Euro-Rettung in Rambo-Manier

Von Thomas Schmoll am 23. Januar 2015

Die EZB schüttet in ein Meer voller billigen Geldes weitere 1,14 Billionen Euro. Da jubeln nicht nur die Börsen, sondern auch Italien und Frankreich

Erst lief er mit ihr über der Schulter durch die Welt, dann hielt er sie im Anschlag. Nun feuerte Mario Draghi seine Bazooka ab. Die Salve, die der Italiener verschießt, hat es in sich: mindestens 1.140.000.000.000 Euro ballert er in den Markt. Es besteht eine realistische Gefahr, dass er sie verballert.

Die Europäische Zentralbank und nationale Notenbanken der Währungsunion sollen zwischen kommendem März und Ende September nächsten Jahres  Anleihen der Eurozone und andere Wertpapiere im Wert von wenigstens 60 Milliarden Euro kaufen – Monat für Monat. Macht 1,14 Billionen Euro! Und das, obwohl die Märkte nach Jahren der Fast-Null-Leitzinspolitik schon längst im spottbilligen Geld schwimmen, wenn nicht ersaufen. Anleger sind verzweifelt auf der Suche nach Investments. Dabei geht es noch nicht einmal mehr immer um Rendite. Sicherheit lautet das oberste Gebot. Wenn all die Blasen, die weltweit durch das megabillige Geld entstehen, platzen, sieht es trübe aus.

Die Billion fließt zusätzlich in den Kreislauf, die Zentralbankgeldmenge wächst um genau diesen Betrag. Es ist nicht da, sondern wird frisch gedruckt. Weil er Deflation befürchtet, will EZB-Chef Draghi die Inflation im Euroraum anheizen. Man muss Europa und der Welt fest die Daumen drücken, dass die Rechnung aufgeht. Die Preise vieler Aktien, Anleihen und vor allem von Immobilien sind schon jetzt arg hoch. Mit der offenen Geldpumpe entstehen Risiken an anderer Stelle. Die Börsen feuerten zwar das erwartete Kursfeuerwerk ab. Ob aber die Kreditvergabe an Unternehmen in Schwung kommt und damit die Realwirtschaft ankurbelt, ist absolut fraglich. Denn Geld zum Nulltarif gibt es seit Jahren massenweise. Es wird aber eher in Immoblien gesteckt statt in Industrieproduktionsanlagen.

Es gibt zu denken, wenn man sich vor Augen hält, wer Draghi aufgefordert hat, seine Ankündigung umzusetzen. „Wenn eine Zentralbank ein Inflationsziel hat und sich weit von diesem Inflationsziel entfernt, muss die Zentralbank dagegensteuern, wenn sie nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren will“, sagte Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jan Hatzius laut „FAZ“. (Für alle Verschwörungstheoretiker zur Erinnerung: Vor zehn Jahren war Draghi in der City of London Vizepräsident von Goldman Sachs.) Von Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain ist das Zitat überliefert: „Für die Märkte wären 500 Milliarden Euro eine Enttäuschung, 750 Milliarden Euro okay und eine Billion sehr gut.“ Bankentresore sind voller Staatsanleihen. Mutmaßlich steigt ihr Wert nun massiv an und hübscht so die Bilanzen auf.

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi sagte kürzlich in Davos: „Die Schritte der EZB werden ein Zeichen setzen, dass Europa in eine neue Richtung geht.“ Der griechische Finanzminister Gikas Hardouvelis jüngst im „Handelsblatt“: „Kein anderes Land braucht Quantitative Easing so sehr wie Griechenland.“ Und: „Ich glaube, es ist wichtig, dass die Europäer ein wenig flexibel sind bei den griechischen Haushaltszielen für 2015.“ Heißt: Lasst die Zügel locker. Anders ausgedrückt: Nehmt die Troika an die Leine.

Draghi und seine Getreuen wollen der Athener Regierung nicht den Gefallen tun, griechische Staatsanleihen zu erwerben. Hellas erfüllt die Kriterien nicht, die den Aufkauf der Papiere zulassen. Andere Länder der Eurozone – Frankreich und Italien zum Beispiel – dürfen aber Reformen und die Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit weiter aufschieben. Denn die Nationalbanken haben nun die Chance, sich Geld zu drucken. Sie kaufen einfach die Anleihen jenes Landes, in dem sie ihren Sitz haben.

