Polizisten-Prügeln als Wochenendsport

Von Volker Warkentin am 10. März 2015

Die Randale in deutschen Fußballstadien hat Hochkonjunktur. Es wird Zeit, dass die Polizei mehr Möglichkeiten bekommt, um mit den Hooligans fertig zu werden

Bengalos abfackeln auf der voll besetzten Tribüne? Alltägliche Gewohnheit. Fans der gegnerischen Elf und den Schiri anpöbeln? Gehört ebenso dazu wie Verabredungen zu Massenschlägereien. Sich mit der Polizei anlegen? Ehrensache.

Was sich allwöchentlich in deutschen Fußball-Arenen abspielt, hat längst das Maß des Erträglichen überschritten. Die schier unerschöpfliche Geldgier der Profiabteilungen der Klubs und Hooligans sind zusammen dabei, die einstmals schönsten Nebensache der Welt zu zerstören. Dass es bislang ohne Tote abgegangen ist, wundert nicht nur Rainer Wendt. „ Manchmal hat es den Anschein, als würde aus dem Volkssport Fußball der Sport ‚Wir prügeln uns mit der Polizei’ werden“, zürnt der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft im „Welt“-Interview.

Was Wendt jetzt so in Harnisch bringt, waren die Krawalle nach dem torlos beendeten Kellerduell zwischen dem VfB Stuttgart und Hertha BSC am vorigen Wochenende. Anhänger des Klubs aus der Hauptstadt des vermeintlichen Musterländles, wo das Verweigern der Kehrwoche als höchste Form des Widerstandes gilt, legten sich mit den Beamten an. Trauriger Höhepunkt: Eine in einen Hinterhalt gelockte Streifenbesatzung wusste sich nicht anders zu helfen als durch drei Warnschüsse. Damit sollten Kollegen auf die Not der beiden Beamten hingewiesen werden. Der Schütze habe in akuter Lebensgefahr gehandelt, konstatiert Wendt und vermutet, der Vorfall werde auf Verantwortliche in Politik und in den Vereinen keinen Eindruck machen.

Die Randale in Stuttgart stellte sogar noch die Angriffe gewalttätiger Borussen aus Dortmund in den Schatten, die in der Woche davor zwei Mal den Fernsehjournalisten Marcel Reif angegangen waren. Beim Revierderby gegen Schalke machten sich Schwarz-Gelbe über sein Auto her, Tage später beim Pokalspiel gegen Dynamo Dresden bewarfen sie den wegen seiner Kompetanz hochgeachteten, wegen seiner scharfen Zunge aber auch umstrittenen Kommentator mit Bier. „So einen Hass habe ich noch nicht gesehen“, äußerte sich der 65-Jährige erschüttert.

Mehr noch als Reif & Co stehen jedoch die Polizisten im Kreuzfeuer. „Dass Polizisten in Lebensgefahr geraten, ist leider das Wochenendprogramm“, sagt Gewerkschafter Wendt. Er könne nicht ausschließen, dass irgendwann ein Beamter in höchster Not gezielt auf einen Angreifer schießt, „dass es den ersten Toten gibt“. Das wolle er nicht. Doch andererseits ließen sich die Ultras genannten Hardcore-Hools nicht mit Fanprojekten integrieren.

Statt dessen müsse die Polizei die Möglichkeit bekommen, bekannte Randalierer vor bestimmten Spielen in Vorbeugegewahrsam nehmen zu können, „ohne dass wir uns den Vorwurf gefallen lassen müssen, hier die Menschenrechte zu verletzen“. Das einfache Rezept des Polizeigewerkschafters Wendt: „Justiz und Knast“.

Bei aller Kritik an Forderungen aus Wendts eher konservativ gestrickten Gewerkschaft nach härteren Gesetzen – wo der Mann Recht hat, hat er Recht.

