Seehofer will aufhören. Na und?

Von Matthias Maus am 7. Januar 2015

Bayerns Ministerpräsident will bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr antreten. Das kann man ernst nehmen, muss es aber nicht. Entscheidender ist, ob sein Nachfolger den gleichen Politikstil pflegen wird wie der CSU-Chef

Ist jemand aufgeschreckt? Sind die Retweets in die Höhe geschossen, haben die E-Mail-Accounts geglüht im politischen Berlin? „Hast Du schon gehört? Der Seehofer will nicht mehr antreten?“ Ein politisches Beben – ach was!

Es liegt in der menschlichen Natur, dass man Nervensägen, Quertreiber, Querulanten zum Teufel wünscht. Und es besteht Grund zur Annahme, dass dieser Wunsch im Falle Seehofer selbst im Unionslager besteht. Der bayerische Ministerpräsident hat in den letzten Monaten wenige Gelegenheiten verstreichen lassen, sich als politischer Ego-Shooter unbeliebt zu machen.

Er gefällt sich als Populist, dem das zustimmende Gemurmel des eigenen Parteivolks allemal wichtiger ist als der Erfolg einer Großen Koalition oder gar eines politischen Projekts. Von der Zuwanderung über die unsägliche Maut bis zur Energiewende macht Seehofer Strohfeuerpolitik. Er kapitalisiert Stimmungen für den kurzfristigen Erfolg. Was diese Politik für Folgen hat in, sagen wir: einem Jahr – wurscht. Das kann zum Beispiel der Kanzlerin nicht gefallen.

Allerdings: Auch in München sinkt die Zahl derer, die sich von politischen Paukenschlägen des bayerischen Ministerpräsidenten aus der Ruhe bringen lassen. Das Kokettieren mit der Unberechenbarkeit wird zur Gewohnheit. Längst haben sich die viel gehandelten Nachfolger, Finanzminister Markus Söder oder Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, damit abgefunden, vom Chef regelmäßig vorgeführt oder abgewatscht zu werden.

Sie wissen: Nachdem ihm 2013 die Rückeroberung der absoluten CSU-Mehrheit gelungen ist, kann Seehofer sich nur selbst erledigen. Und sie wissen mit einem Blick in die Geschichte, dass CSU-Heroen nach großen Erfolgen zur Selbstdemontage in der Lage sind. Edmund Stoiber hat das nach seinem epochalen Sieg 2003 eindrucksvoll bewiesen. Es dauerte dann allerdings noch dreieinhalb Jahre. Und in Geduld werden sich Seehofers Hintersassen üben.

Die Frage ist, ob sich ein Nachfolger, eine Nachfolgerin eines anderen Politik-Stils bedienen wird. Wie wenig das zu erwarten ist, zeigen die letzten Äußerungen eines weiteren Nachfolgekandidaten, des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann. Der ist eigentlich kein Hardliner, aber in der Flüchtlingspolitik intonierte er zum Jahreswechsel eine neue Variation des CSU-Schlagers „Raus, aber schnell“. Auch er weiß, „wo der Bartl den Most holt“ – beziehungsweise ein CSU-Kronprinz die Stimmen der Basis.

Matthias Maus, Autor aus dem Münchner Umland, berichtet seit einem Vierteljahrhundert über die CSU, unter anderem als langjähriger Politikchef und Chefreporter der Münchner „Abendzeitung“.

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