Die gemeinsame Risikohaftung innerhalb der Währungsunion soll nach Auskunft Draghis auf 20 Prozent gedeckelt werden. Ob das in der Praxis durchzuhalten ist, falls ein Land seine Zinsen nicht mehr zahlen kann, ist eine andere Frage. Oder vielleicht sogar eine Illusion. In jedem Fall ist die Gemeinschaftshaftung rechtlich angreifbar. Mit der Begrenzung wollte Draghi die deutschen und holländischen Skeptiker für seine Gelddruckerei gewinnen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann wird seine Bedenken kaum zurücknehmen. Er weiß, dass die – wenn auch auf 20 Prozent begrenzte – gemeinsame Haftung der Einführung von Eurobonds ziemlich nahe kommt. Aber die sind ja laut Kanzlerin Angela Merkel ausgeschlossen, „solange ich lebe“.

Thomas Schmoll, Autor in Berlin, verfolgt die Euro-Krise seit Jahren, unter anderem als finanzpolitischer Korrespondent der Nachrichtenagenturen Reuters und AP.

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maSu am 23. Januar 2015

Ich predige seit dem Beginn der Krise schon: Es ist egal wie viele Schulden wir haben. Deutschland kann sie eh nie zurückzahlen. Schon die diesjährige schwarze Null war nur möglich, weil man die Infrastruktur weiter verrotten lässt. Man hätte schon 2009 sagen sollen: Der Euro ist stark, also drucken wir eben Geld. Viel Geld. Das freut die Exportwirtschaft. Die Abwertung des Euros lässt die Schulden der Krisenstaaten ebenfalls schrumpfen und so weiter. Und nicht zu vergessen: Wir stehen bzw. standen knapp vor einer DEFLATION, die für alle Menschen/Staaten mit Schulden eine Katastrophe gewesen wäre. Also ist "Geld drucken" so lange sinnvoll, bis die angepeilten 2% Inflation erreicht werden.

Wie unsere Abwrackprämie: Alles auf Pump. Ob das je zurückgezahlt wird, das interessiert doch eh niemanden. Man kann der Politik lediglich vorwerfen, die Geld-Gießkanne nicht schon 2009 ausgepackt zu haben!

Edda am 23. Januar 2015

Wenn Deutschland eine Privatperson wäre, hätten sie schon längst den Strom abgeklemmt bekommen und bekäme bei keiner Bank mehr Kredit...und Miete könnte sie nur noch zahlen, wenn sie bei Freunden Geld leiht. Deutschland ist sowas von im Eimer, total verschuldet, total am Arsch. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis der große Crash kommt. Wir sind sowas von erledigt, da nützen auch alle kosmetischen Versuche die Sache zu beschönigen nichts mehr.

Thomas Schmoll am 24. Januar 2015

@Edda

Also man kann viel kritisieren. Weder der ach so niedrige Schuldenberg Deutschlands noch die allgemeine Lage der Bundesrepublik sind ein Grund zum Dauerjubel. Dass das Land aber "total im Arsch" sei, halte ich für überzogen und schwarzseherisch. Fatalismus hilft genauso wenig wie Gesundbeterei.

Zaunkoenigin am 25. Januar 2015

Richtig Herr Schmoll. "Total im Arsch" sieht anders aus. Es gibt genügend Länder um uns herum, die uns das vor Augen führen.

Edda am 26. Januar 2015

@Zaunkönigin @Herr Schmoll

Deutschland hat sehr viele Schulden und von Jahr zu Jahr wird es mehr, und trotz unserer hohen Schulden gibt das Land noch Geld an die Ukraine und andere EU Länder, die ebenfalls pleite sind.
Das kann nicht ewig gutgehen, das müsste doch jedem klar sein. Deutschland geht es nich gut, Merkel und Co. haben unser schönes Land runiert.

Zaunkoenigin am 26. Januar 2015

Edda, dass es mehr wird, ist so nicht ganz richtig. Schauen Sie bitte hier. Die offen ausgewiesene Schuldenlast ist 2013 seit 1950 das erste Mal gesunken und nicht gestiegen:
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/154798/umfrage/deutsche-staatsverschuldung-seit-2003/ oder
http://www.steuerzahler.de/files/19765/Staatsverschuldung.pdf (hier wird der Verlauf der letzten 10 Jahre so "schön" deutlich)

Dass der minimale Rückgang kein Grund zum Jubeln ist, ist eine andere Sache.Zumal in den (ca.) 10 Jahren davor die Schulden rasant angestiegen sind. Auch weil man berücksichtigen sollte, dass der Schuldenrückgang auch der günstigen Zinsentwicklung zu verdanken ist. Nichts desto Trotz ging die Schuldenbelastung (ausnahmsweise) zurück.

