So asozial ist Uber

Von Kai Makus am 24. November 2014

Eine „Lex Uber“ wünscht sich der Deutschland-Sprecher des Taxi-Konkurrenten. Das ist dreist. Denn das Unternehmen will Gewinne auf Kosten vieler anderer machen

Uber will den Taxi-Markt revolutionieren. Das ist zunächst mal nicht schlecht. Der App-Anbieter schafft neue Alternativen für Mobilität. Wird ein saturierter Markt aufgebrochen, ist das oft auch gut für den Verbraucher. Und sei es nur, dass es das Leben leichter, bequemer macht. Wie der Buchkauf über Amazon statt über den mühseligen Umweg durch den Bücherladen um die Ecke.

Aber Uber ist eben kein Taxi-Unternehmen. Und will es wohl auch nicht sein. Da, wo es der US-Konzern versucht hat, sind Probleme aufgetreten. Anderswo gab es auch so Probleme, unter anderem in Kanada. In Deutschland gab es bereits Gerichtsverfahren. Denn Uber will sich nicht an die Regeln halten. Das kann man rebellisch nennen wollen, wenn man in der Marketing-Abteilung dort arbeitet.

Tatsächlich ist es asozial. Taxi-Fahrer haben nicht gerade Traumjobs. Viele arbeiten auf eigene Rechnung, sind mehr schein- denn wirklich selbstständig. Für sie wirken die regulierten Taxen wie eine Art Mindestlohn. Die Garantie dafür, dass ihre Entgelte nicht nach unten durchgereicht werden. Genau das aber droht ihnen, wenn sich das Modell Uber durchsetzt.

Der Deutschland-Sprecher des Unternehmens, Fabien Nestmann, hat in der FAZ gesagt, welche Gesetzesänderungen er sich vorstellen könnte, damit Uber künftig nicht mehr in einer rechtlichen Grauzone agiert. Eine „Lex Uber“. Ein Eingeständnis, dass Uber in Deutschland rechtlich nicht wasserdicht arbeitet. Er schlägt „eine Art Minijob für Selbstständige“ vor. Mit Einnahmen bis 450 Euro im Monat sollten sie nur eine Pauschalabgabe leisten. Vorbild Hartz-Reformen. Bloß keine Verpflichtungen eingehen und dafür möglichst wenig zahlen, lautet das Motto.

Uber sieht sich als Teil einer neuen Sharing-Economy – Teilen statt Kaufen. Das ist ein vernünftiges Projekt. Wenn Car-Sharing einmal dafür sorgt, dass weniger Autos in der Stadt herumstehen, ist das gut für alle. Auch wenn es noch längst nicht so weit ist. Uber stellt dagegen keine physischen Alternativen bereit, sondern Software und Zahlungsabwicklung. Und lässt sich das mit einem Fünftel gut vergüten. Steuereinnahmen fallen darauf erfahrungsgemäß in Deutschland wenig an. Hier muss aber die Infrastruktur in Schuss gehalten werden, damit Uber überhaupt Geschäfte machen kann. Eine seltsame Auffassung vom Teilen.

Uber und andere – Deutschland-Sprecher Nestmann nennt Amazon und Air’BN’B – sind Teil des Cowboy-Kapitalismus, den die US-Investoren so lieben. Kein Wunder, dass schon Firmenwerte von bis zu 18 Milliarden Dollar lanciert werden in Vorbereitung eines Börsengangs. Doch selbst in den USA regt sich Protest gegen die Macho-Kultur, die Uber-Chef und -Mitgründer Travis Kalanick offenbar etabliert hat. Die Drohung seines Managers Emil Michael, missliebigen Journalisten nachzustellen, galt direkt der Kollegin Sarah Lacy, die den neuen Sexismus im Silicon Valley beklagt hatte.

Das könnte zum Marketing-Desaster werden. Die USA reagieren auf Sexismus zuweilen empfindlicher als auf Ausbeutung. Uber-Chef Kalanick hat sich entschuldigt über Twitter. Er bedauert die Ausfälle von Michael. Aus solchen Äußerungen spreche ein „Mangel an Menschlichkeit“. Auf seinem Posten belassen hat er den Manager trotzdem. Er scheint doch ganz gut dorthin zu passen.

Kai Makus, Autor im Peiner Land, schreibt die OC-Kolumne „Links gedreht“ jeden Montag.

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Jürgen am 24. November 2014

Man kann Uber als asozial sehen. Aber die Diskussion über das Beförderungsgesetz ist überfällig. Gerade damit gute Taxifahrer bessere Chancen haben ;-)

Kai Makus am 24. November 2014

Hallo, Jürgen. Klar kann man gern darüber diskutieren. Dabei aber bitte an die Reihenfolge halten: Erst Debatte und ggf. Gesetzesänderung - dann das Geschäft. Uber macht's umgekehrt. Und gesteht das ja auch indirekt ein, wenn sie jetzt neue Gesetze fordern. So geht's nicht.

