Der nächste Nahostwahnsinn

Von Oliver Piecha am 27. März 2015

Die Saudis greifen jetzt auch offiziell im Jemen ein. Die Gemengelage im Nahen Osten wird immer desaströser. Im Mittelpunkt steht eine konfuse US-Regierung, die dem Iran die regionale Initiative überlassen hat

Syrien, Irak, nun der Jemen – die Liste der Nahost-Problemfälle wird immer länger. Der Jemen bietet das aktuelle Beispiel dafür, was passiert, wenn man die Dinge laufen lässt, dem Iran die Initiative in der Region zuschustert – und sich dabei auch noch vorstellt, das sei eine Art von zukunftsträchtiger Sicherheitspartnerschaft. Denn genau das hat die US-Regierung von Barack Obama in den letzten Jahren gemacht.

Politik geht nun mal anders, im Nahen Osten hat der amerikanische Rückzug ein Desaster verursacht, das so leicht niemand mehr beheben wird. Ein Beispiel für die nun etablierte Gemengelage im Nahen Osten bietet der Beginn der saudischen Luftangriffe auf den Jemen: Da greifen die Scheichs vom Golf mit von Amerika gekauften Flugzeugen und mit amerikanischer Unterstützung im Jemen Militärziele an, die unter der Kontrolle der vom Iran unterstützen Houthis stehen. Diese Ziele stecken voller amerikanischer Rüstungsgüter, die Washington in den letzten Jahren in den Jemen gepumpt hat.

Gleichzeitig beginnt die US-Luftwaffe im Nordirak, Stellungen des Islamischen Kalifats zu bombardieren, diesmal aber um der vom Iran geleiteten Offensive zur Rückeroberung der Stadt Tikrit aufzuhelfen. Zum selben Zeitpunkt erobern islamische Rebellen, die von Saudi-Arabien unterstützt werden, im Süden Syriens die Stadt Bosra und lassen damit eine Militäroffensive von Söldnern und der libanesischen Hisbollah unter iranischem Kommando scheitern.

Ach so, und dann wollen die Iraner und Obama dieser Tage auch noch ein Atomabkommen unterschreiben.

Die Lage im Nahen Osten ist verwirrend und wenig vertrauenerweckend? Ja!

Nun also der Jemen. Was jetzt passieren wird, ist absehbar: Falls die Saudis mit ihren dazugekauften Verbündeten die Grenze mit Bodentruppen überschreiten, wird es blutig. Irgendwann werden dann aber selbst die Iraner an die Grenze ihrer militärischen Kapazitäten kommen. Der Südjemen wird sich unabhängig erklären – ein failed state von Anbeginn, dessen Territorium jetzt schon zu großen Teilen Operationsgebiet des regionalen Al-Kaida-Ablegers ist. Al-Kaiida überhaupt darf sich freuen. Die Houthis sind anderweitig beschäftigt, und niemand wird die Terrorgruppe jetzt aufhalten. Wahrscheinlich wird Obama dann noch ein paar mehr Drohnen schicken müssen. Der Wahnsinn geht weiter.

Oliver M. Piecha, promovierter Historiker, ist Mitherausgeber von “Verratene Freiheit – Der Aufstand im Iran und die Antwort des Westens”.

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