Danke, Uli Hoeneß!

Von Kai Makus am 22. Dezember 2014

Während der Bayern-Boss seine Strafe wegen Steuerhinterziehung in Millionen-Höhe absitzt, gibt er seinen Bayerischen Verdienstorden zurück. Aber warum eigentlich?

Der Bayerische Verdienstorden wird laut Website der Staatskanzlei vergeben „als Zeichen ehrender und dankbarer Anerkennung für hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern und das bayerische Volk“. Er geht zurück auf Traditionen des 18. Jahrhunderts und versteht sich als „Symbol für den herausragenden Einsatz und das außerordentliche Engagement der Bürgerinnen und Bürger für unser Gemeinwesen“. Insgesamt sollen ihn bereits mehr als 5000 Menschen erhalten haben, von denen aber immer nur höchstens 2000 am Leben sein dürfen; darunter sind sogar mehr als 700 Frauen.

Nun hat er einen Träger weniger: Uli Hoeneß. Er hat die Auszeichnung zurückgegeben, wie die Staatskanzlei des Freistaates bestätigt. Laut „Bild“ hat Hoeneß‘ Gattin Susi das Schmuckstück persönlich abgegeben. Er selbst war unter Umständen verhindert.

Denn Hoeneß verbüßt bekanntlich seit dem Sommer eine dreieinhalb Jahre lange Haftstrafe. Er hatte bereits Gelegenheit, die Haftanstalt zu verlassen. Über Weihnachten wird es ihm wahrscheinlich wieder möglich sein, so dass er zum Fest nicht auf Gefängniskost angewiesen wäre. Und zum neuen Jahr winkt dem Freigänger ein neuer Job an alter Wirkungsstätte. In der Jugendarbeit des FC Bayern. Da kann er Vielen sicher Einiges beibringen.

Als Grund nennt Hoeneß übrigens nicht, was zu erwarten gewesen wäre: Dass er sich nämlich schämt, eine Ehrung wie diese zu tragen, wenn er eingestandenermaßen 28,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen hat. Nein. Hoeneß fühlt sich ungerecht behandelt. Weil er der einzige Bürger sei, der nach einer Selbstanzeige in Steuersachen auch tatsächlich ins Gefängnis musste.

Ausgerechnet der Hoeneß, der deutlich besser wegkam als die zehn Jahre Höchststrafe, die das Gesetz in einem besonders schweren Fall vorsieht? Der Hoeneß, dem am Ende seines Prozesses zunehmend selbst egal schien, für welche Summe genau man ihn belangen werde? Dessen Verurteilung so rasch vonstatten ging, dass man gar nicht mehr dazu kam, die Hintergründe des Darlehens vom inzwischen verstorbenen früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus  aufzuklären, die ihm die Steuerhinterziehung in dieser Dimension überhaupt erst ermöglicht hat?

Uli Hoeneß hat für jeden erkennbar gemacht, auf welch hohem Niveau die Staatspartei CSU das Wort Vetternwirtschaft inzwischen ausbuchstabieren kann. Dafür gehört ihm eigentlich der Bayerische Verdienstorden verliehen.

Kai Makus, Autor im Peiner Land, schreibt die OC-Kolumne „Links gedreht“ jeden Montag.

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Kai Makus am 28. Dezember 2014

Das 11. Gebot, nicht nur zu Weihnachten: Glaub niemals, was in "Bild" steht.
http://www.sueddeutsche.de/panorama/auf-draengen-von-seehofers-staatskanzlei-hoeness-gab-verdienstorden-unter-druck-zurueck-1.2280296