Volker Warkentin, Autor in Berlin, hat als rechter Verteidiger in Jugendmannschaften des Allgemeinen Turn- und Sportvereins Bremerhaven (ATSB) dilettiert. Sein Trainer „Opa Schulz“ legte immer großen Wert auf sportlich einwandfreies Verhalten auf dem Platz und im Zuschauerraum. Seine OC-Kolumne „Warkentins Wut“ erscheint jeden Dienstag.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 13 Bewertungen (4,69 von 5)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

phatterdee am 10. März 2015

An diesen zuständen sind aber die Ultras nicht aleine schuld, was sie völlig unterschlagen ist das Gewalt und provukation auch von Polizisten aus geht.
Ja auch bei der Ordnungsmacht gibt es Menschen die sich gerne Prügeln.
Es passiert ihnen ja meistens auch nichts, und wen es zur anklage kommt dann wird sich gegenseitig gedeckt.
Und wenn es zu einem Urtreil kommt ist die strafe meistens so lächerlich.
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/03/09/stuttgart-21-ex-polizeichef-wegen-polizei-gewalt-verurteilt/
nach nur vier Jahren, ich glaube aber das geht in revison da sollte es zu einer Verurteilung kommen die Verletzten schadenserstaz geltend machen könnten, gegen wen auch immer
CIh lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte das alle verfahren die gegen Deomonstranten wegen Weiderstands gegen die Staatsgewalt angezeigt wurden schon Jahre zuvor gelaufen sind

Zaunkoenigin am 10. März 2015

phatterdee, Ihr Einwand kann doch nicht ernst gemeint sein, oder? Sie wollen doch hoffentlich nicht zum Ausdruck bringen, dass ein prügelnder Polizist (oder auch einige mehr), dieses entsetzliche Gruppenverhalten vieler Fussball"fans" legitimiert.

Ich habe vor 15 Jahren ein einziges Mal in einer S-Bahn-Linie in Hamburg mehr als gebibbert weil ich mir nicht sicher war, ob ich noch heil aus dem Waggon wieder heraus komme. (und das war mit Sicherheit harmlos im Vergleich zu dem was heutzutage abläuft) Ursache? Fans (von welchem Fussballclub auch immer) waren auf der ANREISE zum Station schon so in Fahrt und angetrunken, dass sie versuchten die Waggons, in denen schon Fahrgäste saßen, aus den Schienen zu heben. Die Polizei versuchte damals zu beruhigen, zu mäßigen ... die Fans auf ein erträgliches Maß herunter zu fahren. Sie haben es, auch unter Einsatz ihrer eigenen Sicherheit, geschafft, dass "nur" noch gespuckt, geschubst, gegröhlt, Bier verspritzt und angepöbelt wurde. Und nein, es handelte sich dabei nicht nur um Fans aus sozialen Randgruppen.

Seit diesem Erlebnis frage ich mich, warum Deutschland als Allgemeinheit diese regelmässigen Einsätze mit seinen Steuergeldern bezahlen muss. Was geht es mich an, was in den Stadien los ist? Jeder weiß inzwischen, dass man mit Gewalt in und um den Stadien rechnen muss (und trotzdem werden Babies und Kleinkinder mit rein genommen - am Wochenende im TV erst gesehen). Und wer heute noch diese Stadien aufsucht, der ist dieses Risiko sehenden Auges selbst eingegangen. Sollen sich doch die Clubs um die Sicherheit ihrer Fans kümmern. Wenn das mal aus ihrem Geldbeutel geht, dann wird sich da auch etwas ändern.

Mich jedenfalls ärgert es maßlos, dass ich mit meinen Steuern einen inzwischen überflüssigen weil alles andere als soziales Verhalten lehrenden Sport finanziere der letztendlich nur ein paar Funktionären und Fussball"stars" den Geldbeutel füllt.

Und was Ihre Polizistenschimpfe angeht... da kann ich Sie nur fragen ob Sie denken, dass regelmässige Einsätze in solchen Hexenkesseln spurlos an Menschen vorbei gehen können. Was meinen Sie, was das auf Dauer mit einem Menschen macht? Sicher, das kann und soll nicht toleriert werden. Dieser Polizist ist an dieser Stelle nicht mehr tragbar. Aber ich kann es nachvollziehen, dass einem Menschen (etwas anderes ist ein Polizist nämlich auch nicht - und dafür noch schlecht bezahlt) die Nerven durchgehen. Und nein, ich gehöre nicht zu den Staatsbürgern die immer noch die Polizei als "Deinen Freund und Helfer" einstuft. Verständnis habe ich für solche Fehlleistungen in solchen Situationen dennoch.

maSu am 10. März 2015

Och wie schade, dass in der Überschrift ein Bindestrich ist.

