Papst Franziskus‘ würdevolle Prügel

Von Kai Makus am 9. Februar 2015

Das „christliche Abendland“ ist nicht immer so viel weiter weg vom Mittelalter als der Islam. Das belegen die jüngsten Äußerungen des Papstes zum Kinderschlagen. Der Einfluss des Religiösen gehört zurückgedrängt

Nicht erst seit den Attentaten auf die Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ wird viel über die vorgebliche Gewalttätigkeit des Islam debattiert. Eine der steilen Thesen: Es handele sich nicht um eine Religion des Friedens, sondern um eine, die im Kern Gewalt propagiere gegen Andersgläubige und Nichtgläubige. Vergessen wird dabei gern, dass das Christentum keineswegs immer so gewaltfrei und friedlich daher kommt, wie es den Anschein haben könnte.

Daran erinnerte jetzt Papst Franziskus, das Oberhaupt der weltweit rund 1,2 Milliarden Katholiken. Ein Vater, der ab und an seine Kinder schlagen „muss“, habe einen Sinn für „Würde“, wenn er ihnen dabei nicht ins Gesicht haue – „wie schön!“ befand der Pontifex während seiner wöchentlichen Generalaudienz. Auch wenn sich einige mühen mögen, seine Worte in ein anderes Licht zu rücken: Franziskus war ziemlich deutlich. Er hätte sich auch gänzlich gegen Gewalt aussprechen können – gegen Kinder und am besten auch gegen andere, selbst wenn sie die eigene Mutter beleidigen.

Vielleicht wollte Franziskus einem Bremer Pastor nicht nachstehen, dessen Aussagen nach Einschätzung des leitenden Theologen in der Hansestadt, Renke Brahms, geeignet sind, „Gewalt gegen Fremde, Andersgläubige oder Asylbewerber Vorschub zu leisten“: Olaf Latzel hatte Ende Januar in der St.-Martini-Kirche ordentlich vom Leder gezogen. Das moslemische Zuckerfest? „Blödsinn.“ Buddha? Ein „dicker, fetter Herr.“ Der päpstliche Segen „Urbi et Orbi“? „Ganz großer Mist.“ Mit disziplinarischen Schritten muss Latzel wohl nicht rechnen – die bremische Landeskirche gewährt offenbar eine weit gefasste Lehr-, Glaubens- und Gewissensfreiheit.

Bremens Cheftheologe Brahms distanzierte sich indes rasch vom Pastor. Und auch katholische Verbände aus Deutschland brauchten für eine Distanzierung von ihrem Oberhaupt nicht lange. Zwar schweigen die katholischen Bischöfe in Deutschland noch. Die christlichen Konfessionen schaffen aber offenbar, was den moslemischen Gemeinden in Deutschland immer wieder vorgeworfen wird: dass sie sich nämlich nicht ausreichend von Gewaltpredigern distanzierten. Ihnen hilft dabei die hierarchische Organisation ihrer beiden Kirchen. Die aber ist dem Islam wiederum ziemlich fremd.

Im Kern geht es um die Auslegung von Schriften, durch die Religion offenbart wurde. Nimmt man sie wörtlich ernst, oder interpretiert man sie anhand aktueller gesellschaftlicher Gegebenheiten? Wählt man den ersten Weg, könnte man in der Bibel ähnlich viele Stellen finden wie im Koran, die nach heutigen Verständnis mehr als gestrig wirken. Wählt man den zweiten Weg, sollte man ihn allen Buchreligionen zugestehen – also auch den Moslems, dass viele von ihnen mit gewissen Passagen des Buches heute so wenig zu tun haben wollen wie moderne Christen mit gewissen Stellen der Bibel. Sippenhaft darf es ebenso wenig geben wie das Messen mit zweierlei Maß.

Wer eine angebliche „christliche-jüdische Kultur“ verteidigen will, sollte sich immer auch der möglichen archaischen Auslegungen religiöser Schriften bewusst sein, wie sie einige Moslems predigen – aber eben auch Katholiken, Protestanten, Juden. Besser als Konfrontationen zu schüren, wäre es, Religion endlich dahin zu verbannen, wohin sie in einer aufgeklärten Republik gehört: in den privaten Bereich. Es mag jeder glauben, was er will, und nach seiner Fasson glücklich werden. Er möge damit nur bitte seinen Nachbarn nicht belästigen. Aber das wird wohl ein frommer Wunsch bleiben.

Kai Makus, Autor im Peiner Land, schreibt die OC-Kolumne „Links gedreht“ jeden Montag.

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Edda am 9. Februar 2015

Also ich kann dem Papst nur zustimmen...ein bisschen Prügel schadet nicht. Wenn man sieht, dass sich manche der verwöhnten Blagen heute wie kleine SChweinchen aufführen und ihre Eltern terrorisieren, dann wären Prügel in kleinem Maße durchaus in Ordnung.
DAss die heutige jugend so ein undisziplinierter Sauhaufen ist, liegt auch daran, dass Eltern in Deutschland nicht mehr hauen dürfen. Gucken Sie sich doch mal die heutige Jugend an....wenn das das Ergebnis liberaler Erziehung ohne Prügel ist...dann bitte zurück zum Hauen.

maSu am 9. Februar 2015

Edda: Ich glaube sie verwechseln Prügel mit Autorität und Angst mit Respekt.

Zaunkoenigin am 9. Februar 2015

Edda, wenn Eltern keine Vorbilder sind, dann sind sie auch nicht in der Lage zu erziehen. Und wer Schläge mit Erziehung gleich setzt, der hat ganz schwache Argumente.

Da ich einer Generation angehöre, in der Schläge zur Erziehung gehörten, erlaube ich mir diese Aussage.

Und ansonsten haben Sie sich herrlich um das eigentliche Thema, nämlich Gewalt im Kontext mit Religion(en), herum gedrückt.

Edda am 9. Februar 2015

@Zaunkönigin

Aber vergleichen Sie doch mal die Generationen die Schläge bekamen mit den heutigen die keine bekommen, und wie unhöflich die heutige Generation gegenüber Erwachsenen oft ist, sie sogar mit "Ey Alter" anspricht oder ihnen den STinkefinger zeigt. Sowas hätte es in Ihrer Generation bestimt nicht gegegben.

Zaunkoenigin am 9. Februar 2015

Edda, Erziehung die aus jungen Menschen unerschrocken, aufrechte und mit Empathie versehen Menschen macht, kostet Zeit. Schläge kosen kaum Zeit und sind - neben der Erniedrigung und den Schmerzen und der Angst - auch ein Zeichen von Geringschätzung. Derjenige nimmt sich nämlich keine Zeit für das Kind - es ist die Zeit nicht wert.

Sind Sie in Ihrer Kindheit geschlagen worden?

OB am 10. Februar 2015

Ein Schlag ist die Insolvenz des Intellekts eines Individuums.