Warum rülpsen und furzen die Muslime nicht?

Von Max Borowski am 31. Januar 2015

Der Islam muss sich reformieren, wird unter anderem von Alice Schwarzer gefordert. So wie es dereinst Martin Luther im Fall des Christentums getan hat. Das klingt aufgeklärt, ist aber das genaue Gegenteil

Vor dem Reformations-Jubiläumsjahr 2017 ist die Sehnsucht deutscher Protestanten groß nach ihrem Martin Luther. Das ist nachvollziehbar. Jeder, der sich einmal an einem Sonntagmorgen im modernen Familiengottesdienst eine knappe Stunde von sanften Sacro-Pop-Songs und einer pseudo-jugendsprachlichen Predigt hat berieseln lassen, vermisst schnell Luthers wunderbares Deutsch und die gute alte protestantische Kirchenmusik.

Skurril dagegen erscheinen die sich häufenden Ratschläge nicht nur evangelischer Zeitgenossen, denen zufolge nicht der Protestantismus, sondern ausgerechnet der Islam dringend einen neuen Luther benötige. Wie mag das gemeint sein? Sollen unsere muslimischen Mitbürger gemäß dem berühmten Luther-Wort „Warum rülpset und furzet Ihr nicht, hat es Euch nicht geschmecket?“ ihre Tischsitten anpassen?

Entsprechenden Kommentaren etwa in „Die Zeit“, „Die Welt“ oder auch von Alice Schwarzer in der „Rheinischen Post“ kann man entnehmen, dass sich die Verfasser eine „Reformation“ des Islam wünschen, dem sie zwar nicht angehören, für den sie aber ein passendes Vorbild bereit halten: sich selbst! Beziehungsweise die eigene Religion und Kultur.

Einerseits ist es unfreiwillig komisch, dem Islam eine Reformation als Vorbild ans Herz zu legen, die zunächst zu einem Zeitalter von Religionskriegen führte, bei dem fast ganz Europa in Schutt und Asche gelegt wurde. Ein Mangel an bewaffneten Konflikten ist in der islamischen Welt derzeit wohl kaum zu erkennen, mag man spotten.

Allen Ernstes wird in solchen Kommentaren der spätmittelalterliche Theologe Luther zum Aufklärer verbogen und ihm gar eine Trennung von Religion und Politik zugeschrieben. Zusätzlich zur Unkenntnis über die islamische Theologie, an der sie herumdoktoren wollen, offenbaren die christlichen Heilsbringer mit solchen Äußerungen eine faszinierende Ignoranz gegenüber der eigenen Religionsgeschichte.

Über die Ignoranz derer zu spotten, die Luther – den Vorkämpfer einer wortgetreuen Schriftauslegung, den Prediger eines unbedingten Gehorsams der Untertanen gegenüber von Gott eingesetzten Fürsten, den Begründer der evangelischen Staatskirchen und nicht zuletzt einen der schärfsten Antisemiten seiner Zeit – zum liberalen Vater unserer säkular-pluralistischen Gesellschaft machen, das wäre jedoch zu kurz gegriffen.

Was sich in solchen Ratschlägen für die vermeintlich rückständigen Muslime Bahn bricht, ist nichts anderes als der schon aus der Kolonialzeit bekannte abendländische Missionsdrang. Früher fuhren Europäer in den Urwald, fest davon überzeugt, die dortigen „Wilden“ könnten nur erlöst werden, wenn sie so werden wie wir. Dieses Überlegenheitsgefühl drückt der ach so tolerante und aufgeklärte Deutsche im 21. Jahrhundert natürlich anders aus. Großzügigerweise gesteht er heute den Heiden sogar deren Religion zu, sofern sie diese bitte nach dem eigenen Vorbild umgestalten.

„Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen“, betet der hochmütige Pharisäer im Gleichnis im Lukas-Evangelium. Der aufgeklärte Deutsche, wenn er mitleidig auf den Islam und andere „rückständige Kulturen“ schaut, betet nur leicht umformuliert: „Wie schade, lieber Gott, dass die anderen nicht so sind wie ich!“

Ganz nebenbei wird, damit man selbst ein glaubhaftes Vorbild abgeben kann, die eigene historische Tradition neu konstruiert. Nach demselben Muster wurde bereits eine fiktive „jüdisch-christliche“ Tradition zur angeblichen Grundlage unserer freiheitlichen Gesellschaft erhoben. Wahrscheinlich ist auch Luthers Zitat zum Rülpsen und Furzen eine spätere fantasievolle Zuschreibung. Macht aber nichts: Im aktuellen Kulturkampf geht es ja offenbar um gefühlte und nicht um historische Wahrheiten.

Max Borowski, Autor in Berlin, hat Islamwissenschaften in Kairo und Beirut studiert sowie als Nahost-Korrespondent unter anderem für die „Fianancial Times Deutschland“ und die „Neue Züricher Zeitung“ gearbeitet.

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maSu am 1. Februar 2015

Das einzige was der Islam braucht sind weniger fanatische Idioten, die den Islam missbrauchen um Gewalt gegen andere Menschen zu legitimieren.
Viele Moslems brauchen keinen Martin Luther, sondern eher Ohropax wegen der vielen dummen Ratschläge von Christen, die es ja nur gut meinen. Und in deren (Moslems) Anwesenheit dürfen Witze auch anfangen mit "Jesus und Mohammed gehen in eine Bar ...." Ohne das sie damit ein Problem haben.

Ich glaube nicht, dass das ein paar Exoten sind.

Es ist mMn wie bei den Christen: je höher der Bildungsgrad, desto weniger radikal ...

Und jetzt mal ein Blick in die USA zu den evangelikalen Christen dort ... Ach besser nicht, das passt nicht ins Weltbild derer, die Christen generell für was besseres halten :x

Idioten gibt es eben doch überall - keine Religion, Partei oder auch der örtliche Karnickelzüchtervetein ist davor sicher ....

Zaunkoenigin am 1. Februar 2015

ach, wenn's denn nur Idioten wären.

... ich fürchte, dass jede Religion dazu taugt für die eigenen Machtgelüste missbraucht zu werden. Selbst im Buddhismus hat man das geschafft. Und irgendwie scheint es immer wieder Menschen zu geben, die sich gerne unter's Joch begeben.

Reformierung klingt immer so lange gut, so lange man sich nicht bewusst gemacht hat, dass sich bisher am Ende einer jeden Reformation wieder ein neues Macht-Konstrukt gebildet hatte.

A.F.B. am 1. Februar 2015

Was die meisten Nichtmuslime, die fordern, der Islam müsse „reformiert“ werden, übersehen, ist, daß der Islam vor ungefähr zweihundert Jahren bereits eine Reformbewegung hatte, nämlich diejenige des „Wahhabismus“, und daß seither die Salafi-Richtung des Islams eine Reformbewegung darstellt. Was dabei herausgekommen ist, können wir heute sehen, nämlich islamische Bilderstürmerei und Grabschändung von Gruppen, die meinen, den allein „wahren“ Islam zu vertreten, anderen islamischen Ausrichtungen gegenüber intolerant sind, ja sie sogar für „unislamisch“ erklären, was in dem gipfelt, das wir von terroristischen Organisationen, wie dem „Islamischen Staat“ (IS, bzw. Da´isch) zu sehen bekommen.
Was der Islam jetzt nötig hat, ist vielmehr eine Gegenreformation, und diese scheint bereits auf dem Wege zu sein. Immer mehr Gelehrte setzen sich mit dem traditionellen Erbe kritisch auseinander, aus dem die Wahhabiten und Takfiris (die andere Muslime zu Ungläubigen erklären), wie der IS, die Rechtfertigung für ihre Greueltaten ableiten. Dabei sind sie u. a. zu der Erkenntnis gelangt, daß die Steinigung als Strafe für Ehebruch durch den Koran gänzlich aufgehoben und durch hundert Hiebe ersetzt worden ist (siehe Koran, Sure 24, 2 ff., und zwar nicht nur für Unverheiratete, sondern auch für Verheiratete), daß weder für den bloßen Abfall vom Islam noch für die Schmähung und Beleidigung des Propheten ursprünglich eine weltliche Strafe vorgesehen ist. Nun gilt es, diese Erkenntnisse gegen den Widerstand sowohl der Salafiten als auch der herkömmlichen Traditionarier durchzusetzen, was nicht leicht ist.
Eine solche Reform, bzw. Gegenreformation, bedeutet jedoch nicht eine Angleichung des Islams an das heutige Christentum nach dem Wunsch der Nichtmuslime, sondern eine Reinigung des islamischen Erbes von allen neuerdings als Fälschungen aufgedeckten und widersprüchlichen außerkoranischen Überlieferungen (Hadith), zu einer Entheiligung der Hadith-Sammlungen von Bukhari und Muslim, die von den meisten Muslimen irrtümlich als absolut authentisch angesehen werden, zu einer Überarbeitung und Reinigung der Werke des islamischen Rechts von all den abwegigen Koran- und Hadith-Interpretationen, die aus dem Islam als einer Religion der Barmherzigkeit eine Religion der Unbarmherzigkeit und des Blutvergießens gemacht haben, während dadurch andererseits der Stellenwert des Korans als göttlicher Offenbarung gegenüber diesen Überlieferungen und den Gelehrtenmeinungen gestärkt wird.
Was das Rülpsen und Furzen angeht, so gilt im Islam beides als anstößig. Als jemand einmal in Anwesenheit des Propheten rülpste, sagte dieser: „Halte dein Rülpsen vor uns zurück. Wer im Diesseits am Sattesten ist, wird im Jenseits am längsten hungern müssen.“
Der Austritt von Darmwind (Furzen) hebt zudem den Zustand der rituellen Reinheit auf, der zur Verrichtung des Gebets und anderer gottesdienstlicher Handlungen erforderlich ist. Daran wird auch kein „Reformator“ im Islam etwas ändern können.