Was in der Tat in dieser Statistik fehlt sind die impliziten Schulden, also Zahlungsverpflichtungen des Staates, die durch unser Umlagesystem für die sozialen Sicherungssysteme entstehen. Dazu gehören Rentenversicherung, die gesetzlichen Krankenversicherung und die Pflegeversicherung.

Thomas Schmoll am 26. Januar 2015

Sorry, Edda, ich kann es nicht mehr lesen und nicht mehr hören - weder das Dauergejammer, wie ach so schlecht es doch Deutschland gehe, noch, dass Merkel und Co. das Land ruiniert hätten. Vor allem dann nicht, wenn es derartig argumentationslos und pauschal daherkommt wie bei Ihnen. Ich bin wahrlich kein Freund der Kanzlerin und ein kritischer Begleiter der Euro-Rettung, aber immer noch Anhänger des solidarischen Miteinanders in Europa. Dazu gehört auch, dass wir die Ukraine und EU-/Euro-Staaten unterstützen, denen es nicht ansatzweise so gut geht wie uns. Schauen Sie sich doch einmal die Bilder des Krieges aus der Ukraine oder die der Armut aus Griechenland an und vergleichen Sie es mit Deutschland. Das, was Sie tun, ist Jammern auf hohem Niveau, noch dazu selbstmitleidig und egoistisch. Wissen Sie eigentlich, wie gut es den Deutschen in einem der letzten Wohlfahrtsstaaten der Welt geht? Ja, es gibt die Rentner, die Pfandflaschen sammeln. Stimmt. Aber die fliegen nicht aus ihren Wohnungen und können zum Arzt gehen, wenn es ihnen mies geht.

Es ist keine Frage, dass Deutschland viel zu viele Schulden hat. Wenn wir umsteuern sollen, dann machen Sie bitte ganz konkrete Vorschläge, wo wir sparen sollen. Renten kürzen? Krankenversicherung privat bezahlen lassen? Arbeitslosengeld kürzen? Hartz IV abschaffen? Das können Sie doch wohl nicht wollen, oder?

Griechenland nicht zu helfen, bringt am Ende nichts. Dann kommen die Menschen erst recht hierher – und dann ist das Gejammer von der „Überfremdung“ auch wieder groß.

Zaunkoenigin am 26. Januar 2015

Aber Herr Schmoll :-)... da bricht ja das ganze Temperament durch ;-)...

... wie wäre es mit Steuereinnahmen optimieren? Steuerschlupflöcher stopfen. Ohne mir über Lösungen Gedanken gemacht zu haben .. mir fallen da solche Steuerdeals ein ... wie die von Pepsi, FedEx, Procter & Gamble, Amazon, Ikea, Deutsche Bank, E.ON und Fresenius Medical Care. Oder diese unsägliche Geschichte mit der HypoVereinsbank. Was wurde daraus, außer, dass man die Gesetzeslücken stopfte?

Gesetzliche Krankenversicherungspflicht für alle, ebenso Rente.

Und nein, ich gehöre nicht zu denen, die Reichen Menschen das Geld nicht gönnen. Mein "Gönnen wollen" hat allerdings Grenzen.

Thomas Schmoll am 26. Januar 2015

Ha! Sie sollten mal einen meiner wirklichen Temperamentsausbrüche erleben. Oder besser nicht. ;-)

Geschätzte Zaunköngin, was ist denn los mit Ihnen am heutigen Tage? Steuereinnahmen optimieren? Das meinen Sie doch nicht ernst, oder? Was genau meinen Sie? Höhere Vermögensbesteuerung? Was haben die Luxemburger Steuersparmodelle mit Deutschlands Staatsschulden zu tun? Wollen Sie Konzernen verbieten, europäische Gesetze zwecks Profitmaximierung auszunutzen? Wird schwierig, zumal die Bundesregierung Luxemburg kaum etwas vorschreiben kann. Bislang muss man davon ausgehen, dass die Konzerne legal gehandelt haben. So funktioniert nun mal der Kapitalismus im Großen wie im Kleinen.

Was meinen Sie denn mit "Gesetzliche Krankenversicherungspflicht für alle, ebenso Rente"? Ein Rätsel für mich? Fragen über Fragen.

