Zerbricht jetzt Großbritannien?

Von Volker Warkentin am 8. Mai 2015

Der Wahlsieg von David Cameron ist für das Land gefährlich. Denn der alte neue Premier hat es in eine Situation manövriert, die zur Abspaltung Schottlands führen könnte.

David Cameron hat gewonnen. Entgegen aller Wahlprognosen der letzten Wochen, die ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Labour Party vorher sagten. Er hat sogar mit absoluter Mehrheit gewonnen. Doch das macht das Regieren für den alten und neuen Premier nicht leichter. Im Gegenteil: Jetzt geht es um das politische Überleben Großbritanniens und Camerons. „Mönchlein du gehst einen schwere Gang“, möchte man ihm wie einst dem deutschen Reformator Martin Luther zurufen.

Innerparteilich steht der eigentlich EU-freundliche Cameron mit dem Rücken zur Wand. Er wird daher alles daran setzen, Brüssel zu Konzessionen zu drängen, um das Referendum zu einem pro-europäischen Plebiszit zu machen. Er selber hat für die Zeit nach der Wahl eine Volksabstimmung zum Verbleib Großbritanniens in der EU angekündigt.

Es ist ein Spiel mit ungewissem Ausgang. Denn stimmen Engländer und Waliser mehrheitlich gegen die Union, wird das in Schottland die Weg-von-London-Bewegung stärken. Die Befürworter einer schottischen Unabhängigkeit hatten die Volksabstimmung voriges Jahr verloren. Der Erfolg der inhaltlich sozialdemokratisch orientierten Schottischen Nationalpartei (SNP) wird dem Drängen nach Eigenstaatlichkeit im Land der Dudelsäcke und der Kilts neuen Schub verleihen. Großbritannien steht seit der Wahl am Scheideweg, an dessen Ende die staatliche Trennung stehen dürfte.

Wie tief das Königreich gespalten ist, macht vor allem der Wahlerfolg der von der charismatischen Nicola Sturgeon geführten SNP deutlich. Sie gewann in Schottland nahezu alle 59 Mandate und wurde damit landesweit drittstärkste Kraft. Dabei hat die Partei landesweit gerade einmal fünf Prozent gewonnen. Dem Erfolg der SNP steht die verheerende Niederlage der Labour-Partei gegenüber, die weit abgeschlagen als Zweite ins Ziel gingen. Parteichef Ed Miliband, in dem manche britischen Leitartikler schon den neuen Premier sahen, ist nun zurücktreten. Denn Schottland war bisher eine Hochburg der Sozialdemokraten. Ihnen steht bis zum Wiedereinzug in No 10 Downing Street eine lange Durststrecke bevor.

Volker Warkentin, langjähriger Auslandsredakteur der Nachrichtenagentur Reuters, die sich nie als britisches Unternehmen verstand, hat ein Faible für britische Eigenheiten wie etwa Fair Play und Bands wie die Rolling Stones und die Kinks.

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