Sebastian W. am 1. Februar 2015

Von einem Islam-Wissenschaftler war ja Schlimmes zu befürchten. Die Muslime hauen sich schon in ihren eigenen Konfessionen den Schädel ein. Oder begehen auch mal Ehrenmorde, wenn den Eltern die muslimische Konfession des Partners ihres Kindes nicht gefällt. Von all den Schikanen, die nicht bis zum Ehrenmord ausarten, mal ganz abgesehen.

Wie sieht denn der realexistierende Islam heute aus? Und könnte der Bezug auf Luther nicht viel eher ein symbolischer sein? Nämlich in der Art, daß Religion zum ersten Mal, jedenfalls im Westen, pluralisiert wurde? Wie stand Luther zum Zölibat? Und wie sieht es mit der Sexualität so im Islam aus?

Der Herr Islamwissenschaftler könnte also durchaus auch positive Bezugspunkte sehen, wenn er denn wollte.

Daß der Reformation auch religiös grundierte Kriege folgten, kann man wohl schwer der Reformation als solcher anlasten. Und Muslime schaffen das auch ganz ohne Reformation, bei denen fingen die Schismen ja schon zu Zeiten des heiligen und beleidigten Propheten an.

Luther kann viel eher auch als Beispiel gesehen werden für heutige islamkritische Blogger in der muslimischen Welt, die die Verlogenheit der etablierten Religion infrage stellen. Heute wird nicht mehr die Reichsacht verhängt, sondern man wird zu Peitschenhieben verurteilt.

Luther steht für Courage und Individualisierung der Religion. Genau das könnte die islamische Welt gut gebrauchen.

Zaunkoenigin am 2. Februar 2015

.. und ich für meinen Teil finde diese Vergleiche grundsätzlich unpassend und völlig an einem möglichen Lösungsansatz vorbei.

maSu am 2. Februar 2015

Sebastian W.: Sie führen einige Extrembeispiele auf, vergessen aber, dass alleine in Deutschland ca. 4.000.000 Moslems leben. Friedlich. Ebenso spielen sich in "nicht muslimischen" Familien Dramen ab, an deren Ende gar eine ganze Familie von der Mutter oder dem Vater ausgelöscht wurde. Und ich möchte jetzt nicht über die Häufigkeit solcher Taten debattieren.

Es gibt auch andere Religionsgemeinschaften in Deutschland, die es nicht zulassen, dass Kinder außerhalb der Gemeinschaft heiraten oder gar homosexuell sind. Also auch außerhalb des Islams gibt es Zwangsehe und Unterdrückung mit religiöser Pseudolegitimation.

