Her mit den Kampfdrohnen!

Von Andreas Theyssen am 2. Juli 2014

Die Bundeswehr erwägt, bewaffnete Drohnen anzuschaffen – und stößt auf Widerstand. Die öffentliche Debatte darum ist jedoch eine Farce

Ursula von der Leyen, Verteidigungsministerin, hat sich erstmals aus der Deckung gewagt. Ja, sie sei dafür, Drohnen anzuschaffen, die sich auch bewaffnen lassen, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“.

Na also, geht doch. Zuvor war sie wochenlang abgetaucht, hatte kein Wort gesagt zu einer Debatte, die ihr Ressort betrifft. Denn die Bundeswehr erwägt Kampfdrohnen anzuschaffen, also unbemannte Flugkörper, die Raketen abschießen können.

Die Debatte ist reichlich absurd. Killermaschinen sind diese Kampfdrohnen, heißt es. Kampfdrohnen tragen zur Entmenschlichung des Krieges bei, warnte ein Sachverständiger bei einer Bundestagsanhörung. Ja Leute, geht’s noch?

Wenn Kampfdrohnen Killermaschinen sind, was bitte sind dann die Eurofighter, Leopard-Panzer oder Maschinengewehre, über die die Bundeswehr längst verfügt? Spielplatztaugliche Maschinchen sind es definitiv nicht.

Entmenschlichung des Krieges? Bloß weil bei einer Kampfdrohne ein Soldaten per Joystick aus sicherer Entfernung eine Rakete abschießt? Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass es für Kriegsopfer einen Unterschied macht, ob sie von einer Kampfdrohnen-Rakete auseinander gerissen werden, oder von einer Maschinengewehr-Garbe durchsiebt oder von der Granate einer Panzerhaubitze 2000 zerfetzt oder von der Rakete eines Eurofighters in Stücke gerissen werden? All diese Waffensysteme besitzt die Bundeswehr längst.

Es gibt verdammt gute Gründe, Kampfdrohnen zu beschaffen: Sie retten Menschenleben – und zwar die von Bundeswehr-Soldaten. Wenn es darum geht, eine gegnerische Stellung einzunehmen, ist es dann besser Menschen in den Granathagel zu schicken, wenn man eben diese Stellung auch mit Hilfe einer Kampfdrohne ausschalten könnte? Wohl kaum.

Vergessen wir also diese lächerliche Debatte, ob die Bundeswehr Kampfdrohnen bekommen soll oder nicht. Sie soll es. Und nehmen wir endlich zur Kenntnis, dass Krieg grundsätzlich widerlich, blutig und grausam ist. Sei es mit oder ohne Kampfdrohnen.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin und früherer Wehrpflichtiger, hat für die Zeitung „Die Woche“ jahrelang über Verteidigungspolitik berichtet.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 11 Bewertungen (4,55 von 5)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Christian Schaefer am 2. Juli 2014

Die USA setzen bewaffnete Drohnen bereits seit Jahren ein und die Hemmschwelle, damit Aktionen durchzuführen scheint deutlich niedriger zu sein, als lebende Soldaten in den Krieg zu schicken. So niedrig, dass ohne Mandat in fremden Ländern Menschen ohne Verurteilung ermordet werden, Kollateralschäden inklusive. Nicht die ggf. niedrigere Hemmschwell des Joystick bedienenden Soldaten, sondern die seiner Befehlsgeber ist das Thema.

Helmut Lang am 2. Juli 2014

Es gibt Leute, die glauben Deutschland befinde sich Mitten in einem Krieg und treffen deshalb Vorkehrungen, die denn eine solche Aktion mit möglichst wenig Verlusten zu überleben sein. Natürlich geht es dabei nicht OHNE Kampfdrohnen... denn ALLE Welt hat sie also braucht sie die deutsche Armee auch. Denn davon profiert sicher irgend ein Rüstungshersteller.
Herr Theyssen Ihre Argumente pro Kampfdrohne sind an den Haaren herbei gezogen. Es gibt weder einen humanen Krieg noch hat Deutschland das Recht einen Angriffskrieg zu führen. Vielleicht sollten Sie sich mal mit dem § 80 a STG auseinander setzen und sich Argumente für den Staatsanwalt ausdenken. Ihr Hurra-Geschrei kann ganz schnell üble Folgen haben.

Andreas Theyssen am 2. Juli 2014

Sehr geehrter Herr Lang,

sind Sie sicher, dass wir den gleichen Text gelesen haben? Humaner Krieg? Recht auf Angriffskrieg? Ich habe das in dem Kommentar nirgendwo gefunden.

Don Krypton am 3. Juli 2014

Das Argument, dass der Einsatz bewaffneter Drohnen die Leben von Soldaten retten, hat Frau von der Leyen ja auch schon gebracht. Ich halte das für hanebüchenen Unsinn - wenn ich die Leben von Soldaten retten möchte, sorge ich dafür, dass diese in den Kasernen bleiben.

Zu was die Drohnenbeschaffung tatsächlich führt, sehen wir in den USA: Ohne Gefahr laufen zu müssen, eigene Kräfte zu verlieren, sind auch riskante Einsätze im Bereich des Möglichen. Und wenn ich die Möglichkeit habe, einen Angriff laufen zu lassen, ohne Verluste einzukalkulieren, kann ich halt auch mal bei nicht ganz validen Daten angreifen. Dass dann eventuell auch mal eine Hochzeitsgesellschaft...also versehentlich natürlich...aber so ist das eben "im Krieg".

Helmut Lang am 3. Juli 2014

Sehr geehrter Herr Theyssen,

ich habe NICHT davon gesprochen, dass in Ihrem Text irgendwas von einem humanen Krieg steht.Das ist meine Auffassung zu diesem Thema. Es wird auch in der Öffentlichkeit davon gesprochen, dass sich Deutschland wieder stärker in der Welt engagieren soll. Das bedeutet schlußendlich: die rechte Hand des selbsternannten Weltpolizisten USA spielen. Das mögen vielleicht unsere selbsternannten Eliten und die Verkäufer aus der Rüstungsindustrie, aber die Mehrheit des Volkes eben nicht.
Ich gehe einmal davon aus, dass Sie noch keinen Krieg erlebt haben, sehr geehrter Herr Theyssen, aber vielleicht sprechen Sie mit einem Zivilisten darüber, der einen Bombenhagel in Dresden oder Pforzheim erlebt hat. Die plädieren auch sicher für den Einsatz von Kampfdrohnen.