Yes, we can auch, Obama

Von Andreas Theyssen am 11. Juli 2014

Die Deutschen sind traditionell amerikafreundlich, bewundern und adaptieren den Way of Life der USA. Doch jetzt hat es Präsident Barack Obama geschafft, sogar die braven Deutschen in Harnisch zu bringen. Eine wahrlich reife Leistung

Wir wissen ja: Außenpolitik ist nicht so Ihr Ding, Herr Präsident. Und deshalb ist Ihnen vielleicht noch nicht aufgefallen, dass Sie in der Welt nicht allzu viele Freunde haben. Russen, Chinesen, Palästinenser, Pakistaner, Iraner, Afghanen, Nordkoreaner – all diese Leute mögen Amerika nicht sonderlich. Und da kann es nicht schaden, ein paar Freunde zu haben, die in harten Zeiten einem zur Seite stehen.

Wir Deutschen sind solche Freunde. Zwar haben wir zunächst auf Ihre GIs geschossen, als die am D-Day nach Europa kamen. Aber danach haben wir sie richtig lieb gewonnen, vor allem wegen ihrer Kaugummis, Lucky Strikes und Schallplatten. Wir sind der Nato beigetreten, obwohl wir vom Militär die Schnauze voll hatten, haben brav zusammen mit Ihnen Serbien bombardiert, sind in Afghanistan eingerückt, und selbst beim Irak-Krieg haben wir bündnistreu Ihre Kasernen bewacht, damit Sie mehr Soldaten für die Wüste hatten.

Wir haben nicht großartig aufgemuckt, als Ihre NSA millionenfach unsere Daten mopste und nicht einmal als sie Angela Merkels Handy abhörte, ganz so als sei die Kanzlerin Putin der Leibhaftige. Wie schon der Revolutionär Lenin anmerkte: Wenn die Deutschen einen Bahnsteig stürmen wollen, lösen sie erst einmal eine Bahnsteigkarte. Will heißen: So brav sind wir.

Aber jetzt haben Sie, Barack Obama, geschafft, was der olle Revoluzzer uns nie zugetraut hat: Wir mucken auf, selbst Angela Merkel, die Amerikabewundererin. Ihren obersten, offiziell registrierten Spion weisen wir gerade aus. Eine Maßnahme, die wir uns sonst für Nordkoreaner und Iraner vorbehalten. Wir sind sauer auf den Onkel jenseits der großen Teichs.

So etwas muss man erst einmal schaffen. Aber nach dem ganzen NSA-Kladderadatsch auch noch zwei Ihrer Spione in unseren Reihen entdecken zu müssen, dass schlägt dann doch dem Fass die Krone aus. Freunde auszuspähen schafft Feinde, Herr Präsident. Und die haben Sie sich gemacht in Deutschland.

Und nun sind wir selber gespannt, wie es weiter geht. Ami-go-home-Demos vor der US-Botschaft? Blockaden von GI-Kasernen? Boykott amerikanischer Unternehmen wie Facebook, Google oder Coca-Cola? Ganz gleich, was es ist – sie haben es sich redlich verdient, Herr Präsident. Yes, we can nämlich auch.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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