Zaunkoenigin am 26. Januar 2015

Lieber Herr Schmoll, Sie werden doch nicht etwa keine Fantasie haben und kein Verständnis für Träumereien und manchmal auch unsachlicher Emotionalität haben? Sie? Nach diesem (ich habe es verstanden) schaumgebremsten Temperamentsausbruch?
Genau, Sie lesen richtig.. heute ist bei mir Spielraum für Fantasie.. spielen Sie doch mit. Man darf doch auch einmal träumen..... oder etwa nicht? :-P

Man muss Luxemburg doch keine Vorschriften machen. Es würde völlig genügen, dass das von den Unternehmen versteuert wird, was auch in Deutschland an Umsatz getätigt wird (ja ich weiss, man versteuert den Gewinn - aber inzwischen ist es sogar im Einzelhandel hier vor Ort üblich, dass die Einnahmen gar nicht mehr über deutsche Server laufen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt)
Und wenn man das wegen irgendwelcher internationalen Rechte nicht hinbekommen sollte, dann fände ich es nur recht und billig, wenn diese Unternehmen von uns nicht auch noch Fördergelder erhalten würden.

*Wollen Sie Konzernen verbieten, europäische Gesetze zwecks Profitmaximierung auszunutzen? *
Aber nein, ich spreche davon, dass man das unterbinden muss. Ich spreche davon, dass Recht optimiert werden muss. Wieviel % Steuer bezahlen Sie persönlich? Na?
Ich jammere nicht der verschütteten Milch hinterher, aber ich fände es empörend, wenn die Löcher nicht gestopft werden würden.

*Was meinen Sie denn mit “Gesetzliche Krankenversicherungspflicht für alle, ebenso Rente”? Ein Rätsel für mich? Fragen über Fragen.*
Ich sagte ja, heute mangelt es ihnen an Fantasie (oder ich bin heute zu sprunghaft).
Wie ihnen ja bekannt ist, ist nicht jeder in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert. Gerade junge Besserverdiener weichen in die private Krankenversicherung aus, irgendwann, wenn man älter und kränklicher wird, wird häufig der Weg zurück gesucht. Damit wird die Solidargemeinschaft unterwandert. Hinzu kommt, dass aus dieser Versicherung Leistungen für Menschen abgedeckt werden die nie in diese Versicherung einbezahlt haben.
Für die gesetzl. Rente trifft das auch zu. Das wäre i.O. wenn in beide Versicherungen alle Menschen die Einnahmen in Deutschland haben (oder berufstätig sind - darüber könnte man noch diskutieren) einzahlen würden. Damit wären beide Versicherungen quasi ein Abbild unserer Gesellschaft. Da dies aber nicht der Fall ist, trägt nur ein Teil der Gesellschaft (und das sind i.d.R. die mit den niedrigeren Einkommen) Kosten und Verantwortung die die ganze Gesellschaft tragen sollte. Nehmen wir die Mütterrente .. oder die Versicherung für Kinder. Beides ist von gesamtgesellschaftlichem Interesse und deshalb ist es nicht korrekt, wenn nur ein Teil der Bevölkerung die Kosten trägt (und die Kürzungen der Leistungen). Wenn ich dann noch berücksichtige, dass die Mütterrente steuerpflichtig ist, dann finde ich das doppelt ungerecht. Denn, Nutznießer der Steuer sind alle (auch die, die nicht dafür Sorge tragen, dass die Mütterrente gezahlt werden kann), aber die Aufwände trägt nur ein Teil der Bevölkerung.

Genauso bei der Rente. Sicher, wer nie oder wenig einbezahlt hat bekommt auch wenig im Alter. Dennoch trägt die Gesellschaft das Risiko. Zumindest in Höhe des Existenzminimums.

Was das Luxemburger Steuersparmodell mit unseren Staatschulden zu tun hat war doch wohl eher eine rhetorische Frage, oder? Die Luxemburger können in ihrem Land sparen was und wie viel sie wollen, aber doch bitte nicht auf unsere Kosten. Ja, ja.. das EU-Recht. Schon gut. Ich mag mich jetzt aber nicht damit auseinander setzen. Heute ist mir einfach nur nach bürgernaher Fairness. ;-)

Thomas Schmoll am 26. Januar 2015

Na gut, liebe Zaunkönigin, da bin ich natürlich (wieder) ganz bei Ihnen. Ich konnte Ihnen tatsächlich nicht folgen. Ich fürchte, dass mir in den bisherigen rund 25 Jahren journalistischer Begleitung der Politik auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene ein wenig die Fantasie abhanden gekommen ist. Außerdem bin ich ein ernster Mensch, der zwar sehr albern sein kann, aber doch eher zum Ernst neigt.

