Wenn eine Neupartei ganz schön alt aussieht

Von Kai Makus am 25. Mai 2015

Jetzt stellt sich heraus, dass Fragen und Warnungen gegenüber AfD und Pegida reale Grundlagen haben. Gleich zwei rechte Gruppierungen drohen, an zuviel Rechts zu zerbrechen.

Ahnen konnte man es schon, als sich die quasi Hälfte des Pegida-Vorstands aus der Bewegung zurückzog. Auch die Aktivisten um Kathrin Oertel hatten gemerkt, dass sich zwischen den spazierenden Bürgern immer mehr Teilnehmer mit deutlich radikaleren Ansichten breit gemacht hatten. Seitdem ist es um Oertel recht ruhig geworden. Die Erkenntnis hätte früher kommen können, hätte man die als Lügenpresse diffamierten Mainstreammedien nicht nur gelesen und beschimpft, sondern sie auch verstanden.

Jetzt zerbricht die AfD offenbar am internen Streit zwischen bürgerlich-konservativen und reinen Rechtspopulisten. Und mit ihr das mühsam vor sich her getragene Bild, die „Alternative für Deutschland“ sei keineswegs rechts. Galionsfigur Bernd Lucke hat das rechte Problem seiner Partei lange öffentlich bestritten. Die Medien seien schuld am rechten Image seiner Partei, nicht die Inhalte – das war lange Zeit seine Linie. Dann die Kehrtwende, erst in Gestalt seines Mit-Europaabgeordneten Hans-Olaf Henkel, dann die Erkenntnis Luckes selbst.

Als Lucke sich um eine Lösung seines Problems bemühte, war es zu spät, die parteiinternen Gegner sind zu mächtig. Zu bequem war der Weg in die Landesparlamente im Osten mithilfe rechter Stimmenpotenziale. Luckes Vorstandskollegen Frauke Petry und Alexander Gauland reüssierten. Im Westen hingegen zerlegt sich der wichtige Landesverband NRW nach allen Regeln der Politkunst und beweist, dass die rechte „Neupartei“ in vielem schon ganz schön alt aussieht.

Viele hätten hierzulande gerne eine seriöse, national-konservative Partei mit Anstand und Würde rechts von der Union. Wem’s beliebt. Diese Leute sind aber offenkundig nicht zahlreich genug, um Politik in Deutschland mitzugestalten. Dazu braucht es Aufmerksamkeit und Wählerstimmen von weiter rechts außen. Kann sein, dass sich die Petry-AfD in diese Richtung bemüht.

Was die Aufregung um rechte Konservative, Wutbürger und Spinner noch zeigt: In der Demokratie muss man um jeden Kopf kämpfen. Das geht aber nicht, indem man auf die Forderungen der Rechten eingeht. Gefordert sind Überzeugungsarbeit und Aufklärung. Das ist mühsam und führt nicht immer zum Erfolg. Aber es ist lohnend, der einzige Weg und in diesem Sinne tatsächlich alternativlos.

Kai Makus, Journalist und Autor, pendelt zurzeit zwischen der hektischen Metropole des Nordens und der Dorfidylle mitten in VW-Land und versucht, dabei das Beste beider Welten mitzunehmen. Seine OC-Kolumne „Links gedreht“ erscheint jeden Montag.

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