Ein Anschlag auf das Herz des Westens

Von Volker Warkentin am 8. Januar 2015

Der Terroranschlag von Paris ist weit mehr als ein Angriff auf ein Satireblatt. Er ist ein Angriff auf alle Werte des Westens. Und er wird die rechtspopulistischen Islamfeinde in Frankreich und Deutschland beflügeln

Entsetzen. Trauer. Wut. Das sind erste Reaktionen auf den Überfall mutmaßlicher Islamisten auf das französische Satireblatt „Charlie Hebdo“. Mindesten zwölf Menschen wurden bei dem Anschlag getötet, unter ihnen acht Journalisten und Karikaturisten sowie zwei Polizisten. Denn „Charlie Hebdo“ stand wegen der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen unter Polizeischutz. Unter den Toten ist auch Herausgeber Stephane Charbonnier, von dem der Satz stammt: „Lieber stehend sterben, als kniend weiterleben.“ Für diese Überzeugung hat er sein Leben gelassen.

Es war ein Anschlag gegen die Pressefreiheit und gegen freie Gesellschaften, die auch die heftigsten Provokationen gegen Religionen aushalten können und müssen. Für antiklerikale Attacken seht „Charlie Hebdo“ wie kein anderes Blatt in Frankreich

Angriffe auf Zeitungsredaktionen kennen wir nur aus Diktaturen, nicht aber aus Frankreich, einem der Mutterländer der Demokratie. Der Überfall wurde am helllichten Tag in der lebendigen Metropole Paris verübt. Noch gibt es nur vage Hinweise auf die mit Kalaschnikow-Schnellfeuergewehren bewaffneten Attentäter. Medienberichten zufolge fahndet die Polizei nach zwei Brüdern algerischer Herkunft und einem weiteren Mann.

Überlebende berichteten, die perfekt französisch sprechenden Angreifer hätten „Gott ist groß“ und „Wir haben den Propheten gerächt“ gerufen. Und die Männer sollen sehr professionell vorgegangen sein. Sicherheitsexperten halten es deshalb für möglich, dass die Angreifer in Syrien oder im Irak auf der Seite islamistischer Milizen wie dem „Islamischen Staat“ (IS) gekämpft haben und ihr mörderisches Handwerk nun in Frankreich fortsetzen. Da sollten nicht nur bei den französischen Sicherheitsdiensten die Alarmglocken schrillen. Auch in Deutschland werden mehrere Hundert Extremisten vermutet, die im Nahen Osten für die vermeintliche Sache des Islam gekämpft haben. Da sind tickende Zeitbomben unter uns.

Ermutigend in all der Trauer und Wut sind die Zeichen der Entschlossenheit von Bürgern, trotz des seit Jahren schwersten Anschlags in Paris demokratische Werte wie die Presse- und Meinungsfreiheit hoch zu halten. Transparente mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ („Ich bin Charlie“) stehen dafür. Nicht ausgeschlossen ist es jedoch, dass der rechtsradikale Front National von dem Anschlag profitiert. Da rächt sich, dass in den Vorstädten von Paris und anderswo islamische Parallelgesellschaften entstanden sind, in denen sich der Staat nur in der Gestalt von Polizei-Hundertschaften zeigt. Und seit ihren Gewinnen bei der Europawahl im vorigen Jahr sitzen die von Marine Le Pen geführten Rechten dem unpopulären sozialistischen Präsidenten Francois Hollande im Nacken. Ob Hollande mit seinem Ruf an die Franzosen durchdringt, sich nicht spalten zu lassen, ist völlig offen.

Und in Deutschland dürfte das Attentat von Paris Wasser auf die Mühlen der AfD und der anti-islamischen Pegida lenken. Tröstlich ist nur, dass die „Alternative für Deutschland“  derzeit vor allem mit internen Führungsquerelen beschäftigt ist.

Volker Warkentin, Autor in Berlin, kann sich auch nach bald 40 Jahren in seinem Beruf nach dem Attentat von Paris ein unbefangenes journalistisches Arbeiten nur noch schwer vorstellen.

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Zaunkoenigin am 8. Januar 2015

ach Herr Warkentin. Da lese ich so einen treffenden Artikel von Ihnen, habe kein "Aber" auf der Tastatur und fühle mich in Ihrem Artikel vertreten. Und dann kommt der Seitenhieb auf die AfD und deren internen Querelen. Und statt sich bewusst zu machen, dass dort sich im Moment gerade völlig unterschiedliche Geisteshaltungen reiben (die auch zum Anschlag sehr gegensätzliche Statements abgegeben haben) werfen Sie alle in einen Topf.

Ich hoffe nur sehr, dass sich auch AfD-Anhänger von Gaulands Aussagen distanzieren. Ich hoffe aber auch, dass wir nun nicht aus lauter "politischer Korrektheit" damit aufhören, uns mit den Auswirkungen des Islam auf unsere Gesellschaft auseinander zu setzen. Denn, nur was der Mensch "begreift" macht keine Angst. Dazu müssen aber solche Hetzer wie Gauland ins richtige Licht gerückt werden.