Allerdings muss ich sagen, dass Ihr - quasi nicht erklärter - Sprung von Eddas Merkel-Verdruss über Luxemburg zur Rente und dann zu den deutschen Staatsschulden ziemlich weit war.

Die Unternehmensbesteuerung! Ein wunderbares Thema. Leider haben die Steuervermeider unfassbar viel Fantasie. Alles, was länderübergreifend in Sachen Besteuerung passiert, dauert Jahre. Leider. Da spielen Egoismen eine gehörige Rolle. Das ist unschön. Übrigens auch deshalb, weil noch nicht mal von Löchern gesprochen werden kann. Die werden ja erst von Unternehmen wie KPMG gebohrt, meist absolut legal. Schon verrückt, dass ein Land wie Luxemburg davon lebt. Skrupel? Kennen weder die, die die Löcher bohren, noch die, die ihr Geld hineinstopfen. Auch das ist bitter. Irgendetwas stimmt grundsätzlich nicht in Europa und der Welt, will mir scheinen. Das werfe ich hier einmal so global in den Ring, ohne es weiter auszuführen.

Ihre Ausführungen zur Rente und Krankenversicherung fand ich spannend. Ja, so kann man das alles sehen.

Zaunkoenigin am 26. Januar 2015

Lieber Herr Schmoll... Asche auf mein Haupt.. ich fürchte, es lag nicht an Ihnen, sondern an meiner durchaus manchmal vorhandenen Sprunghaftigkeit :-(. Als ich Ihren letzten Beitrag las wurde mir erst bewusst, dass ich ziemlich munter vom Hölzken aufs Stöksken gesprungen war. Damit quäle ich manchmal auch mein reales Umfeld.

Mit anderen Worten - wenn das wieder einmal vorkommen sollte .... Finger heben!

Wobei ich eigentlich der Meinung war, dass das alles gar nicht so weit voneinander entfernt ist wenn man Steuern, Schulden, Geldflüsse und vor allem dieses unübersichtliche "wir schieben Geld von Töpfchen A noch Töpfchen Y und nehmen dabei erst einmal den Umweg über Töpfchen D, G, U und W" berücksichtigt. Jetzt werden Sie sicherlich vor dem Monitor sitzen und mit den Augen rollen und denken.. nun ist sie endgültig zum Sprungteufel geworden :-). Was ich meine ist, dass wir KFZ-Steuern bezahlen die nicht dem Strassenbau zu gute kommen, mit der Benzinsteuer sieht es ähnlich aus, den Solidaritätsbeitrag drücken wir für was weiß ich für Ausgaben ab, aber ganz sicher nicht mehr für den Aufbau der neuen Bundesländer ..... (unendliche Geschichte)

Aber ich gebe zu, wenn man das so knapp formuliert kann kein Mensch gedanklich folgen :-).

Ja, die Steuervermeider haben in der Tat unendlich viel Fantasie. Und wissen Sie was an dieser Geschichte der Steuervermeidung in Zusammenhang mit diesen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie KPMG, PwC, Ernest & Young, Deloitte und Arthur Andersen ... schon fast schon absurd ist? Erst prüfen Sie Ordnungsmässigkeit der Buchungsvorgänge, Sicherheit der Systeme und Co und kassieren dafür gutes Geld für fragwürdige Leistungen und die eigentliche Leistung erfolgt dann hinter den Kulissen im stillen Kämmerlein die konträr zu den obigen Punkten steht. Das hat etwas von einem Potemkinschen Dorf.

Was das internationale Steuerrecht angeht .. mh.. meinen Sie, das überblickt ein Mensch alleine überhaupt noch? Wie auch immer - unsere "Experten" werden sich diesbezüglich an die Arbeit machen müssen, andernfalls führt das zu moderner Piraterie.

Ernst bin ich übrigens auch. Das mit dem typischen Smalltalk funktioniert bei mir auch nicht wirklich gut. Aber ich habe als Gegenpol einen ziemlich schrägen Humor dem nicht jeder folgen kann. Ich bin der Meinung, dass man die Fähigkeit Dinge ernsthaft zu betrachten erst ermöglicht, dass man das Skurrile im Leben erkennen kann. (ist also nichts Schlechtes ;-) und ich mags ganz gerne bei mir.)

Thomas Schmoll am 26. Januar 2015

Soso, liebe Zaunkönigin, mit Ihrer Sprunghaftigkeit quälen Sie also manchmal "auch mein reales Umfeld". Ich habe mir ans Kinn gefasst, in die Nase gezwickt und an den Haaren gezogen und stellte dabei fest, real zu sein und keine Maschine. Ich protestiere und bestehe darauf, nicht irreal zu sein!

