Warum VW-Patriarch Piech recht hat

Von Andreas Theyssen am 13. April 2015

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech hat seinen Vorstandschef Martin Winterkorn zum Abschuss freigegeben. Er wirkt mit seiner Kritik isoliert. Sein Stil ist daneben, doch in der Sache liegt er richtig

Was will Ferdinand Piech eigentlich? In diesem Jahr wird Volkswagen seinen Konkurrenten Toyota bei den Verkaufszahlen überflügeln und damit zum größten Autokonzern der Welt aufsteigen. Dorthin geführt hat das Unternehmen Vorstandschef Martin Winterkorn. Dennoch nölt sein Aufsichtsratschef Ferdinand Piech: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn.“ Und gibt den VW-Chef damit zum Abschuss frei.

Der Stil des VW-Patriarchen ist unerträglich. Und auch börsenrelevant. Denn die öffentliche Demontage des Vorstandschefs drückte heute gleich auf die VW-Aktie. So überrascht es nicht, dass Winterkorn gleich Solidaritätsbekundungen erhielt: vom Konzernbetriebsrat sowie von den Anteilseignern Niedersachen und der Familie Porsche. Doch hinter Piechs Kritik steckt mehr als das Granteln eines alten, eigenwilligen Patriarchen, der Winterkorn nicht als seinen Nachfolger im Amt sehen will. In der Sache liegt Piech nämlich nicht falsch.

Volkswagen ist erfolgreich. Die Modellpalette des Konzerns stimmt, technologisch liegen die Marken des Hauses vorne. Doch es gibt noch andere, teils noch relevantere Erfolgskriterien, bei denen VW aber nicht so gut abschneidet. Volkswagen macht rund ein Drittel seines Umsatzes in der Volksrepublik China, ist damit überdurchschnittlich abhängig von einem Markt, der geprägt ist von dirigistischen Eingriffen der Zentralregierung. In den USA hingegen, einem der wichtigsten Automärkte der Welt, hat es VW immer noch nicht geschafft, so richtig Fuß zu fassen.

Das wichtigste Erfolgskriterium ist indes die Umsatzrendite des Konzerns. Und die betrug 2013 gerade einmal 5,9 Prozent. Beim Konkurrenten Toyota lag sie mit 9,7 Prozent um Längen höher. Dass es VW-Chef Winterkorn nicht geschafft hat, diese Zahl erfreulicher zu gestalten, darf ihm als Malus angerechnet werden. Und somit sind Piechs Zweifel, ob Winterkorn ihn als Aufsichtsratschef beerben soll, durchaus berechtigt.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, hat sich als langjähriger Politikchef der „Financial Times Deutschland“ oft mit VW befassen müssen, einem der letzten großen deutschen Unternehmen mit Staatsbeteiligung.

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