Karlsruhe lässt die Islamisten siegen

Von Oliver Piecha am 17. März 2015

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, Kopftücher für muslimische Lehrerinnen im Zeichen der Religionsfreiheit zuzulassen, ist ein Sieg des politischen Islam

Die Entscheidung aus Karlsruhe, dass Lehrerinnen Kopftuch tragen dürfen, ignoriert ein grundsätzliches Faktum: Das Kopftuch wurde vom politischen Islam spätestens seit den siebziger Jahren zielgerichtet zu seinem wohl wichtigsten Kampfsymbol aufgebaut. Und das ist auch der grundsätzliche Unterschied zum Tragen eines rein religiösen und ungebundenen Symbols wie etwa einem Kreuz. Das Kopftuch besetzt im ideologischen Kosmos des Islamismus eine zentrale Angriffsposition: Es steht für Geschlechter-Apartheid im öffentlichen Raum. „Theologisch“ besagt das Kopftuch, dass die Frau vor den Blicken des Mannes verborgen werden muss. Wenn die Verhüllung selbst akzeptiert ist, ist nur noch ihr Grad strittig. Muslimin-Sein und Kopftuchtragen sind dabei von den Islamisten erfolgreich eins in eins gesetzt worden.

Es waren nicht etwa die westliche Gesellschaften, die das Kopftuch zum Problem gemacht haben – das Kopftuch ist ganz bewusst vom Islamismus zum Problem stilisiert worden.

Und das gilt keineswegs nur für die westlichen Gesellschaften. Nach dem Beginn der Revolution im Iran 1979 demonstrierten Abertausende von Frauen gegen den aufziehenden Kopftuchzwang. Sie demonstrierten so lange, bis Schlägertrupps des neuen religiösen Regimes für Ruhe auf den Straßen sorgten. Ob in der Folge der iranischen Revolution, durch die von den Golfmonarchien bezahlte Ausbreitung rigider Lesarten des Islams, oder zuletzt im Kampf der türkischen AKP Erdogans gegen die laizistische Republik: Die Betonung der Sonderstellung der Frau im öffentlichen Raum – und für nichts anderes steht auch das noch vergleichsweise moderate „Kopftuch“ – wird und wurde politisch, finanziell und medial massiv gefördert. Und zum Schluß ist die Frage, ob eine Frau auch ohne Bedeckung vor die Haustür gehen kann, im Zweifel entschieden.

Wenn heute junge Musliminen in Deutschland darauf beharren, dass ihre Entscheidung, ein Kopftuch zu tragen, mit all dem rein gar nichts zu tun habe, und gänzlich individuell getroffen worden sei, dann ist das etwas sehr Positives. Es stimmt auch, dass sich die Bedeutung und Besetzung von Symbolen wandeln kann – auch das ist im Falle des Kopftuchs zu begrüßen. Und ob Musliminen mit dem Kopftuch provozieren, sich religiös ausdrücken oder einfach nur schmücken wollen – und es vielleicht sogar mittlerweile als bloßes modisches Accessoire durchgeht – das ist ausschließlich ihre eigene Angelegenheit.

Nur in der Schule auf den Köpfen von Lehrerinnen sollten wir mit der Akzeptanz des Kopftuches warten, bis geklärt ist, warum ausgerechnet Lehrerinnen so unbedingt darauf beharren, dieses Kopftuch während der Schulstunden tragen zu müssen. Und wenn das Kopftuch dann eines Tages nicht mehr das markanteste aller Propagandainstrumente des Islamismus darstellt, sondern tatsächlich bloß eine individuelle Entscheidung verkörpert wie das Tragen eines Kreuzanhängers, ein Nasenring oder ein Schmetterlingstatoo, dann wird man das Bundesverfassungsgericht in dieser Frage auch nie wieder bemühen müssen.

Oliver Piecha, promovierter Historiker, arbeitet für eine Kampagne gegen weibliche Genitalverstümmelung im Nahen Osten und schreibt unter anderem regelmäßig für die Wochenzeitschrift “Jungle World”. Diverse Publikationen, zuletzt Mitherausgeber von “Verratene Freiheit – Der Aufstand im Iran und die Antwort des Westens”.

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maSu am 17. März 2015

mMn wäre es Zeit für eine echte Trennung von Kirche und Staat. Denn es haben weder christliche, noch jüdische oder muslimische Symbole etwas in öffentlichen Ämtern verloren. Polizisten müssen ein gewisses äußerliches Erscheinungsbild aufweisen. Ja selbst Tattoos, die eigentlich niemals sichtbar sind, können da problematisch werden. Bei der Bundeswehr gibt es eine Haar- und Bartverordnung, die obendrein auch sexistisch ist, weil Frauen deutlich mehr Freiraum bei Frisur usw. gegeben werden.

