Sie machen es spannend, Mister Metro

Von Andreas Theyssen am 23. Mai 2014

Moskau ist durch die Krim-Annexion zum Paria für Investoren geworden. Nur Metro-Chef Olaf Koch erwägt einen Ausbau seines Russland-Geschäfts. Diese antizyklische Investition verdient Respekt – weil sie überaus thrilling ist

Alle hatten sie abgesagt. Sich nach der Annexion der Krim auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu zeigen, das erschien Deutschlands CEOs dann doch zu heikel. Wie die Politiker gingen sie lieber auf Tauchstation. Zumal sie nur allzu gut in Erinnerung hatten, welcher Shitstorm über Siemens-Chef Joe Kaeser niederging, nachdem der sich neulich mit dem Kreml-Chef getroffen hatte.

Alle? Einer blieb standhaft, Krim hin, Ostukraine her: Olaf Koch, Vorstandschef des Handelskonzerns Metro, der auch in Russland rund 22.000 Beschäftigte hat. Und für Putin hatte er auch noch eine frohe Botschaft im Koffer. „Wir bleiben präsent und engagiert und überlegen sogar einen Ausbau unseres Engagements“, verkündete er in St. Petersburg.

Das verdient Respekt. Zum einen, weil es immer erfrischend ist, wenn einer gegen den Mainstream schwimmt. Zum anderen, weil Koch damit ein Herz für Rentner zeigt; die Altkanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder argumentieren ja mit ähnlicher Stoßrichtung. Und schließlich: Antizyklisches Investment ist immer gut, das wissen wir schließlich seit John Maynard Keynes.

Vor allem aber finden wir Kochs Ankündigung gut, weil es künftig sehr spannend sein wird, den Aktienkurs von Metro zu verfolgen.

Russland verbucht seit Anfang des Jahres einen enormen Kapitalabfluss; die Ukraine-Krise und die Sanktionen von USA und EU haben den Trend noch verstärkt. All dies heißt: Nennenswerte Investitionen in die marode russische Wirtschaft sind auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.

Wladimir Putin hat seine so oft angekündigten Wirtschaftsreformen nicht angepackt, das Land ist nach wie vor überproportional abhängig vom Verkauf seiner Öl- und Gasressourcen. Nur: Absehbar ist, dass die EU-Staaten ihre Abhängigkeit von russischem Gas reduzieren werden. Weltweit gibt es dank der frisch erschlossenen Schiefergas-Vorkommen in den USA und Kanada ein Überangebot an Gas, was die Preise drückt. Seinen gerade pompös verkündeten Deal mit China musste Putin mit einem deutlich abgespeckten Lieferpreis bezahlen. All dies heißt: weniger Einnahmen für die Kreml-Kasse.

Russland ist tief in eine Wirtschaftskrise gerutscht. 2013 – lange vor der Ukraine-Krise – lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur noch bei 1,4 Prozent. Es war das geringste Wachstum seit der Wirtschaftskrise 2008/2009. Derzeit sind es nur noch 0,5 Prozent; auf das ganze Jahr gerechnet könnten es sogar null Prozent sein, wie Finanzminister Anton Siluanow neulich sagte. All dies heißt: weniger Steuereinnahmen, mehr Arbeitslose in Russland.

Ein Markt mit Wirtschaftskrise – das sind ganz hervorragende Aussichten für einen Handelskonzern wie Metro. Denn zum Wesen einer Rezession gehört, dass der Konsum zurückgeht, vulgo: dass die Leute weniger kaufen. Auch bei Metro.

Wir werden deshalb mit großem Interesse verfolgen, wie tief die Metro-Aktie demnächst in den Keller geht. Das wird spannend. Und für diesen Thrill danken wir Ihnen, Olaf Koch.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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Pütz am 30. Mai 2014

Herr Koch hat recht, er denkt nicht als Manager, sondern als Unternehmer.
Dieser investiert langfristig.

Pütz am 30. Mai 2014

Herr Koch hat recht. Er handelt als Unternehmer (langfristig) und nicht als Manager.

Andreas Theyssen am 2. Juni 2014

Mit diesem Argument kann man auch Waffenlieferungen an Nordkorea oder Syriens Assad rechtfertigen.