Spionageabwehr ganz alter Schule

Von Angelika Dehmel am 16. Juli 2014

Schreibmaschinen als Spionageschutz erwägt der NSA-Untersuchungsausschuss. Gute Idee. Wir haben noch ein paar Vorschläge, wie man Spionen künftig eins auf die Ohren geben kann. Denn eigentlich ist das ein Kinderspiel

Da man der NSA nicht einfach die Ohren zuhalten kann, haben Politiker in Sachen Datenschutz den Retrolook entdeckt. Der Vorsitzende des NSA-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Patrick Sensburg (CDU), gestand im ARD-Morgenmagazin, man habe bereits über die Nutzung einer Schreibmaschine anstatt von Computern nachgedacht, um geheime Dokumente zu verfassen.

Eine gute alte Schreibmaschine als Abhörschutz ist schon mal ein guter Anfang, aber da geht doch noch mehr. Um den Politikern in ihrer Suche nach altbewährten Methoden der Spionageabwehr zu unterstützen, haben wir einen tiefen Griff in die Mottenkiste gewagt.

Ein allen Kindern bekannter Klassiker ist Tinte aus Zitronensaft oder, nach persönlichen Geschmack, auch anderen sauren Obstsorten. Die verschwindet nach dem Trocknen wieder spurlos vom Papier. Diese Methode lege ich besonders den Grünen ans Herz, kann man damit doch ökologisch korrekt zur Not auch politisch völlig unkorrekte Sachen schreiben. Ein wenig Wärme, fürs echte Scotland-Yard-Gefühl am besten eine Kerzenflamme, – und schon kann man die Nachricht lesen. Allerdings nur, wenn man den Zettel nicht zu nah an die Kerze hält und die Botschaft ein Raub der Flammen wird. Aber immerhin bleibt das Geheimnis auch in so einem Fall sicher.

Her mit den toten Briefkästen!
Was früher ja auch immer gut funktioniert hat und vermutlich generell noch bei Spionen in Mode ist: die guten alten toten Briefkästen. Das Kanzleramt oder der Bundestag sind ja groß genug, um sich da einige spezielle Plätzchen dafür auszusuchen. Ein ganz bestimmter Toilettenkasten im Herrenklo (die werden seltener benutzt als die der Damen), ein Salzstreuer mit doppelten Boden in der Cafeteria – oder wie wäre es mit einem Kopierer? Einfach unten ins A3-Fach unter den Papierstapel geklemmt. Diese Größe kommt eh kaum zum Einsatz, sodass ein versehentliches Ausdrucken eher unwahrscheinlich ist.

Am besten aber ist wohl doch noch der rein persönliche Kontakt. Früher hieß das Spielchen auch Stille Post. Der Haken dabei: Die Nachrichtenweitergabe sollte nicht über zu viele Ins-Ohr-Flüsterer gehen, sonst kommt was ganz Seltsames dabei heraus. Auf der anderen Seite ist genau das die Chance, um die Sache im kleinen Kreis zu halten. Dieses Nuschelspiel war jedenfalls auf den Kindergeburtstagen meiner Jugend ein Quell der Freude – zwischen Topfschlagen und Schokokusswettessen. Und über ein paar Gründe zu lachen, würden sich sowohl die NSA als auch der NSA-Untersuchungsausschuss freuen.

Denn eigentlich ist sie ja nicht lustig, die ganze Geschichte.

Angelika Dehmel, Autorin in den Niederlanden, hat sich in der Grundschule in Verschlüsselungstechniken versucht und Briefe an Freundinnen in Geheimschrift oder unsichtbarer Tinte geschrieben. Ihre Erfahrungen stellt sie auf Anfrage gerne dem NSA-Ausschuss zur Verfügung.

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