So klänge das viel besser und doppeldeutiger:
POLIZISTEN PRÜGELN ALS WOCHENENDSPORT

Natürlich finde ich nicht gut, wenn irgendwelche Idioten sich Straßenschlachten mit der Polizei liefern. Ich finde es aber auch nicht gut, wenn sich anscheinend uniformierte Idioten Straßenschlachten mit wehrlosen und harmlosen Bürgern liefern.

Zaunkoenigin am 10. März 2015

ich verstehe Ihre Anmerkung nicht, maSu. Dass so etwas gut sein soll, hatte Herr Warkentin auch gar nicht behauptet. Warum müssen Mißstände immer relativiert werden indem man mit dem Finger auf andere zeigt? Ist das ein Argument dafür, dass man fröhlich so weiter machen kann/soll/darf?
Warum bleibt man nicht beim Thema?

maSu am 10. März 2015

Weil die Überschrift alleine einen gewissen Spielraum gibt und mal mit, mal ohne Bindestrich bei diversen Delikten "passt".

Daniel Saure am 10. März 2015

Ich kann mich dem Kommentar des Vorgängers nur anschließen. Ich besuche häufig Fußballspiele, es ist allgemein bekannt, dass die Polizei Einsatzkräfte zu kritischen Spielen zum "Trainieren" schickt, gerade die offensiven Jungs auspackt. Bei Auswärtsspielen fühle ich mich als friedlicher Fan regelmäßig von der Polizei bedroht, strahlt das Aufgebot unsagbare Aggressivität aus. Ich rede nicht von einer Hooligan-Truppe mit der man marschiert, sondern der ganz gewöhnliche Auswärtsspiel-Besucher. Dazu sollte man sich einfach mal die Auflagen gegen Fans des SC Freiburg durchlesen, das genügt um die Willkür sofort zu sehen. Deren Fans werden gerade dargestellt als kämen sie direkt aus Catania oder Palermo, geradezu lächerlich. Auswärtsfahrten erinnern immer mehr an die Blockupy Demo in Frankfurt vor 3 Jahren als ich live mitbekommen konnte, wie die Polizei und zwar ausdrücklich die Polizei mit Aggressivität Ausschreitungen provozierte und selbst sogar Gewalt begann. Und ein Wort zum Thema Pyrotechnik - einfach diesen Link einmal ankliken und überlegen, wie die Berichterstattung so funktioniert. Nimmt man sie ernst, müssten in den 90er-Jahren pro Spiel Dutzende Personen verletzt worden sein. Nichts, rein gar nichts passierte. An einem Oktoberfestabend passiert mehr als bei 100 Fußballspielen zusammen, Verletzte betrachtet. Und einfach mal den Kommentar anhören - so ändert sich auch öffentliche Berichterstattung. (Zitat zu Pyro:"Gesamtkunstwerk") https://www.youtube.com/watch?v=RMAt7k8CWOE Schade, dass jeder meint, er müsste auf diesen Zug aufspringen. Ach ja, Fußball ist da nur ein Randbereich. Einfach mal kommende Woche zur EZB-Eröffnung nach Frankfurt kommen - Polizeigewalt und Innenministeranordnungen sind da sicher auch wieder gern gesehen. Da kommt ja dann das linke "Pack" und demonstriert gegen die EZB - da kann man sich wieder austoben. Sorry, aber abgesehen von 11Freunde oder gelegentlich Frankfurter Rundschau kann ich die Kommentare zu Fußballfans nicht ernst nehmen. Nicht einfach von Bild.de abschreiben und Fußballfans / Ultras von Hooligans trennen, das hilft.

Zaunkoenigin am 10. März 2015

Ja Herr Saur, würde man diese Spiele verbieten, dann würde sich das Thema erübrigen und meine Steuergelder könnten sinnvolleren Zwecken zugeführt werden.

