Total aufregend, DHL

Von Andreas Theyssen am 28. November 2014

Die Paketzusteller der Deutschen Post schaffen es immer wieder, Spannung in die Monotonie des Alltags zu bringen

Das Leben ist ein Einerlei. Immer um die gleiche Uhrzeit aufstehen, immer die gleiche Anzahl Tassen Kaffee oder Tee zum Frühstück, immer mit dem gleichen Verkehrsmittel zur Arbeit, immer im gleichen Büro seine acht, neun, zehn Stunden absitzen. Diese Monotonie ist schwer erträglich. Kommt noch dieses graue November-Wetter hinzu, wird es unerträglich.

Da ist es gut, dass es DHL gibt, den Paketdienst der Deutschen Post. Dessen Zusteller schaffen es immer wieder, Abwechslung in die Monotonie des Alltags zu bringen. Oft sogar Spannung.

Es klingelt an der Haustür. „Guten Tag, DHL“, kommt es durch die Gegensprechanlage. „Ein Paket für Sie. Können Sie bitte mal eben runterkommen und es abholen?“ Mal eben runterkommen heißt in diesem Fall, mal eben fünf Stockwerke, einen Hof und eine Eingangshalle zu bewältigen.

Zwei Zusteller, ein Paket, null Zustellung

„Tut mir leid, aber ich bin am Telefon“, antworten wir. Kommt schließlich häufiger vor bei Menschen, die von zuhause aus arbeiten. „Na gut, dann bringe ich das Paket zur Post oder werfe eine Karte ein“, kommt es aus der Gegensprechanlage.

Eine DHL-Benachrichtigungskarte finden wir an diesem Tag nicht im Briefkasten, auch nicht am nächsten. Dafür klingelt es am übernächsten Tag. Durch die Videoanlage sehen wir, dass diesmal sogar zwei DHL-Zusteller vor dem Haus stehen. „Guten Tag, ein Paket für Sie“, sagt der eine. „Können Sie mal eben runterkommen und es abholen?“

„Nein, kann ich leider nicht“, sagen wir. Diesmal ohne rechten Grund, sondern allein aus Daffke. Schließlich liefern Hermes und die anderen Paketdienste auch bis zur Wohnungstür oder geben die Pakete bei Nachbarn ab. Und dass DHL bei Mehrfamilienhäusern nicht mehr bis zur Wohnungstür zustellt, ist uns auch neu.

„Tschühüsss“, kommt es aus der Gegensprechanlage, mehr nicht. Kurz darauf finden wir eine DHL-Benachrichtigungskarte im Briefkasten. „Empfänger nicht angetroffen“, steht darauf, was man wohl als Lüge bezeichnen kann. Das Paket sei bei der Post abzuholen.

DHL-Zusteller sind erstaunlich kreativ bei ihrem steten Bemühen, unseren Alltag aufzuhellen. Da ist der Mann, der nicht einmal klingelt, sondern gleich eine Karte einwirft, obwohl wir zu dem Zeitpunkt daheim sind. Als wir das Paket auf der Post abholen, wird uns auch klar, weshalb: Das Ding, beladen mit zwei Kopfkissen und einer Bettdecke, ist recht sperrig.

Der Quotendruck der Zusteller

Und da ist der DHL-Zusteller, der nicht einmal eine Karte einwirft. Unter 164 Briefkästen den richtigen zu finden, ist ja auch verdammt mühsam. Erst durch Nachfrage beim Versender erfahren wir, dass das Paket schon seit Tagen auf der Post liegt.

Es ist schon ein Phänomen, dass ausschließlich die Zusteller von DHL mit überaus kreativen Methoden Spannung in unseren Alltag bringen, aber so gut wie nie die Leute von Hermes, DPD oder UPS. Selbstverständlich sind wir diesem Phänomen auf den Grund gegangen. Sein Arbeitgeber, so erklärt ein DHL-Zusteller, habe die Quote der täglich zuzustellenden Päckchen und Pakete so hoch angesetzt, dass er es unmöglich schaffen könne, sie alle an der Wohnungstür abzuliefern. Für jedes Phänomen gibt es eben eine sehr rationale Erklärung.

Nur ein Rätsel des DHL-Alltags haben wir noch nicht lösen können. Nach welchem Prinzip werden die angeblich nicht zuzustellenden Pakete mal bei der Post, mal in der Packstation deponiert? Dabei wäre es für uns durchaus interessant, dies zu wissen. Denn die Post liegt gleich gegenüber, die Packstation aber 600 Meter entfernt. Es bleibt aufregend, unser Leben mit DHL.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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Zaunkoenigin am 28. November 2014

ja, so läuft das .. oder zumindest so ähnlich. Selbst bei uns auf dem Land.

Dennoch fehlt mir in diesem Artikel das Wesentliche. Nämlich ein wenig mehr Recherche und Information zu und über die Hintergründe. Wie dort mit Menschen umgegangen wird und wie die Bezahlung ausfällt.

Warum die Pakete einmal da und einmal dort landen ist vermutlich ziemlich leicht zu erklären. Es gibt keine Struktur. Überarbeitete und getriebene Menschen handeln meist nur noch instinktiv und lassen es da "fallen" wo es für sie vermutlich die meiste Entlastung bringt.

Andreas Theyssen am 28. November 2014

Werte Zaunkoenigin,

natürlich hätte man recherchieren können, wie es en détail bei DHL zugeht. Aber dann wäre das ein Bericht oder eine Reportage über DHL und die dort möglicherweise herrschenden Missstände. Die Kolumne "Mein Held der Woche" ist aber eine ironisch-sarkastische Glosse und somit ein ganz anderes journalistisches Format. Hinzu kommt, dass sie aus der Perspektive der DHL-Kunden geschrieben ist und nicht aus Sicht der DHL-Mitarbeiter.

