Sehr visionär, Frau Vierlingsmutter

Von Andreas Theyssen am 17. April 2015

Eine Berliner Lehrerin ist mit Vierlingen schwanger – obwohl sie bereits 65 ist. Alle Welt erregt sich. Dabei hat sich die Frau nur dem demografischen Wandel angepasst

Was zerreißen wir uns das Maul über Annegret R., jene 65-Jährige, die mit Vierlingen schwanger ist. Ethisch bedenklich sei es, dass die Lehrerin aus Berlin sich habe künstlich befruchten lassen. Medizinisch gefährlich, für Mutter und Kinder. Nicht alles, was machbar ist, dürfe auch gemacht werden. Die armen Kinder.

Es ist dieses typisch deutsche Bedenkenträgertum, mit dem wir auf den Fall reagieren. Dabei übersehen wir beim Schwingen der Moralkeule die global-galaktischen und somit positiven Aspekte dieser ungewöhnlichen Schwangerschaft. Denn Annegret R. passt sich vorbildlichst an die geänderten Rahmenbedingungen in Deutschland an.

Wir Deutschen werden immer älter, demografischer Wandel nennt sich dieses Phänomen, das Politik, Wissenschaft und Medien seit Jahren beschäftigt. Der „Spiegel“ hat gerade erst die gefühlt 28. Serie zur bundesdeutschen Überalterung gebracht.

Wenn wir immer älter werden, dann müssen wir auch unsere Aufgaben entsprechend anpassen. Deshalb dürfen wir nun auch erst mit 67 in Rente gehen. Und es ist doch ganz klar:  Wer länger arbeitet, muss auch länger Kinder kriegen.

Wer soll es denn auch machen, wenn nicht die Alten? Die jungen Dinger sind nicht mehr bereit dazu, wollen erst Karriere machen und lassen sich bei der Kindsvater-Suche auf Tinder viel zu viel Zeit.

Wo sollen also all die Deutschen herkommen, die künftig Volkswagen zusammenschrauben und Fußball-Weltmeisterschaften gewinnen? Doch wohl nicht alleine durch Zuwanderung.

Dass uns die Griechen, wie angekündigt, ihre Flüchtlinge nach Berlin schicken, ist nicht ausgemacht. So unzuverlässig, wie die Regierung Tsipras bei ihren Reformlisten-Versprechungen ist, dürfte sie auch in anderen Angelegenheiten sein. Auch auf die Zuwanderung übers Mittelmeer ist kein Verlass. Zum einen nehmen die Flüchtlinge aus Kosten- und Gründen verweigerter Visa gerne unsichere Transportmittel. Zum anderen beginnen sie, sich im Rahmen interkulturellen Konflikte gegenseitig zu entleiben.

Also müssen wir Deutschen selber ran, und zwar so wie Annegret R. Dabei dürfen sich die Herren der Schöpfung dieser nationalen Aufgabe nicht verweigern, etwa durch Verweis auf Ischias und Bluthochdruck. Schließlich wurde der Schauspieler Anthony „Alexis Sorbas“ mit über 80 auch noch zweimal Vater.

So vorbildlich die Berliner Spätmutter bei ihrem Kampf gegen den demografischen Wandel auch ist, einen Konstruktionsfehler hat ihr Modell. Deutsche Frauen werden im Durchschnitt 83,14 Jahre alt. Das heißt, die Alleinerziehende macht ihre vier Kinder rechnerisch zu Vollwaisen, wenn diese 18 Jahre alt sind. Und dann müssen doch wieder die Jüngeren ran, um diesen Kids das Studium zu finanzieren und ihnen am Wochenende die Wäsche zu waschen.

Vielleicht sollen wir über das Modell Annegret R. doch noch ein wenig länger nachdenken.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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Zaunkoenigin am 17. April 2015

Tz, den "Kindern" steht dann Waisenrente zu und überhaupt wird es wieder Zeit, dass die jungen Dinger frühzeitig die Alltagspflichen, wie z.B. Wäschewaschen" lernen.

Wo ist da das Problem?

Ein Problem sehe ich leider nur bei den Männern. Bei allem guten Willen und Bereitschaft zur aktiven Produktionsaufnahme ... können müsste man können .... KÖNNEN.