PS: da ich selbst Fussballfans in Aktion erleben durfte, nehme ich die Kommentare ernst. Aber das möchte ein Fan meist nicht lesen.

Saure am 10. März 2015

mag sein, dass Sie Fußballfans in Aktion erleben. Dann würde mich interessieren, was Ihnen denn dabei so passiert ist. Ich erlebe auch Anti-Pegida Demonstranten in Aktion, die Steine werfen. In Frankfurt. Womöglich waren es 5-10 von jenen. Dürfte eine Mini-Anzahl der gesamten Demonstranten sein. Und diese würden genauso bei Pro-Pegida Demonstrationen werfen. Ebenso ist es beim Fußball, da die Plattform stimmt. Dazu sollte man Fans, Hooligans und Ultras schon trennen können. Ich schicke Ihnen mal ein Bespiel, vielleicht hilft es ja. Die gängig polizeifreundliche Badische Zeitung verfasste dies. Einfach mal lesen. http://www.badische-zeitung.de/freiburg/stadt-verhaengt-strenge-verbote-gegen-20-sc-ultras--96229662.html man nehme nur dies: Für acht der 20 Betroffenen hat die Supporters Crew Fakten geliefert: Ihnen werden 39 Vorfälle angekreidet, allerdings kam es in einigen Fällen gar nicht zu Sanktionen, bei manchen blieb es bei Ermittlungen, nur in vier Fällen kam es überhaupt zu Verurteilungen (wegen Beleidigung, Widerstandshandlungen, Körperverletzung und dem Zünden von Pyrotechnik). In einem Fall soll ein Fan einen Szenebeamten der Polizei böse angeschaut und dabei die Hände geknetet haben, was als Provokation gewertet wurde. Der Anwalt und Grünen-Stadtrat David Vaulont fand diesen Tatbestand "besonders absurd".

Manche der von der Polizei aufgeführten 39 Delikte reichen Jahre zurück. In den Schreiben der Behörden an die Betroffenen wird eine "latente Gewaltbereitschaft" und "eine Gefahr für Leib und Leben" genannt, auch bei Betroffenen, die gar keine schwereren Taten begangen haben; es wird sogar auf "mutmaßlich begangene Straftaten" hingewiesen.

Die acht betroffenen Fans haben Widerspruch eingelegt, dies kann man entweder beim städtischen Amt für öffentliche Ordnung oder beim Regierungspräsidium. Alle Widersprüche wurden von den Behörden abgelehnt. Es bleibt den Fans der Gang vors Verwaltungsgericht Freiburg. Bislang fand jedoch in keinem der Fälle eine Verhandlung statt.

Mit Unverständnis haben Gemeinderäte der Fraktionen von Grünen, SPD, Unabhängigen Listen und der JPG (Junges Freiburg – Die Partei – Grüne Alternative) reagiert. Die Verbote seien schlichtweg rechtswidrig und politisch falsch, eine Verlängerung, wie sie nach drei Monaten ausgesprochen worden sei, müsse mit neuen Tatsachen begründet werden, sagt der Jurist und Grünen-Stadtrat David Vaulont. Er spricht von einer "massiven und völlig überzogenen repressiven Maßnahme". Der Freiburger Anwalt und UL-Stadtrat Michael Moos kritisiert, dass den Betroffenen vor Aussprechen des Verbots keine Anhörung gewährt wurde, dies sei eigentlich selbstverständlich. Zudem handle es sich um eine "gravierende Einschränkung der Freizügigkeit", die unverhältnismäßig und nicht begründet sei. Vaulont ("Wir wollen das Thema Gewalt nicht beschönigen") kritisierte, dass bei Fußballfans ein anderer Maßstab angesetzt werde.

