Warum subventioniert der RBB einen privaten Verlag?

Von Falk Heunemann am 9. April 2015

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg will seine Inhalte über die Website der „Berliner Morgenpost“ verbreiten. Das ist keine gute Idee – für beide Seiten

Die Ankündigung klingt arglos: „Wir freuen uns über die Möglichkeit, neues Publikum zu gewinnen“, erklärte der RBB diese Woche in einer Mitteilung. Der Anlass jedoch ist beunruhigend: Der ostdeutsche Rundfunk Berlin-Brandenburg liefert künftig Videobeiträge an die Website der „Berliner Morgenpost“ (Mopo), eine Regionalzeitung, die seit einem Jahr zur Funke Mediengruppe gehört.

Nun ist grundsätzlich wenig dagegen zu sagen, wenn Medienunternehmen oder auch Redaktionen zeitweilige Kooperationen vereinbaren. Problematisch wird es jedoch, wenn einer der Beteiligten ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist, der durch die Rundfunkgebühr von allen Haushalten zwangsweise finanziert wird. Erst recht, wenn die Zusammenarbeit nicht auf ein einzelnes Projekt beschränkt bleibt.

Die Mopo und der RBB hatten bereits für das Recherche-Projekt “Recherche in den Köpfen” ihre Ressourcen kombiniert. Da jedoch war absehbar, dass dieses aufwändige Projekt endlich ist. Mit der neuen Kooperation ist es anders: Der RBB liefert künftig und zeitlich unbegrenzt Videos seiner wichtigsten Nachrichtensendung “Abendschau” an den Zeitungsverlag. Vermutlich erhoffen sich beide Seiten dadurch eine höhere Reichweite. Tatsächlich schaden sie sich damit nur auf Dauer.

Nötig hätte es die „Abendschau“ eigentlich nicht: Die Sendung hat knapp 300.000 Zuschauer und eine Einschaltquote von rund 27 Prozent im Sendegebiet. Und das, obwohl die ablenkungsreiche Großstadt Berlin dazu gehört. Nun ist die Zuschauerzahl allerdings auch in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Die Alten sterben langsam aus und die Jungen haben Besseres zu tun. Im Internet Videos gucken zum Beispiel. Da ist es verständlich, wenn der RBB überlegt, wie er neue Zielgruppen erreicht. Dass der Sender aber dabei ausgerechnet die Mopo für eine Hilfe hält, ist so erstaunlich wie problematisch.

Das Blatt hat eine Auflage von rund 100.000, Tendenz stark fallend. Die MoPo ist nicht gerade die erste Adresse für Menschen unter 50, um sich über die Geschehnisse in der Hauptstadt zu informieren. Auch nicht die zweite. Oder dritte. Die Zeitung mag vor Jahren renommierte Journalistenpreise gewonnen haben, wurde aber seitdem von Springer substanziell kleingeschrumpft, die überregionalen Berichte kamen von der „Welt“ (der es kaum besser geht). Freie wie Redakteure wurden abgebaut, der eigene Ton, die eigene Recherche ging dabei verloren. Und damit auch die Gründe, überhaupt zur Mopo zu greifen.

Wenn der RBB nun journalistische Beiträge der Mopo zur Verbreitung überlässt, subventionieren damit die Gebührenzahler in Berlin und Brandenburg einen Verlag, der im harten Wettbewerb auf dem Berliner Zeitungsmarkt um neue Leser kämpft. Der Mopo wird das wenig nutzen: Wer RBB sehen will, dürfte kaum dauerhaft auf die Mopo-Website gehen. Zugleich werden sich die Verantwortlichen einbilden, auf diese Art und Weise billiger an Inhalte zu kommen, als sie von eigenen Mitarbeitern erstellen zu lassen. Die Mopo wird damit journalistisch noch beliebiger.

Der RBB (jährliche Einnahmen 411 Mio Euro) wiederum schärft damit kaum sein Profil. Vielmehr gibt er sogar jenen Recht, die immer behaupten, dass die Medien alle das Gleiche bringen. Vielleicht sollte er mehr überlegen, wie er mehr Themen für Leute unter 50 aufgreift und aufbereitet – statt seine alten Themen über eine noch ältere Tageszeitung zu verbreiten.

Nun ist es nicht der erste Fall von öffentlich-rechtlicher Verlagssubvention. NDR und WDR haben mit der „Süddeutschen Zeitung“ – immerhin die auflagenstärkste Überregionale – einen “Rechercheverbund” aufgebaut. Privatsender wie RTL, Sat1 und CNN oder auch diverse Regionalsender haben dagegen über ihren Lobbyverband VPRT kürzlich Beschwerde beim Land Nordrhein-Westfalen eingelegt: Es handele sich hierbei um eine “unzulässige Quersubventionierung” einer Zeitung durch Gebührengelder.

Das ist bei der Kooperation von RBB und Mopo noch offensichtlicher. Offenbar macht diese Form der Kooperation Schule. Zu Lasten der Gebührenzahler. Und zu Lasten der journalistischen Qualität.

Falk Heunemann, Autor in Berlin, schreibt die OC-Medienkolumne „Auf einen Klick“ jeden Donnerstag.