Georg am 24. November 2014

Man kann ja von der Bundesregierung halten was man will, aber es ist nun mal eine der Stärken in Deutschland, dass oftmals der Weg der "goldenen Mitte" gegangen wird. Unsere relativ strengen Gesetze sichern eben den Kunden ihre Rechte (im Gegensatz zu den USA), ohne unternehmerisches Handeln allzu schwierig zu machen (wie z.T. in Frankreich). Diese amerikanischen Turbo-Kapitalisten sind es, die nicht über den Tellerrand schauen können. Wenn Unternehmen nicht alles erlaubt sei, ist es doof. Welche Vorteile hätten wir in Deutschland denn von dieser Denke? In den USA findet man leichter einen Job, dafür wird man auch schneller wieder entlassen. Manche Waren sind günstiger, andere dafür wiederum teurer. Der US-Weg ist in keiner Weise wirklich besser, Vor- und Nachteile verteilen sich nur anders. Die Regierung täte gut daran, die Wünsche irgendwelcher US-Konzerne nach Bevorteilung einfach zu ignorieren. Wenn Uber in Deutschland ordentlich Steuern zahlt und massig gut (!) bezahlte Arbeitsplätze schafft, können wir ja über den Wert des Unternehmens für unsere Gesellschaft erneut diskutieren.

Ich finde es ja sehr eigenartig, dass es für US-Geschäftsleute normal zu sein scheint, einfach alles vom Staat geschenkt zu bekommen. Hier eine Steuererleichterung, dort eine Gesetzesänderung...und diese Manager sind im Geschäftsleben wirklich erfolgreich? Ich wusste gar nicht, dass man im BWL-Studium nur das Schreiben von Wunschzetteln lernt. Mit dem Vorhandenen sinnvoll umzugehen, eben zu wirtschaften, das kommt in den USA anscheinend nur als allerletzte Notlösung in den Sinn.

Zaunkoenigin am 25. November 2014

Man kann zu Uber stehen wie man mag .... aber asozial?

Mh... sehen das hier ....
"Bloß keine Verpflichtungen eingehen und dafür möglichst wenig zahlen, lautet das Motto."
und das ...
"Denn das Unternehmen will Gewinne auf Kosten vieler anderer machen"

andere Unternehmen anders? Ich für meinen Teil habe diesen Eindruck nicht. Soziale Verantwortung ist heutzutage in den wenigstens Unternehmen noch ein wirkliches Anliegen.

Kai Makus am 25. November 2014

Werte Frau Zaunkoenigin,
mit Ihrer Zustandsbeschreibung haben Sie bedauerlicherweise recht. Uber geht aber noch einen Schritt weiter. Ich fasse das mal etwas salopp zusammen. Sie gestehen indirekt ein, gegen deutsches Recht zu verstoßen. Sonst müssten sie ja keine"Lex Uber" verlangen. Nach dem Motto: Hoppla, jetzt kommen wir! Nun passt mal schön eure Spielregeln an unsere Gewinninteressen an! Das gibt es bei deutschen Firmen sicher auch. Nur machen die das meist diskret im Lobby-Vorfeld und handeln erst dann, wenn sie ihre Interessen in Gesetzesform haben gießen lassen können. Und sie verkaufen sich dabei nicht auch noch als Revolutionäre.
Auf dem Pausenhof früher mussten solche Leute immer allein spielen. Zu Recht.

Zaunkoenigin am 26. November 2014

Oh Herr Makus, ich versichere Ihnen, dass heutzutage diese Leute auf dem Schulhof nicht alleine spielen müssten. Es ist eher wahrscheinlich, dass ihnen die Bewunderung der Masse "nachschleichen" würde.
Ich für meinen Teil finde die eine Gruppe so widerlich wie die andere. Wobei ich die "diskrete" Vorgehensweise fast noch abstossender finde (weil auch effektiver und weil damit auch viele "politische Saubermänner" den Unternehmen zuspielen)

Was die Anpassung der Spielregeln an Gewinninteressen angeht... da fallen mir ad hoc einige ein:
- Mindestlohndebatte und das was letztendlich (sehr aufgeweicht) heraus gekommen ist
- Zeitarbeit
- Rentenanpassungen
- Krankenversicherungsbeiträge (ich erinnere daran, dass vor einigen Jahren noch die Beiträge 50:50 von AN+AG getragen wurden. Wie sieht das heute aus? ... Richtig, der AN bezahlt einen höheren Beitrag)
- Rente mit 67
- Zuschüsse für Langzeitarbeitslose
- Zuschüsse für strukturschwache Gebiete
- ach ja.. und wie war das doch gleich mit dem ermäßigten Steuersatz ... und den Hotels?

Ich bin sicher, mir würde da noch viel mehr einfallen, wenn ich mir etwas Zeit nehmen würde, darüber nachzudenken.

Auf jeden Fall mischt unsere inländische Wirtschaft ganz erheblich in der Politik mit. Und das sicher nicht, weil sie ach so sozial engangiert sind.