzt verlasst ihr uns und geht nach Europa? Mit euren Nationalisten?

Ein paar russische Intellektuelle meldeten sich per Facebook und Youtube zu Wort und verurteilten das Vorgehen der russischen Regierung. Ein Paar Hundert Demonstranten gingen in Moskau, in St.Petersburg auf die Straße und protestierten gegen den Einmarsch. Allerdings erschreckend wenige. Dafür stellen sich erschreckend viele Freunde, Kollegen und sogar Verwandte, die in Russland leben, auf die Seite der russischen Regierung.

Die Ukrainer sind wütend, fühlen sich beleidigt. Einfach so einmarschieren? Nein, damit macht man sich sicher keine Freunde.

Sind die Gräben zwischen den beiden Völkern zu groß geworden?

Ich habe viele enge Freundschaften in diesen Tagen platzen sehen. Und auch ich verlor wohl ein Paar Freunde. Es ist schon merkwürdig, wenn die Kommunikation selbst bei größter Mühe nicht mehr funktioniert. Die Lage ist also in der Tat sehr brenzlich. Kommt jetzt ein großes Blutvergießen mitten in Europa? Ein gruseliges Szenario.

Was können die EU und die USA machen? Werden ihre Politiker weiterhin nur „sehr besorgt sein“? Beide Seiten „zum Dialog“ aufrufen?

Die Weltgemeinschaft muss erkennen: Nicht die Ukraine ist das Problem. Auch nicht Russland. Das Problem sind Russlands Präsident Waldimir Putin und das System, das er aufgebaut hat. Putin ist zu mächtig geworden, und er weiß um seine Stärke. Keiner könne ihm den Stirn bitten. Also marschiert er weiter und weiter.

Früher nahm der Kreml immer Rücksicht auf den Westen. Was werden die Amerikaner wohl sagen? Die Europäer? Der Fall Krim zeigt: Damit ist jetzt vorbei. Sein Image im Westen ist Putin inzwischen vollkommen egal. Niemand kann ihn aufhalten. Also macht er, was er will.

Kann sich der Westen das noch leisten? Nein. Sonst würde Putin womöglich weitere Volker in Europa erpressen und demütigen. Vielleicht sind die baltischen Länder morgen dran. Ach, sie sind NATO-Miglieder? Na und? Oder womöglich Alaska? Alaska war nämlich auch einmal russisch. Das Land an Amerika zu verkaufen, war nach Ansicht vieler Russen ein großer Fehler. Sie sehnen sich nach Alaska, wollen es um jeden Preis zurückhaben. Unwahrscheinlich? Dann sollten wir genau schauen, was in diesen Tagen auf der Krim passiert.

Man muss sich absolut im Klaren sein: Der Herrscher im Kreml wird nur so groß, wie die Weltgemeinschaft ihn wachsen lässt. Je später sie bereit ist, zu handeln, desto teuer wird das Unternehmen. Die Währung in diesem geopolitischen Spiel heißt echtes Blut. Viel Blut.

Welche Druckhebel stehen der Weltgemeinschaft überhaupt zur Verfügung? Was kann sie der Atom- und Energiemacht Russland entgegensetzen?

Die Option „Krieg“ steht nicht zur Debatte. Die Entmachtung von Putin lässt sich allerdings erkaufen.

Die EU und die USA müssen viel Härte zeigen und mehr Mut als sonst aufbringen. Das Imperium Putin funktioniert ja nur, solange die Staatskasse klingelt. Verliert er die Unterstützung des Beamtentums, der Oligarchie, des Militärs und der Mittelschicht, wird das System Putin in sich zusammenbrechen.

Also heißt die Konsequenz: Kauft kein russisches Gas! Macht keine Geschäfte mit russischen Staatsfirmen, Banken und Konglomeraten! Verkauft russische Wertpapiere! Friert die Auslandskonten der Putin-Vertrauten, der Regierungsmitglieder, der Parlamentarier, der Beamten und der Oligarchen ein. Sie sind alle mitverantwortlich für die Politik der Regierung. Ihren Einfluss auf den Kreml haben sie nicht genutzt und damit sich mitschuldig gemacht.

Seid mutig! Handelt!

Maxim Sergienko, Foto- und Videojournalist und Multimedia-Producer in Hamburg, ist geboren und aufgewachsen in der Ukraine. Seit 1992 lebt er in Deutschland. Vier Jahre war er Researcher und Autor bei der “Financial Times Deutschland”, neun Jahre lang Bildredakteur.

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Roman Kurevic am 4. März 2014

Guten Morgen,

möchte die Politik von Putin nicht schönreden und die Politik im Westen tut gut daran sofort Stärke zu zeigen, aber warum ist alles was die USA tun per se positiv (Kuba Krise, Einmarsch in den Irak mit handfesten Lügen, Folter von Kriegsgefangenen, Abhöraktionen von Verbündeten etc.pp.), aber wenn andere Länder sich zurecht oder zu unrecht bedroht fühlen, wir im Westen automatisch sofort alles schlecht machen?! Die Olympiade in Sotschi hat einen Haufen Geld gekostet, diese blöden Russen...die USA haben das doppelte ausgegeben: Wow das Land der unbegrenzten Schulden, die haben´s drauf. In Mexiko sollen Atomwaffen der Russen stationiert werden...begrüssen wir sie doch mit Champagner?! Was soll das...können oder wollen wir nicht selber nachdenken? Natürlich fühlen sich die Russen bedroht, der Nachbar will in die EU, später u.U. in die NATO, natürlich darf ein Bündnispartner (USA) dann auch Raketen aufstellen...hier müsste man politisch ansetzen?! Aber wenn ich unseren Politikern schon nicht mehr glaube, warum sollten es dann die Russen tun? Nicht vergessen sollte man auch, dass das VOLK die eigene jetzt gestürzte Regierung selber gewählt hat..ob Frau Merkel Verständnis hätte, wenn das deutsche Volk sie aus dem Amt jagen würde?! Man sollte die Fakten sortieren, analysieren und frei denken (nicht in Mustern des kalten Krieges!)...All animals are equal, but some animals are more equal than others!