Zurück zum Thema: Klar, Steuern, Einnahmen, Ausgaben, Zinsen, Kredite, Anleihemärkte, Schuldenmanagement, Geldflüsse, Töpfchen hier und Schattenhaushalte dort, Steuerwettbewerb, strukturelles und konjunkturelles Defizit, Import, Export, Wachstum, Subventionen, Rentenkasse, Krankenversicherung, Pflege, Arbeitslosigkeit Steuerschlupflöcher... Alles hat mit allem zu tun. Aber es bringt nicht, in so einer Debatte permanent neue Fässer aufzumachen. Das heißt nicht, dass ich es nicht will. Nur zu. Es fällt dann jedoch schwer, um schon genannte Argumente zu kreisen, wenn immer wieder ein neues Gebiet angeführt wird nach dem Motto: Lassen Sie uns doch mal auf die Verwendung des Soli schauen. (Warum man bei Verkehrsstrafen trotz all der Steuern eine Bearbeitungsgebühr zahlen muss, ist mir ein Rätsel. Ich dachte immer, Steuergelder verwende der Staat für die Verwaltung.)

Noch eins zum Schluss: Leider überblicken das internationale Steuerrecht nur noch sehr wenige. Und die arbeiten dann bei denen von Ihnen genannten Konzernen. Piraterie ist übrigens ein heftiger Vorwurf. Aber allein der Umstand, dass er Ihnen in den Sinn kommt bei der Problematik, zeigt, wie schwer der Ruf der Institutionen gelitten hat, die auf demokratischer Gesetzgebung beruhen.

Der Journalist sollte ja nie mit seinen Lesern kungeln. Was soll‘s? Bei Ihnen mache ich die Ausnahme. Wir sind ja hier unter uns. Ihr mitunter skurriler und schräger Humor ist mir schon aufgefallen. Und zwar positiv. Auch Ihre Schlagfertigkeit lässt nicht zu wünschen übrig.

Zaunkoenigin am 26. Januar 2015

Oha, Herr Schmoll.. nun fangen wir schon an über real, irreal und gleich noch über virtuell zu philosophieren an :-) Und Sie beschweren sich darüber, dass ich von Hölzken aufs Stöksken komme. Tz :-) :-) Außerdem kungeln Sie noch mit mir? Hopsa.. ich hätte das eher einen netten, manchmal fröhlichen, manchmal ernsten, manchmal nachdrücklichen Gedankenaustausch genannt der Freude macht. (ja ja, ich schreibe schon wieder etwas Nettes :-D... und an der Schlagfertigkeit arbeite ich noch.)

Ich stimme ja einerseits zu, dass in so einer Diskussion zu viele Gesichtspunkte dazu führen können, dass man sich verzettelt. Andererseits stelle ich fest, dass genau diese einseitige Berichterstattung (also die Reduktion auf das Kernthema) dazu führt, dass die Menschen gar nicht mehr die Zusammenhänge fassen können. Diesbezüglich wohnen deshalb 2 Seelen ach in meiner Brust. Außerdem .. ja ja.. sind Sie auch an diesen Auswüchsen mit beteiligt. Immer diese Nebenbemerkungen von Ihnen.... Denn, hätten Sie nicht gesagt "dann machen Sie bitte ganz konkrete Vorschläge, wo wir sparen sollen", dann hätte ich nie und nimmer so weit ausgeholt :-P.

Ich hätte das, was die erwähnten Konzerne angeht nicht Piraterie genannt .. eher Kettengeschäfte. Unterhalten Sie sich mal mit Menschen die diese "Wirtschaftsberatungen" im Einsatz erleben, sie werden vermutlich ähnlich, möglicher Weise sogar weniger moderat kommentieren. Ja, der Ruf hat gelitten. Vor 15 Jahren war das noch ein anderer. Ändern wird aber selbst diese Erkenntnis (sofern sie dort überhaupt durch dringt) nichts.

Vermutlich werden Sie jetzt schmunzeln ... eine demokratische Gesetzgebung (wie jede andere auch) wird immer Lücken aufweisen. Die Frage ist, ob und wenn ja wie intensiv man sie nutzt. Wenn eine Gesellschaft so weit gekommen ist, dass das primäre Augenmerk darauf gerichtet ist die Lücken dieses Gesetzeswerkes zu identifizieren und zu nutzen und dabei Anstand und Moral beiseite geschoben werden, dann hat die Gesellschaft ein Problem. Diese Institutionen mit ihren Auswüchsen sind nur ein Phänomen, nicht die Ursache.