Waffi am 2. Februar 2015

Sebastian W.: Der Autor hätte kein besseres Beispiel als Ihren Kommentar anführen können, worum (oder wogegen) es ihm geht. Religiös motiviertes Massenschlachten wie den 30-jährigen Krieg kann man also Ihrer Meinung nach der Reformation nicht anlasten und Luther ist ein Musterbeispiel für Courage und Individualisierung der Religion? Vorwerfen könnte man ihm dann seine zahlreichen Verfehlungen - darunter seine Auslassungen gegen die "Judensau" oder "wider die räuberischen Rotten der Bauern", die gegen den Allmende-Raub der weltlichen Potentaten und Herabwürdigung von ehedem freien Bauern zu Leibeigenen aufbegehrten - nur dann, wenn er nicht gerade ein herausgehobener Vertreter des guten Christentums, sondern des bösen Islams wäre?
Ich dagegen muss mich weithin meinen Vorrednern anschließen: So gut wie jede Religion umfasst zwar eine ganze Reihe von Moralnormen, die sich nicht wesentlich unterscheiden und für ein funktionierendes und weitgehend friedliches Zusammenleben in den Gesellschaften herangezogen werden können. Aber grundsätzliche Lösungen lassen sich auf der Grundlage pathetischer Gefühle, bei denen "Wir-Gruppen" und "Fremdgruppen" eine große Rolle spielen (vor allem, aber nicht nur Religionen; auch nicht nur auf monotheistische Religionen beschränkt) nur sehr schwer finden.

Sebastian W. am 2. Februar 2015

@maSu Wer den Unterschied zwischen Ehrenmorden und Familiendramen nicht von alleine begreift, dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Leider gibt es viele solcherlei Gutmenschen, die auch noch so offensichtliche Dinge im Namen des sogenannten Guten auszublenden in der Lage sind. Zudem spreche ich von all den Schikanen ganz ohne Ehrenmorde, die vor allem Mädchen erleiden müssen, wenn sie einen westlichen Lebensstil pflegen wollen. Wunderbar an meiner Argumentation vorbeigelesen.

Wie kann man nur diese gravierenden kulturellen Unterschiede ausblenden? Die sogenannten friedlichen Muslime fallen durch genug andere negative Dinge auf. Hier wird mal wieder suggeriert, solch ein böser Mensch wie ich wollte doch alle Muslime als IS-Kämpfer oder Ehrenmörder denunzieren. Nein, liebe Leute, es ist auch so schon schlimm genug.

In meinem Kommentar schrieb ich von Luther als symbolischem Bezugspunkt. Also noch mal: Die Symbolik Luthers und der Reformation werden hervorgehoben, nicht die konkreten Taten Luthers, von denen einige durchaus kritikwürdig sind. Der Herr Islamwissenschaftler und ein Kommentator hier behelfen sich also mit dem etwas schlichten Trick, alle konkreten Missetaten des Martin Luther herauszuarbeiten und dann zu suggerieren, man wolle, daß Muslime diese wiederholten.

Geht es eigentlich noch schlimmer, simpler und trivialer? Aber ich bin daran gewöhnt, daß in dieser Debatte das "Gute" federführend ist und nicht die Vernunft. Ich kann nur jedem empfehlen, sich auf PI-News weiterzubilden.

Wahrscheinlich kommt jetzt als Antwort: Die sind ganz schlimm rechtsextrem und wer sich auf so ein Blog bezieht, kann eigentlich nur ein ganz schlimmer Fremdenfeind sein. Solch brillanten Argumentationen möchte ich entgegensetzen, daß man wohl nur im Gutmenschenmodus all die Wahrheiten leugnen kann, die auf PI dargestellt werden. Man behilft sich dann mit Etiketten wie rechtsextrem oder islamophob und man hat wieder seine Ruhe als moralisch überlegener Mensch. Ich persönlich kann die Wahrheiten auf PI-News nicht leugnen, weil ich der Vernunft verpflichtet bin. Daß dort auch übertrieben oder mal etwas einseitig dargestellt wird - damit kann ich leben und daß kann ich auch reflektieren.