Verurteilung ohne Handhabe - nicht schlecht in einem demokratischen Staat was. Gut oder? Ich werde nächste Woche die Demonstration gegen die EZB besuchen. Vielleicht werde ich auch verprügelt wenn ich im Zug mitlaufe. Bei der Blockupy-Demo 2011 in Frankfurt war man mit Tränengas ja gut versorgt, wenn man im "falschen" Teil der friedlichen Demo war. Aber alles kein Problem - Fußballfans und Demonstranten gerne pauschal aburteilen, mehr Freiheit für die Polizei und die Anti-Fan-Hetze der Bild. Solche Staaten funktionieren ja am besten. Und bei den 68er-Demos funktionierte es dank Springer in Deutschland sogar so gut, dass die Polizei freudig draufschlagen durfte. Da wollen wir wieder hin, nicht wahr? War gut ne? vg

Zaunkoenigin am 10. März 2015

@Saure..
ich habe mir jetzt mehrfach Ihr Statement durchgelesen und bin am Ende so schlau wie vorher auch. Ich möchte nicht ausschließen, dass ich altersbedingt etwas schwer von Begriff bin... trotzdem, ich verstehe es nicht.

Deshalb die Frage .... was wollen Sie konkret zum Ausdruck bringen? Was ist Ihr Anliegen? Wo ist Ihr Bezug zum Thema?

phatterdee am 11. März 2015

@ zaunkoenigen
bitte schauen sie sich die ganzen videos an.
https://www.youtube.com/watch?v=dkx01ZnBvsU

https://www.youtube.com/watch?v=af6xH1RSDrM

https://www.youtube.com/watch?v=D7QivrpXmU0

https://www.youtube.com/watch?v=7ZTRKgSqeUU

https://www.youtube.com/watch?v=i59tNxGeiDA

https://www.youtube.com/watch?v=H72Jc7bbWFI

https://www.youtube.com/watch?v=_I2RCClg9lE
Ich will auh nicht sagen das immer nur die Polizei schuld ist aber haufig mit beteiligt ist.

Zaunkoenigin am 11. März 2015

meine Güte, phatterdee .. niemand hat behauptet, dass die Polizei ausschließlich zu den "Guten" gehört. Darum geht es doch gar nicht in diesem Artikel und vor allem macht das das Verhalten der aggressiven "Fans" auch nicht besser.

Dieses gegenseitige Aufrechnen sorgt doch dafür, dass sich nie etwas ändern kann. Abgesehen davon, dass ich nachvollziehen - wenn auch nicht gut heißen kann, dass es Polizisten gibt, die diesem Druck dem sie ausgesetzt sind irgendwann nicht mehr stand halten können. Aber das ist ein anderes Thema und gehört m.E. hier nicht rein. Das führt nämlich auch dazu, dass der Verursacher dieser Gewaltsituationen auf einmal zum Opfer hoch stilisiert wird. Was nicht bedeutet, dass ich das nicht diskutieren möchte. Gerne an anderer Stelle oder wenn überhaupt erst einmal die Gewaltbereitschaft im Kontext mit Fussball beleuchtet wurde. Aber nicht hier, bzw. schon zu Beginn dieser Diskussion. Einfach deshalb nicht, weil es die Gewalt der Hooligans damit relativiert und nicht das zeigt, was es ist. Nämlich widerlich, abstossend, menschenverachtend und .... gesellschaftsschädigend. In meinen Augen sind das Verbrecher. Auf jeden Fall sind sie asozial.

Nach meinem Verständnis geht es hier in diesem Artikel um Gewalt der Hooligans. Und dass wir hier Mitschreiber haben die versuchen das zu relativieren zeigt mir, dass es bitter nötig ist, das Kind beim Namen zu nennen und nicht (wieder einmal) zu rufen "aber die Polizei ..." Es ist m.E. auch noch ein Unterschied, ob ich derjenige bin, der bewusst Randale macht oder ob ich derjenige bin, der versuchen muss so einen Hexenkessel im Griff zu behalten. Versuchen sie sich mal in die beiden Positionen hinein zu versetzen. Mit ein wenig Empathie werden sie schnell spüren, wo da der Haken und das Problem für die eine Seite ist.

Und mir persönlich geht es auch um die Kosten, die die Allgemeinheit trägt, während die Clubs die Füsse still halten, ein paar Lippenbekenntnisse von sich geben und ansonsten ihre Hände in Unschuld waschen.

Pro Saison rechnet man inzwischen mit über 100 Millionen Euro Kosten für die Polizeieinsätze in den Stadien. Da ist die gesteigerte Präsenz auf den Bahnhöfen (der definitiv bitter nötig ist) noch nicht einmal mit eingerechnet.

