Wo bleibt der Verbraucherschutz für Computerspieler?

Von Sebastian Grundke am 23. April 2015

Wer am PC daddelt, der gilt als verschroben. Dennoch müssen auch Computerspieler vor dem Geschäftsgebaren der Spielehersteller geschützt werden. Der fulminant gescheiterte Start der digitalen Autoverfolgungsjagd „Grand Theft Auto 5“ für PC ist dafür der beste Beleg

Seit Jahrzehnten macht Software-Herstellern die Raupkopiererszene zu schaffen. Die hebelt jeden Kopierschutz früher oder später aus. Für sie ist es ein Sport, neue Software schon wenige Tage nach ihrer Veröffentlichung im Netz zum Download anzubieten. Doch genau diesen Trend nutzt die Spieleindustrie längst für sich. Zuletzt imitierte sie ihre Feinde jedoch etwas zu gut.

So sorgte die US-amerikanische Firma „Rockstar Games“ für einen Eklat in der Spiele-Szene, weil sie es mit dem Kopierschutz übertrieb. Die PC-Version des Blockbusterspiels „Grand Theft Auto 5“ der Amerikaner ist dermaßen sicher, dass selbst ehrliche Käufer das Spiel nicht nutzen können. Die ansonsten langmütige Zockerszene wehrte sich.

So bewerteten allein am ersten Verkaufstag rund zehntausend Käufer das Spiel auf den Seiten des Online-Software-Händlers „Steam“, rund zweitausendfünfhundert davon negativ. Sie begründeten die schlechte Bewertung mit erheblichen technischen Problemen – die meisten konnten das Spiel schlicht nicht starten.

Viele der Käufer kündigten an, ihre schlechten Bewertungen zu revidieren, sollte der Entwickler zügig nachbessern. Im Laufe der ersten Verkaufswoche hat sich die Zahl der Bewertungen mehr als verdoppelt, das Verhältnis von positiven zu negativen Bewertungen ist jedoch gleich geblieben. Das heißt im Klartext: Noch immer kann ein Viertel der Käufer das Spiel nicht nutzen.

Den Zockern bleibt nichts anderes übrig, als mit schlechten Noten bei Downloadportalen, über die 90 Prozent der Spiele verkauft werden, Druck aufzubauen: Es existiert kein funktionierender Verbraucherschutz speziell für Videospieler. Staatliche Stellen beschränken sich viel zu oft darauf, vor Gewalt verherrlichenden Titeln und Spielsucht zu warnen und Minderjährige zu schützen. Werden sie tätig, läuft ihre Arbeit ins Leere: So mahnte der Verbraucherzentrale Bundesverbands „Steam“ zwar bereits im Jahr 2012 ab, weil die Firma Privatkopien von Computerspielen und den Wiederverkauf der Spiele de facto unmöglich macht. Daran hat sich allerdings trotz Abmahnung nichts geändert. Deshalb war der Shitstorm nur eine Frage der Zeit.

Schon seit Jahren veröffentlichen namhafte Entwickler immer wieder schlecht programmierte Software, die erst richtig funktioniert, wenn die Beschwerden der Fans in neue Programmcodes gegossen sind. Längst sind die Käufer so unfreiwillig zu Spieletestern geworden. Meist funktionieren neue Games erst Monate oder gar Jahre nach der ersten Veröffentlichung zuverlässig. Erst dann haben unzählige, auf dem Feedback und den Beschwerden der Nutzer basierende Updates die Programme lauffähig gemacht.

Bei „GTA 5“ hat der Hersteller „Rockstar Games“ jedoch nicht nur Dutzende, teilweise absurde Programmierfehler verzapft. Das Spiel funktioniert nur eingeschränkt mit den Luxus-Grafikkarten des Herstellers „NVidia“ – obwohl dieser seine Produkte mit dem Slogan „GTA 5 ready“ beworben hatte. Vor allem aber hat „Rockstar Games“ den Kopierschutz der Software so effektiv gemacht, dass die Firma selbst ihm unterliegt: Die zur Online-Aktivierung der Software nötigen Seriennummern werden von den Datenbanken des Herstellers teilweise auch dann als geklaut gelistet, wenn die dazugehörige Software völlig legal erworben wurde. Ehrliche Käufer stehen also im Verdacht, eine illegale Kopie zu besitzen – und können das Spiel nicht nutzen.

Glaubt man Kommentaren im Netz, kämpfen insbesondere Käufer mit Problemen, die das Spiel online via Smartphone, vom Laptop aus oder vom Computer eines Freundes oder Ehepartners aus geordert hatten. Denn die Aktivierung des Programms, so scheint es, lässt sich ausschließlich mit jenem Computer bewerkstelligen, mit dem es auch gekauft wurde . Auf einem Smartphone läuft das Spiel aber nicht, auf einem Laptop bestenfalls äußerst schleppend.

Stimmt das, wäre das ein Rechtsbruch: In Deutschland sind Privatkopien von Computerspielen erlaubt. Erst recht darf jeder selber entscheiden, auf welchem seiner Computer er ein Spiel spielt. Außerdem stellt sich die Frage, ob der Datenabgleich, den „Rockstar Games“ und „Steam“ bei der Softwareinstallation offenbar über das Netz vornehmen, nicht die Privatsphäre verletzt.

Das Spiel „GTA 5“ kostet 59,99 Euro. Tausende Nutzer hatten es bereits vor Monaten bei „Steam“ vorbestellt und bezahlt und es so mitfinanziert. Einige davon haben sich zusätzliche, teure Hardware angeschafft. Viele von ihnen gucken nun auf den Flachbildschirm – sehen aber kein funktionierendes Computerspiel. Und haben mangels Verbraucherschutzes kaum Möglichkeiten, sich zu wehren.

Sebastian Grundke, Autor in Hamburg, hat 1986 sein erstes Computerspiel gespielt: „Frogger“ auf dem Commodore 64. Etwas später kam die Autorennsimulation „Test Drive“ hinzu – gewissermaßen ein Urahn der Grand-Theft-Auto-Serie. Seitdem haben ihn Computerspiele nicht mehr losgelassen.

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Zaunkoenigin am 23. April 2015

Aber ja, wehren könnte sich der Verbraucher. Nur müsste er da vielleicht auf ein wenig "Spass" verzichten.

Früher, zu Omas Zeiten (noch zu Zeiten in denen das Wort Verbraucherschutz noch nicht einmal existierte) hat sich der Verbraucher in der Form gewehrt, in dem er dort, wo er schlechte Ware erhalten hat, nicht mehr gekauft hat.

Sicher, den einmalige Betrag von knapp 60€ wäre er los, aber der erzieherische Effekt für die ganze Branche immens. Wenn.... tja, wenn die Nutzer sich einig wären.

Ich begreife nämlich sowieso nicht, wie man auf die Idee kommen kann ein Spiel zu kaufen das so schlecht bewertet ist.

Christian am 24. April 2015

Bitte nicht. Ich bin so froh, wenigstens in einem Bereich meines Lebens nicht vom Staat bemuttert zu werden. Wo er sich einmal breit gemacht hat, steigen die Preise und Innovation bleibt auf der Strecke. Auf der anderen Seite wäre es schon lustig zu sehen, wie sich die Herren Juristen einem amorphen Koloss wie der Spiele-Branche annehmen. Vermutlich ähnlich erfolgreich wie beim Flughafenbau. Aber mal im Ernst. Wer sich ein Spiel am erste Tag kauft ohne vorher Reviews zu checken oder wer nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre immer noch signifikante Summen in Early-Access Games steckt: Selber schuld. Aber so was von. Praise Gaben :-)