Ich erlebe im ganz normalen Alltag schon mit den sogenannten friedlichen Muslimen Dinge, die schlimm genug sind.

Sara am 2. Februar 2015

Sebastian W.

Ich finde es schon ziemlich dumm, wenn Sie meinen, dass ein Islamwissenschaftler keine Ahnung vom Islam hat, aber PI schon. PI benutzt irgentwelche verdehten Wahrheiten und mixed sich alles so, wie es passt und lässt, was nicht ins Bild passt einfach weg. PI verbreitet Lügen und Hass und das findet man schnell heraus, wenn man sich mit Islam richtig beschäftigt. Sowas nennt man Bildung.

Zudem verwechseln Sie hier Kultur und Tradition mit Islam.
Ehrenmorde haben nichts mit Islam zu tun. Ehrenmorde gibt es auch in dt. Familien, in Südeuropa, Asien und Lateinamerika. Frauen werden nicht nur in muslimischen Ländern unterdrückt, sondern weltweit. Man redet da nur nicht so drüber.

Sie ziehen alle Muslime unter die gleiche Haube, das ist falsch und im Prinzip entspricht ihr Denken, das eines Wahabis. Beide sind ignorant und intolerant.

Radikale Ignoranz ist die größte Gefahr!

Andreas theyssen - 3. Februar 2015

Vielleicht doch mal ein Hinweis zu PI-News: http://www.sueddeutsche.de/bayern/einstufung-des-bayerischen-innenminsteriums-die-freiheit-und-pi-gelten-in-bayern-als-verfassungsfeindlich-1.1647727

maSu am 3. Februar 2015

Sebastian W.: Nein ich finde es nicht schlimm auf PI-News zu verweisen, wenn es denn ein konkreter Artikel wäre, den man diskutieren könnte. Der allgemeine Hinweis mal dort zu lesen, der ist nicht zielführend.

Dann zu ihrem Vorwurf, man würde alles schlimme an Luther auflisten: Selbst wenn dem so wäre, so würde das ggf. nur aufzeigen, dass nicht alles so gut war. Auch stellt sich mir die Frage, wieso der Islam nun eine Konkrete Reform an dem Beispiel brauchen sollte. Ich kenne Moslems, mit denen kann man ganz normal reden. Religion ist da eigentlich kaum ein Thema, weil es für sie - und für mich - reine Privatsache ist. Die würden mir nie vorschreiben, wie ich zu leben habe und umgekehrt ebenso. Diese Menschen sind sogar für die Gleichberechtigung der Geschlechter (nicht Gleichstellung) und auch für die Gleichberechtigung von homosexuellen Partnerschaften zur klassischen heterosexuellen Ehe. Die sind gegen die Beschneidung (bei beiden Geschlechtern). Das sind Menschen, die - aus meiner Sicht - normaler nicht sein könnten. Das sind Menschen, die in vielerlei Hinsicht aufgeklärter sind, als viele Mitglieder des dt. Bundestages.

Natürlich gibt es auch in zu vielen muslimischen Familien Unterdrückung von Frauen bzw. allgemein "nicht muslimischen Weltbildern".

Aber ich sehe eben an einigen Beispielen: es geht auch ganz "normal". Die Kinder können sich frei entfalten, die Töchter gehen mit Jungen aus, die nicht Moslems sind und so weiter. Und so lange es auch nur eine einzige muslimische Familie gibt, die dies schafft, so lange kann der Islam nicht das Böse sein.

Ich möchte sie daher bitten, nicht allgemein auf PI-News hinzuweisen oder etwas symbolisch zu meinen, sondern ganz Konkret anhand von Fakten zu argumentieren. Evtl. gibt ihnen dann jemand Recht oder auch nicht. Aber so ist das leider keine brauchbare Grundlage für eine Diskussion.

maSu am 3. Februar 2015

Herr Theyssen: Ich finde PI News selbst nicht sonderlich gut - um es mal vorsichtig zu umschreiben, aber der Maßstab unserer Verfassungsschützer grenzt oftmals an Willkür. Warum ist beispielsweise nur der bayrische Verfassungsschutz dieser Meinung? Gilt in Bayern eine andere Verfassung?!