Und in der Schule sieht man sich außer Stande religösen Kram, der eindeutig die private(!) Sache von Lehrern darstellt, zu verbieten?! Ich darf bei der Bundeswehr auch keine Kippa tragen. Im Polizeidienst wird das ebenso kritisch sein. Und trotzdem kommt keiner mit der Antisemitismus-Keule daher.

Und nun streitet man sich erneut um das Kopftuch, einfach weil Politiker und damit der Gesetzgeber das Wort Religionsfreiheit nicht versteht. Denn Religionsfreiheit bedeutet nicht nur, dass ich mir meinen coolen unsichtbaren Freund aussuchen darf. Nein. Religionsfreiheit bedeutet auch, dass ich, wenn ich denn will, frei von Religion sein kann. Und da hat gerade die Schule auch eine gewisse erzieherische Aufgabe und sollte Neutralität wahren.

Noch witziger übrigens: Arbeitgeber dürfen selbstredend in den Kleidungsstil der Mitarbeiter hineinpfuschen und diverse Dinge verlangen (zB Anzug und Krawatte oder spezielle Dienstkleidung usw.) aber im öffentlichen Dienst sieht man sich außer Stande, etwas derartiges umzusetzen?!

Das ist doch der Moment in dem es alle übertreiben sollten:
Jeder behängt sich mit allen möglichen religiösen Symbolen seiner favorisierten Religion! Der christliche Lehrer behängt sich mit Kreuzen, Rosenkranz und was weiß ich noch alles und kommt in Mönchskutte. Die muslimische Lehrerin kann zur Burka aufrüsten. Der jüdische Kollege trägt einen siebenarmigen Kerzenleuchter mit sich herum usw.

Das würde die Absurdität des ganzen Sachverhaltes mal aufzeigen. Im Privatleben kann man rumhampeln wie man will. Im Beruf aber eben nicht!

Und die Bedeutung des Kopftuchs ist bei der ganzen Sache irrelevant, da sie individuell ist.

Zaunkoenigin am 19. März 2015

unter Berücksichtigung der letzten bekannt gewordenen BGH-Urteile frage ich mich grundsätzlich welche Interessen von diesem Gericht vertreten werden. Neutral waren so einige Urteile der letzten Zeit nicht und Weitsicht habe ich mehrfach vermisst.

In diesem Fall hätte das Gericht allerdings aus meiner Sicht auch ein Problem gehabt das wegen des voran gegangenen "Kruzifix-Urteils" anders zu entscheiden. Auch wenn ich mich über aus den von Ihnen genannten Gründen über dieses Urteil ärgere, so muss ich doch zugeben, dass für ein deutsches Gericht eine Festlegung ob ein Kopftuch eher ein religöses Kennzeichen oder eher Propaganda ist äusserst schwierig werden könnte.

Wenn dieses Problem umgangen werden sollte, dann müsste man sich dazu durchringen, dass in Schulen keinerlei religöse Zeichen vorhanden sein dürfte und das wird in einer christlich geprägten Kultur schwierig. Da ist es dann nämlich nicht mehr nur damit getan, dass die Kruzifixe aus den Schulen verschwinden, keine Nonnen mehr in Ordenstracht unterrichten dürfen und es keinen Religionsunterricht mehr gibt. Da käme dann noch so viel mehr dazu was gerade den Kindern die Jahreszeiten verschönt und ihnen Orientierung gibt. Tja.. wo fängt man an, wo hört man auf?

Gerade weil ich auch keine Lösung parat hätte die gerecht/ausgewogen und auch unserer Kultur angemessen wäre, halte ich mich an dieser Stelle mit Empörung zurück.

Friedrich -Wilhelm am 7. Oktober 2017

Der EUGH ließ neuerdings das BVerfG in´s Leere laufen. Seitdem können Institutionen und Industrie,
ohne befürchten zu müssen, mit dem AGG in Konflikte zu geraten, ihre Interessen, bzw. die der Mehrzahl ihrer Arbeitnehmer durchsetzen.Damit ist nichts mehr mit bezahlten Gebetspausen am Arbeitsplatz, Kopftüchern am Arbeitsplatz, Minderleistung durch Ramadan, bezahltem Urlaub zur Hadsch nach Mekka, der Einrichtung
von Extraräumen zum Beten. Auch werden die Angebote in Geschäften, Restaurants, Kantinen, in Schulen und Kindertagesstätten wieder vielfältiger. Auch ist der Begriff der Religionsfreiheit nicht mehr zu gunsten des Islam durch die Schaffung eigenen Rechts durch das BVerfG auszulegen, was aus einer immensen Unkenntnis des Islam resultiert!!!