Zum anderen: Werden Sie auf der Website Opinion Club mit Werbung behelligt? Müssen Sie dafür bezahlen, dass Sie auf der Website lesen und kommentieren können? Nein. Eine investigative Recherche in Sachen DHL ist aber sehr zeit- und damit sehr kostenaufwändig. Und dies kann unter den gegebenen finanziellen Bedingungen kein Autor leisten.

Zaunkoenigin am 29. November 2014

Werter Herr Theysen,

in der Tat habe ich lediglich den Artikel und nicht den zartgrauen Hinweis auf die Kolumne zur Kenntnis genommen. Ein Versäumnis meinerseits. Das macht Ihren Artikel allerdings für meinen Geschmack nicht besser und noch nicht einmal humorvoller. Mich stösst es vielmehr bitter auf, wenn ein bedauernswerter Mensch auch noch für so etwas herhalten muss. Und der arme Kunde? Ich gebe zu, ich ärgere mich auch über solche Vorkommnisse. Aber erheiternd? Nein, erheiternd finde ich das nicht. Und wenn ich den Männern und Frauen morgens beim Austeilen der Sendungen bei uns in der kleinen Straße zuschaue, dann packt mich allenfalls Mitleid. Dass wir alle, DHL, die Politik und nicht zuletzt der Kunde (oder soll ich sagen unsere Geiz-ist-geil-Gesellschaft?) an diesen Mißständen mit verantwortlich sind, macht es nicht besser.

Zu Ihrer letzten Bemerkung kann ich nur noch sagen, dass war dann wohl ein ziemliches Eigentor.

Auf der Home-Seite des Opinion-Clubs findet man u.a. folgenden einleitenden Satz:

Opinion Club ist die Seite für Meinung und Analyse

Was soll ich nun glauben? Diesem Entree? Oder ihrem ziemlich pampigen Hinweis, dass ich für "umme" nicht mehr erwarten könne?

Aber ich habe mir darüber nachgedacht und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass Sie einen Anspruch darauf haben als Person ernst genommen zu werden und antworte Ihnen deshalb: Wenn Sie sich als Journalist verstehen der auch den Namen verdient und weder die Zeit noch die Geduld dazu haben sauber und vollständig zu recherchieren, dann ...................ja meine Güte .......... dann lassen sie es doch einfach bleiben! Besser wäre das!

Andreas Theyssen am 1. Dezember 2014

Fassen wir einmal zusammen, werte Zaunkoenigin: Die möglicherweise prekären Arbeitsverhältnisse von DHL-Zustellern liegen Ihnen so sehr am Herzen, dass Sie sogar in einer Glosse darüber lesen möchten. Bei Journalisten aber erwarten Sie, dass diese für ein Vergelt's Gott arbeiten und darüber hinaus auch noch die Kosten einer aufwändigen Recherche tragen. Weist ein Journalist darauf hin, dass dies nicht funktioniert (sogar Journalisten müssen essen, wohnen, Kinder aufziehen), wird er von Ihnen beleidigt. Faszinierendes Sozialverständnis.

Zaunkoenigin am 1. Dezember 2014

Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sie nicht verstehen wollen ...

a) habe ich erwähnt was ich zur Glosse zu sagen hatte
b) hat niemand von Ihnen verlang kostenlos zu arbeiten.
c) hätte das was ich reklamiere mit Sicherheit keiner aufwändigen Recherche bedurft. (die Betonung liegt auf Aufwändig). Sie hätte allenfalls ihren durchschnittlichen Stundensatz ein wenig minimiert.
d) haben ich das bisher so verstanden, dass der Opinion-Club eine freiwillige Angelegenheit ist. Somit sage ich nur .. wem es zu viel Arbeit für die Veröffentlichungen an dieser Stelle ordentliche Recherche und Analyse zu betreiben (wie es die Eingangseite dieser HP verspricht!) der kann es lassen ohne in existenzielle Nöte zu fallen.
e) diese Wahl hat der durchschnittliche DHL-Mitarbeiter nicht.
f) dürfte Ihr Gehalt z.Zt. noch deutlich über dem eines DHL-Austrägers liegen und auch der Arbeitstakt.
g) ist es einfach schlechter Stil sich über Menschen die am Existenzminimum leben und dann noch ausgebeutet werden lustig zu machen. Man kann es auch überheblich nennen, oder wenig einfühlsam. Im besten Fall ist es gedankenlos.
h) Fast erheiternd fand ich nun wiederum, dass Sie sich von mir beleidigt fühlen, aber nicht einmal im Ansatz wahrnehmen (oder es ganz weit von sich schieben), wie sich ein DHL-Mitarbeiter fühlen muss, wenn er Ihre Glosse zu lesen bekommt. Oder gehen sie davon aus, dass er das sowieso nicht tut?

und an letzter Stelle ... ich zitiere:

"Die Glosse ist die kürzeste journalistische Stilform und wird daher meist auch als die Schwierigste eingestuft. Das Ziel eines kurz gefassten Meinungsartikels ist es, Stellung zu beziehen und dem Leser den Sachverhalt knapp, aber vor allem verständlich nahe zu legen. Die Formulierung sollte elegant gewählt sein und in berichtender Sprache verfasst werden. Kann man den Leser für die eigene Meinung gewinnen, hat man den Sinn der Glosse zielbringend umgesetzt."

Wenn das ihre persönliche Stellungnahme war ... na dann .....