Thomas Schmoll am 26. Januar 2015

Ein bisschen Philosophie tut diesem Club ganz gut!

Wer Zusammenhänge erfahren will, der findet sie auch. Im Netz, in Büchern, hier im OC, auf alle Fälle im „Spiegel“, im „Cicero“ und woanders. Aber wer will das wirklich so genau wissen? Vielen reicht die Tageschau oder der flüchtige Blick in ein Newsportal. Viele meckern oder jammern nur, ohne sich zu informieren.

Die Aufforderung "machen Sie bitte ganz konkrete Vorschläge, wo wir sparen sollen", war an Edda gerichtet, weil ich so gerne wüsste, was sie anders und besser machen würde. Politik im Zeitalter der Globalisierung ist nämlich verdammt schwierig.
"Eine demokratische Gesetzgebung (wie jede andere auch) wird immer Lücken aufweisen." Nein, ich schmunzle nicht. Ganz und gar nicht. Der Satz ist klug und absolut berechtigt genau wie Ihre anschließenden Ausführungen dazu. Die Frage, ob und - wenn ja - wie intensiv man die Lücken nutzt, bringt es auf den Punkt. Wenn Typen wie dieser Kerl von PwC auf die Frage, ob nicht zu fürchten sei, dass ein Luxemburger Steuerdeal auffliegen könnte, antwortet "Wir werden alle pensioniert sein, wenn das hochkommt", dann ist etwas faul in der Gesellschaft. Diese Nach-mir-die-Sintflut-Einstellung ist ärgerlich. Anstand und Moral halten eine Gesellschaft zusammen. Gehen sie verloren, stimmt etwas mit der Gesellschaft nicht.

Kungeln? Ironie funktioniert schriftlich halt nie.

Ich freu mich weiterhin auf einen netten, manchmal fröhlichen, manchmal ernsten, manchmal nachdrücklichen Gedankenaustausch, der Freude macht.

Zaunkoenigin am 27. Januar 2015

doch doch.. Ironie funktioniert auch schriftlich (manchmal).. ich hatte Kungeln nicht in den falschen Hals bekommen ;-). Sie haben mir damit ein Lachen beschert .. was will man mehr?

Ja, sicher kann man Zusammenhänge recherchieren. Aber
a) ist das ziemlich zeitaufwändig,
b) braucht's oft erst einmal ein paar Eckpunkte an denen man sich suchend lang hangeln kann,
c) ist diese Fähigkeit nicht jedem gegeben

Ich gebe zu, ich recherchiere auch erst dann, wenn es die Medien um mich herum geschafft haben mir den Eindruck zu vermitteln, dass ich wochenlang nur die halbe Wahrheit gehört und gelesen habe. Und bei manchen Themen bleibe ich aus Bequemlichkeit und aus Zeitmangel lieber dumm. (schadet manchmal auch nicht) Und manchmal gehe ich nicht in die Tiefe, weil ich mich schon über andere Themen genug aufgeregt habe.

Ja, damals habe ich beim Lesen dieser PwC-Aussage die Luft angehalten. Dass das viele (nicht alle) so oder so ähnlich denken, ist mir aufgrund dessen, was ich beruflich miterlebe, schon länger bewusst. Aber noch nie - wirklich nie - hat das jemand so unverblümt formuliert. Bisher hat jeder noch ein Feigenblättchen geschwenkt und zumindest so getan, als ob das alles seine Ordnung habe. Dass das jemand so offen ausspricht sagt mir, dass wir eine weitere Grenze überschritten haben. Schweinereien werden gesellschaftsfähig.

Thomas Schmoll am 27. Januar 2015

Schweinereien werden nicht gesellschaftsfähig, sie sind es schon. Sie sind Teil des Rades, an dem gedreht wird. Das ist ein riesiges Problem. Diejenigen, die davon profitieren, fühlen sich pudelwohl in dieser Gesellschaft. Alle anderen... Man sieht ja gerade, wohin die Welt zu steuern gedenkt.

Jetzt hier zu schreiben "Schönen Tag noch!" fällt nicht leicht. Schönen Tag noch!

Zaunkoenigin am 28. Januar 2015

Weshalb meinen Sie, dass sie das schon sind?

Weil auch der Otto-Normal-Bürger Entschuldigungen für manche Prominente sucht (und findet)? Oder an was machen Sie es fest?

Und .. viel wichtiger ... was kann der Einzelne tun um gegenzusteuern?