Volker Warkentin am 8. Januar 2015

Nichts für ungut, verehrte Zaunkönigin. Aber es sieht so aus, als hätten Sie mich missverstanden. Ich werfe nichts und niemanden in einen Topf. Für mich ist es schlicht und ergreifend so etwas wie ein Glücksfall, dass die AfD im Moment mehr mit sich selbst als mit Seelenfang in der Außenwelt beschäftigt ist. Das entbindet uns nicht von der Verantwortung, die Entwicklung dieser Partei sorgfältig zu beobachten. Das ist allerdings nicht Thema meines Kommentars gewesen. Beste Grüße zum Zaun!

Zaunkoenigin am 8. Januar 2015

oha, und ich dachte, Sie hätten das ironisch gemeint, denn .. doch, doch, die AfD, konkret Herr Gauland, ist schon eifrig dabei. Dann bleibt mir nur freundlich vom Zäunchen aus zu winken und etwas verlegen zu räuspern.

phatterdee am 9. Januar 2015

Sehr guter Artikel,
Allerdings ist dieses Attentat auch Mühlen auf die Flügel der Falken in Deutschland wie in Frankreich.
Mehr Überwachung wird schon bald gefordert Kameras und Vorratsdatenspeicherung, Inertnet Polizei ect.
Sie sind ja jetzt schon dabei die gefahren eines Terroranschlages in Deutschland herbei zu reden, ungeachtet dessen das es ein Feiger Mord Anschalg war und es jetzt bereits Gesätze dafür gibt.
Mord bleibt Mord aus politschen oder welchen gründen auch immer. Viel wichtiger und diese Frage habe ich noch nicht einmal gehört ist: Wer waren/sind die hinter Männer, wer hat das ganze bezahlt (Waffen, Monition)
und zur Verfügung gestellt.
Im übrigen sehen die beiden Attentäter sehr professionell aus eher wie ein ausgebieldetets Killer komando, ich bezweifele das man so etwas in einen Syrisch/Irakischen Terrorcamp lehrnt.

Je suis CHARLIE

Zaunkoenigin am 9. Januar 2015

Hallo phatterdee,
in der Tat, Ihre Frage nach den Leuten die diese Aktion finanziert haben ist interessant und berechtigt. Ihre Schlussfolgerung, dass in den Terrorcamps keine Professionalität gelehrt wird halte ich jedoch für einen Irrtum.

Thomas Schmoll am 11. Januar 2015

@phatterdee: Was glauben Sie denn, wer "das Ganze /Waffen/Munition)" bezahlt hat und hinter dem Anschlag steckt?

phatterdee am 12. Januar 2015

@ Thomas Schmoll
Das ist eine sehr gute Frage. Ich habe keine Ahnung, wenn ich ehrlich sein darf, deshalb meine Frage.
Und diese Frage wird leider nicht in den Nachrichten gestellt.
Vieleicht sollte man sich die Frage stellen: Wem nutzt dieser Terror, haben sie da eine Antwort darauf.
Eine für mich sehr abstruse Möglichkeit ist die Sache mit den Geheimarmen der Nato oder sonstiger Verschwörungsmist.

AntiMerkel am 13. Januar 2015

Wieso behaupten alle Medien immer, Pegida sei rechtspopulistisch.
Im Gegensatz zur Antifa, die Parolen wie "Deutschland verrecke" gröhlt und auch mal die Fäuste sprechen lässt, marschiert Pegida ruhig und friedlich durch die Straßen.
Und sie haben bei der letzten Demo heute gesagt, dass die Teilnehmer ihre moslemischen Freunde mitbringen sollten...und es marschieren schon jetzt Juden mit...alleine das beweist doch, dass Pegida keine Nazis sind...oder glaubt ihr, dass Juden hinter Nazis herlaufen würden?
Diese Hetze gegen Pegida geht mir sowas von auf den Zeiger...gegen die NPD, also die echten Nazis hat keiner was gesagt, die durften jahrelang durch die STraßen marschieren und Parolen gröhlen und keiner organisierte Gegendemos...aber wenn dann eine friedliche Bürgerbewegung wie Pegida kommt, schlagen alle Politiker Alarm und fordern die Leute in allen Medien zur Teilnahme an Gegendemos auf...wen das nicht stutzig macht, der ist selbst schuld.

Seid doch mal ehrlich...und fangt an euch zu fragen, warum die Medien ständig solche Stimmung gegen Pegida machen und die Politiker sich in den letzten Wochen total panisch auf Pegida reagieren und das Volk gegen diese zu mobilisieren versuchen.

Die Sache ist doch ganz eindeutig: Weil sie Angst haben, weil gerade jemand an ihrem Thrönchen sägt, das sie für so sicher hielten.

Sie erschrecken sich jetzt und sagen: "Mist, es ist uns also doch nicht gelungen, den deutschen Michel in einen faden Einheitsbrei, der nichts was wir tun hinterfragt zu verwandeln...dagegen müssen wir was tun und den Rest, der schon zum Einheitsbrei geworden ist gegen die mobiilisieren.