Endlich Altpartei, Frauke Petry

Von Andreas Theyssen am 27. März 2015

Die AfD wollte alles anders machen als die anderen Parteien. Doch nun fordert die Co-Vorsitzende, was bislang nur bei Altparteien üblich war: Solidarität von parteiinternen Gegnern

Ja, es ist nicht ganz einfach mit diesem Herrn Professor Lucke. Vor allem nicht, wenn man wie Sie, Frauke Petry, mit ihm zusammenarbeiten muss als Co-Vorsitzende. Der Herr ist ein wenig pedantisch, arbeitswütig, karrierebewusst und nervt regelmäßig mitten in der Nacht mit Rundmails.

Aber Sie haben es ja so gewollt. Ihre „Alternative für Deutschland“ sollte eine Partei sein, die so ganz anders ist als all die anderen. Mit mehr Mitgliedereinfluss, mit drei statt einem Vorsitzenden, die überdies noch Sprecher heißen müssen. Kannten wir zwar alles schon von den Grünen und von den Piraten, aber entscheidend war ja, was Sie für neu befanden.

Nun aber haben Sie etwas getan, was verdammt nach Altpartei riecht. „Ich erwarte von Bernd Lucke jetzt ein klares Bekenntnis zu meiner Person„, haben Sie gesagt.

Das ist putzig. Schließlich weiß alle Welt, dass Lucke und Sie einander nicht ausstehen können. Sie wollen die AfD auf rechts-nationalen Kurs bringen, kuscheln mit den Pegida-Leuten, Lucke hingegen ist proeuropäisch, aber anti-Euro und hält gar nichts von diesen politisch diffusen Dresden-Marschierern. In ihrem Fall gilt die Politiker-Steigerungsform „Freund, Feind, Parteifreund“ in Reinkultur.

Sie wollen also den Kuschelkurs, obwohl intern die Fetzen fliegen. Das kannte man bislang in der Tat nur von den Altparteien. Zum Beispiel von der SPD, als Herbert Wehner gegen Willy Brandt intrigierte („Der Herr badet gerne lau“) und die beiden dennoch sozialdemokratische Solidarität demonstrierten. Zum Beispiel von der Union, wenn der notorische Renegat Horst Seehofer von der CSU öffentlich verkündet, zwischen ihn und die CDU-Chefin Angela Merkel passe kein Blatt Papier. Selten so gelacht.

Nun dürfen wir also auch über Sie lachen. Die AfD bekommt demnächst nur noch einen Vorsitzenden, dazu einen Generalsekretär, die Mitgliederparteitage werden wegen Überfüllung künftig zu Delegiertenparteitagen. Und nun wird auch noch Zwangssolidarität verlangt, obwohl jeder weiß, dass es kracht. Und zwar gewaltig. Gerade mal zwei Jahre alt ist die AfD, und doch schon Altpartei. Reife Leistung, Frauke Petry.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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