Doch doch.. selbst vor dem Hintergrund solcher Betrachtungen können und sollten wir einen schönen Tag wünschen. Zum Glück besteht das Leben nicht ausschließlich aus solchen Erfahrungen. Deshalb, Herr Schmoll, wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Tag mit vielen positiven Erlebnissen mit Mensch und Tier ;-)

Thomas Schmoll am 28. Januar 2015

Ja, zum Beispiel. Der Otto-Normal-Bürger findet, dass Herr Hoeneß ganz schnell verziehen, eigentlich nicht mal angeklagt werden darf/soll/muss, weil der ja so viel für den Fußball und gegen soziale Unschärfen getan hat. Aber Zumwinkel darf geschlachtet werden. Das heißt, dass eine (bigotte) Bewertung auf moralischer Basis über die Rechtssprechung gestellt wird. Zum Glück macht da unser Rechtsstaat nicht mit. Der funktioniert noch immer. Ich denke übrigens, dass Mails wie die der PcW-Typen Tag für Tag verschickt werden, nur eben nicht aufgedeckt werden. Es ist die Alltäglichkeit dieser Schweinereien, die sie zur Normalität werden bzw. als solche erscheinen lassen. (Normal ist das natürlich nicht.)

Was kann der Einzelne tun? Nicht mitmachen und sich überprüfen, wie weit er geht. Die Bigotterie hierzulande würde ich nicht unterschätzen.

Ja, stimmt, also: Einen wunderschönen Tag, liebe Zaunkönigin!

Zaunkoenigin am 28. Januar 2015

Ja, Hoeneß war mir auch zuerst eingefallen, oder Becker, Schockemöhle .. die alle im Grunde kaum ein Aufreger wert waren Selbst Schwarzer war schnell in der Versenkung verschwunden. Und an Theo Sommer dürfte sich gar niemand mehr erinnern. Und an diverse Politiker schon gar nicht.

Dagegen nahm die Wulff-Treibjadt die nahm schon kroteske Züge an.

Dass unseren Rechtsstaat im Fall Hoeneß funktioniert hat, stelle ich in Frage. Ich bezweifele, dass vor Gericht alles bekannt wurde und ich gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft in ihren Ermittlungen "zurückhaltend" war.
http://www.bilanz.ch/people/hoeness-der-prozess-blieb-vieles-schuldig-363495

Die Bigotterie unterschätze ich nicht. Im Gegenteil ... ohne diese wäre so vieles gar nicht möglich.

Manchmal frage ich mich aber auch, ob wir früher die Schweinerein nur nicht in diesem Umfang wahr genommen haben. Und manchmal denke ich, dass man vieles auch als "Gottgegeben" hin genommen hat. Siehe die Übernahme von Altnazis in Schlüsselpositionen.

Mangels Altnazis haben wir heute halt andere Schweinerein.

http://www.creakom.de/aus-dem-horsaal-werte-im-wandel-der-zeit/
http://www.bpb.de/politik/grundfragen/deutsche-verhaeltnisse-eine-sozialkunde/138454/werte-milieus-und-lebensstile-wertewandel

und falls Ihnen mal ganz langweilig sein sollte: https://books.google.de/books?id=pZlEV1MOAJcC&pg=PA62&lpg=PA62&dq=moral+im+wandel+der+zeit&source=bl&ots=Wzp3H7_Pf1&sig=0AqVCxe-Zpk7kElJXBB1QtxKIN4&hl=de&sa=X&ei=D93IVMzYI8viywOsg4GYCQ&ved=0CE4Q6AEwCA#v=onepage&q=moral%20im%20wandel%20der%20zeit&f=false

:-) :-) :-) ........ bin schon weg ... und Ihnen noch einen schönen Tag

Thomas Schmoll am 28. Januar 2015

Liebe Zaunkönigin,

bitte nicht sauer sein, aber ich steige hier aus der Debatte aus. Die Wulff-Diskussion war am Ende, keine Frage, nur noch eine Hatz, hat aber mit dem Thema meines Kommentars und Steuerbetrug nichts mehr zu tun. Lassen Sie uns die Themen an anderer Stelle wieder aufnehmen. Die Gelegenheit wird kommen.

Frohe Tage auch Ihnen!

Zaunkoenigin am 28. Januar 2015

passt scho .. wurde der Bayer sagen, abe ..
.. öhm.. über Wulff wollte ich eigentlich gar nicht diskutieren. Mir ging's um Bigotterie

Auch Ihnen frohe Tage.