Danke, Schweiz!

Von Andreas Theyssen am 27. Mai 2015

Jahrzehnte lang hat der Fußball-Weltverband Fifa allen Skandalen zum Trotz vor sich hin wurschteln können. Jetzt ermittelt die Schweizer Justiz gegen ihn. Das war überfällig.

Peinlicher kann es für Sepp Blatter gar nicht laufen. Übermorgen will sich der Präsident des Weltfußballverbandes Fifa wiederwählen lassen, für seine fünfte Amtszeit. Doch statt sich in Zürich bejubeln lassen zu können, bestimmt anderes seinen Alltag: Durchsuchung der Fifa-Zentrale, Festnahme von Fifa-Funktionären, Ermittlungsverfahren.

Die Schweizer Behörden haben vollzogen, was schon seit Jahren überfällig ist: Sie nehmen das Geschäftsgebaren der Fifa unter die Lupe. Immer wieder war in den letzten 20 Jahren von Korruption die Rede, von Funktionären, die sich schmieren lassen, von merkwürdigen Vergaben etwa der Fußballweltmeisterschaften an Russland und Katar.

Konkret geht es den Schweizer Ermittlern, die auf Bitten der New Yorker Justiz aktiv wurden, um Betrug, Erpressung und Geldwäsche. Fifa-Funktionäre sollen Geld von Sportvermarktungsunternehmen erhalten und ihnen im Gegenzug Sponsoring- und Vermarktungsrechte an Fußballturnieren zugeschanzt haben.

Da die Ermittler sich auch die Daten und Akten in der Fifa-Zentrale vornehmen, besteht die Hoffnung, dass auch andere Ungereimtheiten des Fußballverbandes aufgeklärt werden. Zum Beispiel die merkwürdige Vergabe der WM 2022 an das Wüstenländchen Katar, das zwar keinerlei Fußballtradition, kein fußballtaugliches Klima hat, dafür aber einen sehr ehrgeizigen und vor allem sehr solventen Emir. In den USA wird in der Sache bereits ermittelt, aber die Schweizer haben nun die besseren Beweismittel zur Verfügung.

Der Fifa gehören 209 nationale Verbände an, sie ist ein gemeinnütziger Verein. Umso erstaunlicher ist, dass sich so lange keine Ermittler ernsthaft für das Geschäftsgebaren dieser angeblich gemeinnützigen Truppe interessiert haben. Kam in der Öffentlichkeit Kritik auf, durfte die Fifa mit eigenen Sonderermittlern so tun, als kläre sie auf. Deren Ermittlungsergebnisse waren dann oft entsprechend sonderbar.

Damit ist nun Schluss. Und dafür darf man der Schweizer Justiz durchaus dankbar sein.

Am Freitag tritt Sepp Blatter, der seit 17 Jahren dem Verband vorsteht, erneut an. Er hat mit dem jordanischen Prinzen Ali bin al-Hussein zwar einen Gegenkandidaten, der als integer gilt. Dennoch muss man ihm wünschen, dass er in der Abstimmung gegen Blatter verliert. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Schweizer Ermittlungen einen Sumpf von Korruption und Vetternwirtschaft freilegen, ist sehr groß. Und dafür sollte auch der den Kopf hinhalten, unter dessen Ägide dieser Sumpf angelegt wurde – Sepp Blatter.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, verfolgt – wie die meisten Fußballfans – seit Jahren die Kapriolen der Fifa und ihres Präsidenten.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 7 Bewertungen (4,86 von 5)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Zaunkoenigin am 27. Mai 2015

* Und dafür sollte auch der den Kopf hinhalten, unter dessen Ägide dieser Sumpf angelegt wurde – Sepp Blatter.*

... umso befremdlicher wirkt auf mich, dass Blatter nicht festgenommen wurde. Was für eine Staatsbürgerschaft hat er noch gleich?

Aber wie auch immer. Dass sich dieser Sumpf so entwickeln konnte, daran haben die Fussballfans alle fleißig mit daran herum gebastelt. Dass die Fifa ein fragwürdiger Verein ist, das ahnte jeder, der bereit war hinzuschauen. Und trotzdem war der Spass wichtiger.