Ficken mit Uber

Von Andreas Theyssen am 9. Januar 2015

Der umstrittene Amateur-Taxidienst analysiert, wie viele seiner Fahrgäste zu One-Night-Stands unterwegs sind. Das ist putzig. Und vor allem ausbaufähig

Zugegeben, so richtig sympathisch fanden wir Sie nie, Uber. Mithilfe von Apps vermitteln Sie Fahrgäste an nicht-lizensierte Taxifahrer. Das klingt zwar praktisch, ganz nach der Internet-Devise „Nichts ist unmöglich“, und vor allem billig. Aber wir hatten dennoch eine Menge Bauchschmerzen.

Kommen die Fahrer auf ihren Mindestlohn? Kutschiert mich ein Fahrer ohne Taxilizenz auch wirklich auf dem kürzesten und damit für mich günstigsten Weg zu meinem Ziel? Kann ich mich einem Fahrer und seinem Fahrzeug anvertrauen, die von niemandem überprüft werden?

Ich weiß, dass sind kleinliche, vom TÜV-Denken geprägte und damit sehr deutsche Bedenken. Andererseits gibt es die auch in anderen Ländern. Zum Beispiel in China, das gerade erst Uber verboten hat.

Doch jetzt mussten wir unser sehr negatives Bild über Ihren Amateur-Taxidienst revidieren. Medien haben herausgefunden, dass Sie die Apps Ihrer Fahrgäste auswerten und dann errechnen, wie viele von ihnen zu einem One-Night-Stand unterwegs waren.

Das alles ist völlig normal, Ähnliches machen auch Firmen wie Facebook oder Amazon. Schließlich ist es kein Zufall, dass immer die Werbung von Air Berlin für seine Israel-Flüge aufpoppt, wenn man kurz zuvor online bei einer anderen Airline einen Flug nach Tel Aviv gebucht hat.

Aber Sie von Uber sind noch weiter gegangen. Nach Medienberichten haben Sie auf Grundlage der ermittelten Kundendaten Karten von New York, San Francisco und anderen US-Städten erstellt habe, in denen die Gegenden mit besonders vielen One-Night-Stands rot markiert wurden.

Das ist praktisch und sollte nicht L’art pour l’art sein (bis jetzt konnten Sie nämlich nicht so wirklich erklären, weshalb Sie dieses Datenmaterial erstellt haben). Wenn wir also demnächst in, sagen wir, New York und bedürftig sein sollten, bestellen wir einfach ein Uber-Taxi und lassen uns vom Fahrer in die Gegend mit den meisten One-Night-Stands bringen.

Das ist praktisch, das ist vorbildliche Orientierung an der Kundenbefriedigung, äh, -zufriedenheit. Und vor allem sollte sich Ihr Unternehmen einen neuen Claim zulegen: Uber, die Pimp-App.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 14 Bewertungen (4,57 von 5)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zaunkoenigin am 9. Januar 2015

ich wusste gerade beim Lesen nicht, ob ich lachen, röcheln, schnauben, feixen oder oder schlicht und einfach nur zufrieden nicken soll. Ich habe mich letztenlich wegen Ihres Schreibstils für schmunzeln mit etwas selbstgefällig nicken entschieden.

Danke für diesen Schmunzler.

Zaunkoenigin am 9. Januar 2015

Nachtrag: der laute Lacher kam gerade nach als ich noch einmal von unten nach oben scrollte und erneut an der Überschrift hängen blieb. Jössas, wie herrlich skurril. :-)