Einerseits wird am Personal der Polizei gespart (bei uns ist das auch für den normalen Bürger spürbar), die Menschen dort kommen durch die Sparquote immer mehr unter Druck (denn, die Leistung sollen sie ja nach wie vor bringen) und andererseits werden solche Einsätze immer mehr und das auf Kosten des Steuerzahlers. Druck auf die Polizei erzeugt zwangsläufig irgend wann einmal Gegendruck oder Leistungsverweigerung. Das halte ich für zutiefst menschlich. Ist ihnen bewusst wie viele Polizisten finanziert werden könnten, wenn die 100 Mios von den Clubs getragen werden würden. Oder auch nur die Hälfte?

Abgesehen davon, dass die Notwendigkeit der hohen Polizeipräsenz dazu führt, dass für die täglichen und üblichen Einsätze keine Kapazität mehr da sein kann.

Ich für meinen Teil bin da inzwischen in meiner Meinung radikal und vertrete die Ansicht, dass jeder, der freiwillig diese Stadien betritt auch zusehen muss, wie er sicher und gesund wieder raus kommt. Polizeieinsatz nur noch außerhalb der Stadien zum Schutz der Unbeteiligten. Dann wollen wir mal sehen, wie lange die Clubs sich noch so entspannt zurück lehnen. Und dann zeigen hoffentlich irgendwann auch einmal die normalen Fans (denen ich ihren Sport wirklich nicht madig machen möchte) endlich einmal einen "Arsch in der Hose" und beziehen Stellung in dem sie von diesen Veranstaltungen weg bleiben. Wenn die Fans wegen der möglichen Gewalt den Stadien fern bleiben und damit die Clubs/Funktionäre Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, dann werden die auch kreativ. Darauf möchte ich wetten.

Dass es auch anders geht, zeigen Fußball-Ligen anderer Länder. Da fühlen sich bereits einige für die Gewährleistung der Sicherheit im Stadion verantwortlich. So beteiligen sich Clubs in Frankreich z.B. an den Kosten für Polizei-Einsätze. In Spanien und Großbritannien sorgen die Klubs für Sicherheit innerhalb der Stadien.

Saure am 11. März 2015

Herr Warkentin, ich weiß nicht, ob Sie außer den Statements von Herrn Wendt großartig recherchiert haben. Der Beitrag könnte in Bild stehen, hat keinerlei Tiefe und liest sich wie eine Pressemitteilung der Polizei oder ihrer Gewerkschaft. Sorry - Opinion Club gut und schön, aber die Kollegen steigen in die Materien tiefer ein. Aber ist auch nicht schlimm. Auch und noch was - ihre Ultras, die Sie ja gerne auch mit Hools vermischen, werden wenn sie denn weg sind ganz schön vermisst. So sehr, dass Vereine schon betteln, man möge doch zurückkehren, weil keine Stimmung mehr ist.http://www.tz.de/sport/fc-bayern/hannover-96-stimmung-schon-abgestiegen-tz-4793794.html Schon blöd, wenn man zwischen dem Abbrennen von Pyrotechnik durch Ultras und Gesänge und Banner (bei der Pyro müsste nach Berichterstattung der Medien eigentlich jedes Wochenende hunderte Verletzte auftreten müssten - nur wo sind die??) und gewaltbereiten Hools nicht unterscheidet. Statt dessen so wie hier den Herrn Wendt gerne ungeprüft übernimmt. Frage: Wenn Sie einen Beitrag zum Thema rechte Gewalt in Sachsen recherchieren - übernehmen Sie dann auch die Statements der örtlichen NPD oder AFD? Und mischen diese als Zitate munter unter? Wie heißt das nochmal - ein Journalist sollte sich nicht mit einer Sache gemein machen.....

