Gebt Uli Hoeneß Hertha BSC!

Von Volker Warkentin am 30. Dezember 2014

Der Hauptstadt-Club ist ein Ärgernis. Vor allem für seine Fans. Es wird Zeit, den eiernden Fußballverein endlich aus seinem Loch zu holen. Und das kann nur einer

Madrid, Lissabon und Rom haben je zwei. London kann sich sogar mit sechs Erstligamannschaften brüsten. Ob Spanien, Italien oder England: Hauptstadt-Klubs aus diesen Ländern brillieren meist auch international mit fußballerischem Können.

Berlin als Hauptstadt der stärksten europäischen Volkswirtschaft hingegen bietet ein Bild des Jammers: Erstligist Hertha BSC liefert seit Jahren Magerquark und Knäckebrot. Der vom Niederländer Jos Luhukai trainierten Elf droht nach 2010 und 2012 nun zum dritten Mal der Abstieg. „Eisern Union“, der Kultverein aus dem Osten, kommt mangels finanzieller Mittel aus dem Zweitliga-Mittelmaß nicht hinaus. Andere Vereine wie der zehnfachen DDR-Meister Dynamo Berlin oder Tennis Borussia sind in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Hertha ist ein Dauerärgernis, für das man sich als Fan schämen muss. Zur Winterpause ist die Hauptstadt-Elf nur einen Punkt von den Abstiegsplätzen entfernt. Zum Schluss boten Luhukays Mannen bei der 0:5-Heimniederlage gegen Hoffenheim das desolate Bild einer mittelmäßigen Amateurtruppe. Zum Rückrundenstart geht es gleich zu Werder Bremen, einer Mannschaft, die darauf brennt, den Tabellenkeller zu verlassen. Dann kommt Champions-League-Teilnehmer Leverkusen, danach geht es zu den Mainzern, die den Herthanern im Hinspiel eine 1:3-Heimniederlage verpassten. Das verheißt nichts Gutes.

Dabei hatten die Berliner zum Saisonstart acht Spieler neu verpflichtet, darunter den Stürmerstar Salomon Kalou. Doch statt Tore zu schießen, drückt der Mann von der Elfenbeinküste, der 2012 mit Chelsea die Champions League gewann, die Ersatzbank. Die Klage über sein Dasein als Edelreservist ahndete der Klub mit einer Geldbuße. Kalou und andere Neuverpflichtungen denken bereits darüber nach, der ansonsten im Ausland überaus populären deutschen Metropole den Rücken zu kehren.

Trainer Luhukay gibt sich ernüchtert: „Wir haben vor der Saison einen Kader zusammengestellt, von dem wir überzeugt waren, dass er uns besser macht. Das ist leider nicht eingetreten.“ Shit happens.

Dabei sieht es für die Herthaner seit dem Einstieg des Finanzinvestors KKR finanziell rosig aus. Die Amerikaner wollen den Verein, der 1931 zum letzten Mal Deutscher Meister wurde, entschulden und 60 Millionen Euro springen lassen. „Wir werden nicht abheben, wir bleiben der gleiche Verein“, hatte Manager Michael Preetz die Aktivitäten von KKR kommentiert. Genau das ist das Problem.

Schließlich gilt Preetz manchen Beobachtern als Ursache der Misere des Traditionsvereins, der bereits die Abstiege von 2010 und 2012 zu verantworten hatte. Ob er seinen Chefsessel ein drittes Mal verteidigen wird, bleibt abzuwarten.

Preetz’ Vorgänger Dieter Hoeneß, der den Verein Ende der 1990er Jahre in die Erstliga und in die Champions League geführt hatte, klagt über fehlenden Ehrgeiz der Berliner. „Als Hauptstadt-Klub sollte man eigentlich andere Ansprüche haben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man schon eine andere Ebene erreicht hatte“, so Hoeneß in „Sport Bild“.

Noch halten die Fans ihrem Verein die Treue. Entscheidend aber wird sein, dass ein Ruck durch den Klub geht und sich die Erkenntnis breit macht, dass Hertha BSC mehr sein muss als ein gewöhnlicher Fußballverein. Mehr noch als Dortmund oder Schalke muss Hertha zum FC Bayern München aufschließen und international zu dem Aushängeschild des deutschen Fußballs werden. Eine sportlich erfolgreiche Hertha kann zudem Identifikationsfigur für den Aufstieg der Region Berlin-Brandenburg sein.

Um all das zu erreichen, bedarf es einer anderen, bissigen Vereinsführung. Gefragt sind Typen wie Rudi Assauer, Willi Lemke oder Reiner Calmund, die für den Erfolg der Mannschaft brennen. Auf jeden Preetz-Nachfolger wartet ein Knochenjob. Eine Arbeit, so hart wie drei Jahre Knast. Uli Hoeneß, übernehmen Sie!

Volker Warkentin, Autor in Berlin und Dauerkartenbesitzer bei Hertha BSC, kann von seinem Balkon aus in die Praxisräume von Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher schauen. Der gilt unter Kennern als Herthas bester Mann.

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phatterdee am 3. Januar 2015

Ob sich das er Uli antut ist die frage, es wäre aber eine gute Strafe.
Obwohl ich denke bei der Spiel Kultur in Berlin stirbt der noch am Herzinfackt.
Mann google roter kopf der dritte treffer ist Uli Hoeness (bei der Bild suche)