Wenn Putin auf Gas gebaut hat

Von Volker Warkentin am 3. Dezember 2014

Mindestens zwei deutsche Firmen leiden unter dem Aus für die Pipeline South Stream, die Moskau verkündet hat. Das kaschiert jedoch, dass das Ende des Projekts vor allem eine eklatante Niederlage für Präsident Putin ist

Das Aus für die Gaspipeline South Stream hat Wladimir Putin mit einem Paukenschlag verkündet. Eine schlechte Nachricht für die deutsche BASF-Tochter Wintershall, die italienische ENI und die EdF aus Frankreich oder den Stahlkonzern Salzgitter, die entweder am Konsortium beteiligt sind oder an der Leitung mitbauen wollten.

Das Getöse, mit dem Russlands Präsident das Ende des Projekts bekannt gab, diente wohl dazu, die eigene Niederlage zu übertönen. Denn alles in allem wäre die fast 2400 Kilometer lange Rohrleitung, die Gas unter Umgehung der Ukraine von der russischen Schwarzmeerküste bis nach Italien liefern sollte, sicher nicht rentabel zu betreiben gewesen.

Putin gab bei der Bekanntgabe des Beschlusses zwar die Tonart vor, doch es war der mächtige Gazprom-Chef Alexei Miller, der die Melodie spielte. „ Das Projekt ist abgeschlossen. Das war’s“, gab die Nachrichtenagentur Reuters den Boss des russischen Gasmonopolisten wieder. Immerhin hat der Konzern, der in Deutschland  Sponsor des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 ist, schon gut vier der auf 38 Milliarden Euro geschätzten Baukosten in den Sand am Grund des Schwarzen Meers gesetzt.

Der frühere sowjetische Geheimdienstler Putin mag zwar ein Autokrat sein, der den größten Flächenstaat der Welt zum Jubel der meisten Russen mit eiserner Hand regiert. Doch der vermeintlich allmächtige Kreml-Chef, der alles andere als ein „lupenreiner Demokrat“ (Gerhard Schröder) ist,  kann die Gesetze der Ökonomie auch nicht außer Kraft setzen. Und nach denen steht es derzeit schlecht für Russland, das von seinen Öl- und Gasexporten abhängig ist.

So ist das Öl seit dem Sommer um 40 Prozent billiger geworden. Das hat auch Folgen für den Gaspreis, der an den Preis für Öl gekoppelt ist. Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach Gas in der EU seit fünf Jahren ebenfalls zurückgeht. Das lässt weniger Geld in den Gazprom-Kassen klingeln. Analysten erwarten deshalb, dass Gazprom noch dieses Jahr in die Verlustzone gerät. Daher sei der Energieriese gezwungen, seine Investitionen herunterzufahren.

Jetzt rächt sich Russlands Abhängigkeit von den Öl- und Gasexporten. Die Riesengewinne von Gazprom hat Russland nicht in die Modernisierung seiner Wirtschaft gesteckt, wenn mal einmal vom neuen Kampfpanzer T-90 oder anderem Schießgerät absieht. So wartet die Welt noch immer auf moderne Autos „made in Russia“, die Putin vor Jahren angekündigt hat. Ganz zu schweigen von anderen im Zeitalter der Digitalisierung notwendigen IT-Produkten. Außerdem hat Putins Russland den Boom in Asien verschlafen und zu lange seine Öl- und Gasexporte nach China & Co vernachlässigt.

Hinzu kamen bei South Stream auch politische Streitigkeiten mit der EU und Bulgarien, die den Russen beim Bau der Pipeline Verstöße gegen europäisches Recht vorwerfen. Zu Buche schlagen dürften aber auch die im Zuge der Ukraine-Krise verhängten Sanktion. Sie verhindern, dass Russland an Finanzmittel herankommt. South Stream ist somit zu einem Synonym geworden für eine Menge von Fehlern, die Putin in den vergangenen Jahren begangen hat.

Volker Warkentin, Autor in Berlin, verfolgt als ehemaliger Kampfsportler (Blaugurt im Karate) seit langem die Manöver des Kampfsportlers Putin (Schwarzgurt im Judo). Und als Auslandsredakteur der Nachrichtenagentur Reuters hat er sich mit der Politik des Präsidenten Putin befasst.

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Ludwig Härtsfelder am 7. Dezember 2014

Super geschrieben! Genau so ist es. Wir sind die Guten und Putin ist der Dumme.

phatterdee am 18. Dezember 2014

"eine eklatante Niederlage für Präsident Putin"

Das sehe ich etwas anders.
Für mich sind die wahren verlieher die Bulgaren die Kein billiges Gas aus Russland und keine Transit-gebüren bekommen.
Auch Italien muß sich weiterhin auf die Ukrainischen Leitungen verlassen.
Allerdings gebe Ich ihnen recht das es zuweing Inovation der Russischen Wirtschaft in den letzten Jahrzehneten gegeben hat, daran ist allerdings Putin nicht alle schuld.