Und wenn sie mit einem SZ-Link ankommen, da habe ich auch einen auf Lager:
http://www.sueddeutsche.de/medien/ueberwachung-durch-verfassungsschutz-journalisten-im-visier-1.1774909

Ist jetzt gar nicht mal so böse gemeint, aber wenn jemand mit einer PI-News-Meldung argumentieren möchte, dann soll er das tun. Die Meldung kann sich dann jeder durchlesen und sich selbst ein Urteil bilden. Es besteht schließlich auch die Möglichkeit, dass ein Fünkchen Wahrheit in der Meldung stecken könnte. Und das muss ich selbst dann berücksichtigen, wenn ich PI-News ansonsten für rechte Verschwörungstheoretiker halte.

Trotzdem würde ich jedem PI-News-Leser (egal ob dauerhafter Leser oder nur als flüchtiger Besucher) den Tor-Browser ans Herz legen, denn unser Verfassungsschutz dehnt seine Befugnisse gerne ein wenig. Aber Achtung: Wer auch nur kurz auf der Tor-Webseite ist, der gerät evt. ins Visier der NSA .... man kann es aber echt keiner Stasi recht machen...

Sebastian W. am 3. Februar 2015

@Theysen

Das mit dem Verfassungsschutz mußte ja kommen. Zeigt meiner Meinung nach jedoch eine geringe geistige Souveränität. Heutzutage wird allem Möglichen das Prädikat "rechts" angehängt, das insbesondere Linken nicht paßt, hierbei ist der Terminus "rechts" natürlich besonders bezeichnend und besorgniserregend. Man stelle sich mal vor, man würde in Deutschland den Terminus "links" synonym mit "linksextrem" gebrauchen.

Volksverhetzung betreiben für mich eher Leute wie Gauck oder Merkel, die in bester DDR-Manier friedliche Demonstranten dämonisieren. Für mich ist es einfach nur abenteuerlich, was ich in den letzten zwei Monaten erleben durfte. Ich bin übrigens nebenbei bemerkt Grün-Wähler, lasse mich aber nicht für dumm verkaufen und sehe die Realitäten des Islam.

@Sara

Auch Wissenschaftler, insbesondere Geisteswissenschaftler, reden schon mal den größten Stuß zusammen. Sie scheinen mir hier recht naiv. Ich behaupte auch nirgends, daß PI-News mehr über den Islam wüßte.

Sie zeichnen ja ein recht negatives Bild von PI-News und nutzen hier allgemeine Beschreibungen. Jetzt würde mich mal interessieren, ob Sie z.B. drei aktuelle Beiträge dort nennen können, auf die Ihre Beschreibung zutrifft.

Man kann viel behaupten, wenn der Tag lang ist.

Daß wir mittlerweile in einer DDR-artigen Gesellschaft leben, zeigt für mich folgender Vorfall:
Hessen: Rücktritt wegen islamkritischer Äußerungen

Am meisten Sorgen macht mir, daß so viele Menschen offenbar lieber gut sein wollen als vernünftig. Wobei es sich bei diesem Guten eben nicht um ein tatsächlich Gutes handelt, sondern um gesellschaftliche Vorgaben der Politischen Korrektheit. Man suhlt sich quasi in dem Gefühl, ein moralisch besserer Mensch zu sein. Und hier ist die gesellschaftliche Matrix bzw. das Lügensystem wichtiger als das kritische individuelle Denken - das mitunter auch mal gewisse Scheinheiligkeiten offenbart.

Also viel Spaß beim PI-Lesen. Wie kommt es nur, daß ich dort so viel Wahres sehe?

Blu-News wird offenbar nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Da dies ja für manche Leute offenbar ein sehr wichtiges Kriterium ist, sollten diese Leute doch dort mal vorbei schauen.

Ich entscheide selbst, was ich für unsere Gesellschaft und Verfassung als schädlich erachte. Und da fallen mir komischerweise ganz andere Dinge als PI-News ein. Zum Beispiel die politische und mediale Verharmlosung von Linksextremismus oder die systematische Denunzierung von Feminismus-Kritik. Oder auch das verfassungswidrige Beschneidungsgesetz, das blutarme und geistig völlig unselbständige Politiker beschlossen haben, weil sie meinen, einen Verfassungsbruch sei man den Juden in Deutschland nach dem Holocaust schuldig.