Volker Warkentin am 11. März 2015

Nichts für ungut, Saure. Aber bei der letzten Mail sind Ihnen wohl die Gäule durchgegangen. Ganz offensichtlich haben Sie meinen Kommentar nicht komplett gelesen, sondern Ihrer Wut gleich freien Lauf gelassen. Sonst wüssten Sie nämlich, dass ich die Positionen von Herrn Wendt und seiner Gewerkschaft zu 99,99 Prozent nicht teile. Ich teile ausdrücklich nur seine Forderung nach "Justiz und Knast" im genannten Kontext.
Und was die Bengalos betrifft: Selbst der Fachhandel http://www.bengalo.org/bengalo-faq/sind-bengalos-gefaehrlich/ warnt vor den Gefahren der Fackeln, die 1600 bis 2500 Grad heiß werden können. Es grenzt an ein Wunder, dass es bislang ohne Tote und Schwerstverletzte abgegangen ist. Das Abbrennen der Fackeln in den Stadien ist zu Recht nicht erlaubt. Oder halten Sie offenes Feuer in Menschenmengen wirklich für eine gute Idee? Die Vereine werden regelmäßig mit hohen Geldbußen belegt, wenn Bengalos angezündet werden. Die Justiz ist sich allerdings noch nicht einig , ob sie das Entzünden der Feuer als Ordnungswidrigkeit oder als Straftat ahnden soll.

Völlig unverständlich und zudem beleidigend finde ich Ihre Unterstellung, ich würde bei Recherchen zur rechten Gewalt Positionen der NPD übernehmen. Wie kommen Sie darauf?

Und warum werfen Sie mir vor, mich mit einer Sache gemein zu machen? Ich beziehe lediglich Position, und das ist nun einmal der Sinn und Zweck eines Kommentars. Ein Kommentar unterscheidet sich von einer Nachricht nämlich dadurch, dass er die Meinung des Verfassers wiedergibt.

Grüße, Volker Warkentin

Saure am 11. März 2015

kleine Geschichte zur Pyrotechnik von einer Berliner Redaktion...http://www.11freunde.de/artikel/eine-kleine-geschichte-der-pyrotechnik-deutschland/page/2
übrigens - in einer Silvesternacht in einer durchschnittlichen deutschen Kleinstadt gibt es mehr Unfälle mit Raketen oder Pyrotechnik als in einer gesamten Bundesligasaison. Forderung des Verbots von Silvesterfeuerwerk lese ich selten. Oktoberfest München: 2300!! Polizeieinsätze 2014, mitunter schwerste Gewalt. Da muss man schon viele Fußballspiele kumulieren um auf 2300 Einsätze und Anzeigen zu kommen. Verbot Oktoberfest? Klaro oder? Die Reihe wäre beliebig erweiterbar. Aber schauen Sie - "Die Randale in deutschen Fußballstadien hat Hochkonjunktur. Es wird Zeit, dass die Polizei mehr Möglichkeiten bekommt, um mit den Hooligans fertig zu werden
Bengalos abfackeln auf der voll besetzten Tribüne? Alltägliche Gewohnheit. Fans der gegnerischen Elf und den Schiri anpöbeln? Gehört ebenso dazu wie Verabredungen zu Massenschlägereien. Sich mit der Polizei anlegen? Ehrensache." Das sind doch Ihre Worte. Ich formuliere mal um: "Tote an Silvester sind alljährlich zu beklagen. Es wird Zeit, dass die Polizei gegen die unsinnige Feierei mehr Möglichkeiten erhält. Raketen in Menschenmengen? Alljährliche Gewohnheit. Prügeleien am Brandenburger Tor? Quasi minütlich. Zu später Stunde volltrunken Schlägereien anzetteln, andere Gruppen verprügeln, Polizisten prügeln? Standard. Lange Schlangen in Krankenhäusern aufgrund von Verletzungen und Feuerwerk? Logische Folgen." ..... Und wie sieht es mit Demonstrationen am 1.Mai aus? Werden die auch verboten, bekommt die Polizei da auch "mehr Möglichkeiten"? Und zum Freiburger Beispiel - finden Sie das gut? Quasi einen rechtsfreien Raum, weil da ja die Polizei "mehr Möglichkeiten" hat....Sorry,

Volker Warkentin am 11. März 2015

Mit Ihrem Hinweis auf die Gefahren von Silvesterfeuerwerk und Oktoberfest mögen Sie recht haben. Das war aber nicht Thema meines Kommentars.
Volker Warkentin