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M. Boettcher am 9. April 2015

Die gleiche Frage stellt sich für mich bezüglich der Zusammenarbeit von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung in einem "Recherche-Verbund". Der Chef dieses Verbundes, Georg Mascolo, wird offenbar von NDR und Süddeutscher Zeitung jeweils als freier Mitarbeiter auf Honorarbasis bezahlt. Unter http://www.geheimerkrieg.de bieten NDR und Süddeutsche gemeinsam eine ziemlich umfangreiche Multimediapräsentation an, für die der NDR verantwortlich zeichnet. Auch da stellt sich m. E. die Frage, ob Rundfunkbeiträge ggf. rechtswidrig verwendet werden.

Klaus D. Mueller am 9. April 2015

"Der RBB liefert künftig und zeitlich unbegrenzt Videos seiner wichtigsten Nachrichtensendung “Abendschau” "
.
Was? Diese lächerliche Provinz-Sendung gibt's tatsächlich immer noch? ...passt doch prima zur gemütlichen Springer-Postille.

Falk Heunemann am 9. April 2015

@M. Boettcher: Tatsächlich ist die Kooperation von RBB und Mopo nicht die erste dieser Art. Gegen den "Rechercheverbund" wurde ja auch kürzlich Rechtsaufsichtbeschwerde von den Privatsendern eingelegt -das habe ich im Text erwähnt.

@Klaus D. Müller: Die Berliner Morgenpost gehört seit einem Jahr nicht mehr zu Springer, sondern zur Funke Mediengruppe. Die Sendung muss man nun wirklich nicht mögen, sie hat aber, wie gesagt, hohe Einschaltquoten.

D.Richter am 9. April 2015

Unterstützt der RBB mit öffentlichen Geldern nicht auch andere Firmen? Z.B. ist für die Werbung eine Firma namens RBB Media (http://www.rbb-media.de) zuständig, die wiederum eine Firma namens media sales & services GmbH (http://www.mss-online.de/) besitzt. Unter der selben Anschrift der RBB Media ist auch der RBB Shop (http://www.rbb-online-shop.de/kontakt) angesiedelt.
Besitzt der RBB als öffentlicher Sender soviele Firmen?
Warum gibt es keine klare Trennung zwischen öffentlich rechtlichem Sender und externen Unternehmen.
Auch dies geht zu Lasten des Gebührenzahlers und der Qualität:
Die externen Firmen müssen keine Leistung erbringen, weil sie subventioniert werden.
Die RBB Radiowerbung zumindest ist so schlecht/nervend, dass man gezwungen ist auch gute Sender wie z.B. RadioEins zumindest unter der Woche zu meiden.

teekay am 9. April 2015

Oh, die Ironie: Anstatt volle Pulle die eigenen Video-Archive zu pushen, alles open access und ohne 'Depublizieren' online verfuegbar zu machen um so möglichst viele Menschen zu erreichen baut man auf 'Kooperationen' mit kommerziellen Plattformen die paywalls usw. pushen. Öffentlich-rechtliches Fernsehen gehört mir CC-Lizenzen in eigene Archive...hier schreit doch wirklich ein Blinder nen Gehörlosen an ihn bitte zu fuehren....

Leander am 9. April 2015

Die Abendschau-Redakteur/innen wirken mehrheitlich, als seien sie dabei, ein Altenheim zu bespaßen. Dermaßen betulich z.B. die Redakteurin Böhme, da hört man geistig schon fast dieses "in die Hände klatschen" mit, mit dem Erzieherinnen ihre zu Betreuenden zur Aufmerksamkeit oder guten Laune motivieren wollen.

Passt doch - wer guckt schon MoPo?

Henning am 9. April 2015

In dem Artikel fehlt der Hinweis, dass der RBB natürlich GELD dafür bekommt, dass die Berliner Morgenpost den Content verwenden darf. Diese Kooperation ist zwar aus den oben genannten Gründen für beide Seiten nicht sinnvoll. Es ist jedoch eine Zweitverwertung, keine Quersubventionierung.

Hugh Waldem am 10. April 2015

Das ist nicht der erste Fall. Wer auf SPON häufiger mal auf die Videos von "Spiegel-TV" klickt wird oft genug feststellen, dass es sich um mit Werbung gestreckte Filme der ARD Anstalten handelt, die aber in den Mediatheken nicht (mehr) vorhanden sind. Wir werden also gezwungen unsere Zwangsgebühren zu zahlen, damit die Spiegelgruppe Gewinne generieren kann. Auch das stellt nach meiner Ansicht ein zwangsweise Subventionierung eines Medienkonzerns durch die Gebührenzahler dar.

Felix Suber am 12. April 2015

1.) Mopo =/= Berliner Morgenpost, sondern Mopo = Hamburger Morgenpost (nicht Springer).
2.) dann müsste aber z.B. der Rechercheverbung WDR/NDR/SZ auch entsprechende Subventionierung der SZ sein... mag sein, aber dann bräuchte es dazu mal ein entsprechendes Urteil bzw. eine Klage, die das dann feststellt...

Falk Heunemann am 12. April 2015

@Felix:
1.) Auch die Berliner Morgenpost wird mitunter als Mopo bezeichnet, zudem habe ich am Anfang deutlich gemacht, dass mit Mopo die Berliner Morgenpost gemeint ist. Ich habe zudem darauf hingewiesen: die Berliner Morgenpost gehört nicht zu Springer, sondern zur Funke Mediengruppe (seit 2014).
2.) Diesen Vorwurf der Quersubventionierung von WDR/NDR bzlg. der SZ gibt es (wie im Kommentar erwähnt) und deshalb wurde von den Privatsendern ja auch die Rechtsaufsichtsbeschwerde eingelegt - das entspricht einer Klage bei der zuständigen Rundfunkaufsicht.