Solche Dinge machen mir sehr viel mehr Sorgen als PI-News.

Ruben am 8. Februar 2015

Thomas Mann, in seiner Rede "Über die Deutschen", sah in Luther ja auch den Protodeutschen. Und in der Tat ist er wohl der typische Revoluzzer für dieses Land, da jegliche Revolution und Reformismus hierzulande das Joch, gegen das sie sich wandten, nicht abstreiften, sondern letzten Endes neu legitmierten.

Von dieser Warte der nationalen Identifikationsfigur aus, haben/hatten viele muslimische Länder doch schon ihren eigenen "Luther": Ägypten seinen Hassan al-Banna, Iran seinen Khomeini, Saudi Arabien seinen alten Saud. sie haben allesamt die Religion auf neue Art und Weise mit der Macht vereint.

jasmin am 25. Juni 2015

Der Artikel ist der Beweis: Mann oder Frau muss muss nicht Muslim sein um Muslime zu verstehen oder ihnen aus dem Herzen zu sprechen - es reicht etwas Reflexion, Selbstkritik und Fairness. Selten habe ich einen so guten wie humorvollen Artikel über Reformation und Islam gelesen.

Suleiman am 25. Oktober 2015

Ich kann mich meiner Vorschreiberin Jasmin nur anschließen - bedauerlicherweise sind sachliche und tiefgründige Beiträge wie der vorliegende zum Thema "Islam/Muslime in Deutschland" aber bis heute eher die Ausnahme. Nur die Versachlichung kann zu einem fruchtbaren Diskurs zwischen Trägern verschiedener Anschauungen führen.

Was die Forderung nach Reform/Aufklärung für den Islam betrifft, so kann man das natürlich diskutieren. Man kann z. B. über die Notwendigkeit einer Aufklärung reden, aber am besten mit Muslimen, und vielleicht weniger über Muslime...um die Muslime geht es ja.

Grundsätzlich denke ich sollte man vorsichtig damit sein, bestimmte Vorgänge, die aus dem europäischen Kontext stammen, auf andere Kulturen zu übertragen. Die Aufklärung, so wie sie in Europa stattgefunden hat, ist die Konsequenz gewesen einer spezifischen Realität. Kurz gesagt war die Herrschaft von Gottes Gnaden wegen des Leids, die durch sie verursacht worden ist, für Denker und Philosophen zum Gegenstand von Kritik geworden und am Ende eines längeren Prozesses stand die Trennung von Kirche und Staat. Man hatte es also mit einem spezifischen Problem zu tun, und die Problemlösung war eine Antwort auf das Problem.

Die Übertragung einer Problemlösung auf eine andere Realität, die keinem artgleichen Problem unterworfen ist, ist irrational. Wenn ich Kopfschmerzen habe und ein Schmerzmittel nehme, dass meine Kopfschmerzen beseitigt, wäre es unvernünftig, allen anderen kranken Menschen mit völlig anderen Krankheitsbildern ebenfalls Schmerzmittel anzudrehen, nur weil diese mein Problem gelöst haben. Spezifische Probleme erfordern spezifische Problemlösungen. Die europäischen Probleme und die Entwicklung von Problemlösungen auf dieser Grundlage können nicht auf fremde Problem übertragen werden, denen eine völlig andere Realität zugrunde liegt.

Friedrich -Wilhelm am 8. Oktober 2017

es gibt schon einen islamwissenschaftler, der den islam reformieren will, doch richtete sich diese reform gegen alle tradition des koran, der sira, der sunna, und diejenigen, die einen "anderen islam" predigen würden, würden als abgefallene betrachtet, die man nach dem gestz töten muß!! also ist in absehbarer zeit mit einer islamischen reformation sicher nicht zu rechnen! das hat aber mit rülpsen und furzen auch ü b e r h a u p t nichts zu tun!
aus dem Artikel spricht eine gehörige Unkenntnis. Er wäre am Besten nicht geschrieben worden!!