Journalisten bitte nicht mehr bestechen

Von Falk Heunemann am 26. Februar 2015

Die Dax-Konzerne wollen künftig Redakteure nicht mehr bestechen oder erpressen. Sowohl der Zeitpunkt dieser Erklärung ist bemerkenswert – als auch, für wen er nicht gilt

Die Firma „Experience GmbH“ bekommt ein existenzbedrohendes Problem. Das Unternehmen aus Fulda hat sich auf „Automotive Events“ spezialisiert, Erlebnisreisen mit neuesten Automodellen für eine ganz spezielle Zielgruppe: Journalisten. Zum Beispiel eine Rundreise durch Mali, damit die Geladenen sich „hier ein Bild von der Wirksamkeit eines sozialen Projektes für Tuaregstämme machen können.“ Oder eine Rundreise durch Marokko für „Journalisten unterschiedlicher Printmedien“, so steht es auf der Internetseite des Unternehmens.

Das Problem ist: Der offenbar wichtigste Auftraggeber der Fuldaer Firma ist der große Volkswagen-Konzern. Und dieser unterstützt nun, neben anderen Dax-Konzernen, einen neuen „Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen“, berichtet das „Manager Magazin“ und dokumentiert den Kodex im Wortlaut. Presserabatte und Geschenke an Journalisten etwa sollen demnach künftig ausgeschlossen, Pressereisen in einem „angemessenen Aufwand stehen“. Pressereisen, wie sie die Experience GmbH organisiert.

Nun ist es ja schon schön, dass Deutschlands größte Unternehmen sich im 66. Jahr der Bundesrepublik entschließen, dass sie künftig „wahrhaftig“ gegenüber Medien auftreten wollen und dass sie Journalisten künftig nicht mehr unter Druck setzen – oder sie bestechen werden.

Bemerkenswert sind an der Erklärung zwei Dinge.

Erstens, der Zeitpunkt. Der Kodex erscheint drei Jahre nach dem Rücktritt des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Damals hatten viele Medien sich über vermeintliche Rabatte für das Staatsoberhaupt empört – und mussten sich ihrerseits daraufhin Scheinheiligkeit vorwerfen lassen. Schließlich nehmen viele Journalisten Presserabatte wahr. In der Folge beendeten etliche Unternehmen diese Rabatte, unter anderem die Telekom, die Deutsche Bahn oder auch Air Berlin. Zugleich gehen viele Redaktionen inzwischen transparenter mit dem Thema bezahlte Promotionreisen um, sie deklarieren die Artikel entsprechend. So kann jeder Leser selbst entscheiden, ob er die Bewertung für glaubwürdig hält. Wenn es überhaupt ein Problem war, so ist es also in den vergangenen drei Jahren bereits deutlich kleiner geworden.

Zweitens fällt auf: Unter den Dax-Unternehmen sind viele, die selbst eigene Compliance-Probleme hatten. Die Bahn und die Telekom hatten eigene Mitarbeiter bespitzelt, VW hatte Betriebsräte korrumpiert, von RWE gab es merkwürdige Geldflüsse an Politiker, die Deutsche Bank soll Zinssätze manipuliert haben, Siemens musste hunderte Millionen wegen Kartellbildung zahlen, zudem wurde gegen den Konzern wegen eines regelrechten Schmiergeldsystems ermittelt, die Commerzbank hat eine Steuerhinterziehungs-Affäre.

In der Folge engagierten viele dieser Unternehmen neue Compliance Manager. Einen Beauftragten also, der dafür zuständig ist, eine Kultur im Unternehmen zu schaffen, sich an Regeln und Vorgaben zu halten. Sie stellten neue Verhaltensregeln auf, schulten Mitarbeiter, assistierten bei der Aufklärung der Skandale. Und sie dienen nach außen gerne als Beleg, dass sich das Unternehmen bessert – ob zu Recht oder nicht.

Und nun sind sie offenbar nicht mehr ganz so sehr ausgelastet wie noch zu Beginn ihrer Amtszeiten. Also deklarieren sie Selbstverständlichkeiten: Dass sie Medien weder bestechen noch erpressen wollen (zum Beispiel mit Anzeigen-Entzug). Das klingt zumindest gut und rückt die imagegeschädigten Konzerne in ein etwas besseres Licht.

Solch eine Erklärung kann sicher nicht schaden. Aber kann sie auch etwas nutzen? Die wahren Erpresser-Unternehmen sind keine Dax-Konzerne. Es sind große Handelsketten, die nicht an der Börse notiert sind, aber auch kleine lokale Autohäuser und Mittelständler, die Redaktionen mit dem Entzug von Anzeigen drohen. Das Problem haben weniger die überregionalen Magazine und Zeitungen, sondern vor allem Regionalblätter, die zusammen auf eine Gesamtauflage von knapp 20 Millionen kommen. Dort, in den kleinen und kleinsten Redaktionen, in denen Verleger am stärksten sparen, besteht die größte Anfälligkeit für Anzeigenerpressung – dort werben aber selten BASF, Fresenius oder Munich Re.

Übrigens: Volkswagen gewährt auch weiterhin einen Rabatt von 15 Prozent auf Neuwagen, wenn man seinen Presseausweis vorlegt.

Falk Heunemann, Autor in Berlin, schreibt die OC-Medienkolumne „Auf einen Klick“ jeden Donnerstag.

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Daniel am 26. Februar 2015

schöner Beitrag. wie immer. hier etwas Service;-)
Ansprechpartner: Aurika von Nauman
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E-Mail: presse@... (Warum wird die E-Mail-Adresse nicht angezeigt?)
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