Warum 170.000 Facebook-Fans die taz nicht retten werden

Von Falk Heunemann am 23. Juli 2015

Die linke Tageszeitung buhlt um neue Spenden – diesmal sogar mit einer Provokation auf Facebook. Im Lob darüber geht unter, dass ihr Bettelmodell wohl nicht mehr lange funktioniert.

Die Provokation hat zunächst gewirkt, natürlich: die linke Tageszeitung „taz“ hatte in dieser Woche ein Foto von Angela Merkel auf ihre Facebook-Seite gestellt und in Heftig-Manier getextet: „Diese Politikerin arbeitete jahrelang an ihrem geheimen Plan. Dann sah jemand genau hin.“ Prompt überschlugen sich die Kommentatoren, auf Facebook und in Branchendiensten, mit Klickbaiting-Vorwürfen auf den einen Seite („Seid Ihr von der HuffingtonPost übernommen worden?“) und überschwänglichem Lob auf den anderen (Meedia.de: „Eine gelungene Kampagne, der jeder Erfolg zu wünschen ist!“).

Endlich konnten sich die Macher der linken „Tageszeitung“ (taz) aus Berlin wieder feiern. Endlich wurden sie mal wieder wahrgenommen. Wenn auch nur, weil sie Geld brauchen. Wieder mal.

Es ist es zwar nicht das erste Mal, dass die taz um Geldzuwendungen und Soli-Abonnements wirbt, damit sie weiter existieren kann. Das ist bei ihr keine Ausnahme, sondern seit der Gründung 1978 wesentlicher Teil ihres Geschäftsmodells. Lange kann das allerdings nicht mehr so weitergehen. Nun gibt es Abgesänge auf die taz ebenfalls schon. seit es die Zeitung gibt. Das heißt aber nicht, dass sie damit von vornherein widerlegt wären – als ehemaliger Redakteur der „Financial Times Deutschland“ (FTD) habe ich das schmerzhaft erfahren müssen.

Der taz ist das FTD-Schicksal jedoch keine Warnung, sie lobt sich aktuell gleich doppelt. Erstens für die virale Merkel-Kampagne und zweitens dafür, dass bereits mehr als 4500 Menschen für ihr Online-Angebot zahlen. Rekord! Dabei offenbart beides zugleich die zunehmenden Probleme des Unternehmens.

So mag die Merkel-Kampagne zwar witzig sein. Allerdings: Sie verweist auf das Phänomen heftig.co, einen Facebook-optimierten Anbieter, der belanglose Texte derart geschickt betexten konnte, dass Millionen es klickten, bis sie dessen überdrüssig wurden. Neu ist heftig.co nicht, der Höhepunkt des Phänomens – und der Nachahmer – war vor einem Jahr. Die aktuelle taz-Kampagne mag eine schöne Satire darauf sein. Aber schlicht ein Jahr zu spät. Wobei: Es passt zu der Zeitung, die einen der frühesten Redaktionsschlüsse dieser Republik hat und daher viele Ereignisse vom Nachmittag und Abend oft erst am übernächsten Tag berichten und kommentieren kann. An diesem ständigem Zuspätkommen hat auch die Online-Seite nicht viel ändern können, mangels Personal.

Nun mögen sich taz-Leser mit der Inaktualität abfinden können, sie werden es womöglich gar als Stärke verkaufen. Für die finanziellen Probleme geht das aber nicht. So sind die 4500 Online-Abonnenten, für die sich die taz selbst auf die Schulter klopft, schlicht zu wenig, um die Redaktion mittelfristig finanzieren zu können. Allein schon deshalb, weil das Ziel eigentlich 20.000 waren. Gerade 4500 Menschen sind also bereit, regelmäßig für taz.de zahlen. 4500 von 170.000 Facebook-Fans, 296.000 Twitter-Followern und einer Million Online-Leser pro Monat.

Viel schwerwiegender ist, was diese Abos und spontane Online-Zuwendungen tatsächlich einbringen: rund 20.000 Euro sind im Monat Juni nach taz-Angaben über Online-Payments eingesammelt worden, 8 Prozent weniger als im Mai und noch weniger als im April, damals waren es rund 23.000 Euro. Die taz-Hausblog-Autoren begründen das mit dem Sommer – die Spender seien eben alle im Urlaub. Dieser Effekt war jedoch im Vorjahr nicht zu beobachten, damals stiegen die Online-Payments von April auf Juni sogar. Noch düsterer wird es, wenn man sich das im Verhältnis betrachtet: 26 Mio. Euro nimmt die Zeitung jährlich ein und bezahlt dafür ihren Druck und das Personal. Das Geld stammt zum Großteil aus den Print-Abos (Normalpreis 44 Euro/Monat). Die Gesamt-Abozahlen sind aber in den letzten drei Jahren um mehr als ein Zehntel gesunken, auf rund 51.000 verkaufte Exemplare (IVW, 2. Quartal 2015).

An dieser Entwicklung ist die taz auch selbst schuld. Sie stellt sämtliche Inhalte kostenfrei ins Internet und appelliert nur an den guten Willen ihrer Leser, dies mit einem kleinen Betrag regelmäßig zu unterstützen: Mit bereits 5 Euro im Monat könnten Leser unabhängigen Journalismus sicherstellen, heißt es auf der Seite. Dabei ist es viel zu wenig. Die taz bietet sich damit zum Spottpreis an, in der Hoffnung, dass wenigstens etwas Geld eingenommen wird. So mindert sie aber ihren eigenen Wert und verscherbelt die Arbeit ihrer Redaktion. Fünf Euro pro Monat reichen auf Dauer nicht aus, um die Erstellung von hochwertigen journalistischen Inhalten zu ermöglichen, nicht bei 4500 Spendern und auch nicht bei 20.000.

Das Unternehmen sollte das erst sich selber und dann den eigenen Lesern klar machen. Die haben meist keine Ahnung, wie teuer Journalismus ist. Dass er Geld, viel Geld kostet, für gut ausgebildete Redakteure, für zeitaufwändige Recherchen, für Spesen und für die vielen, vielen Rechtsstreitigkeiten. Warum schreibt die taz nicht bei jedem Spenden-Aufruf, dass sie jeden Monat mehr als zwei Mio. Euro an Einnahmen braucht, um existieren zu können? Dass die Einnahmen so knapp sind, dass die Mitarbeiter sich für ein Gehalt von rund 2000 Euro brutto ausbeuten lassen? Die taz sollte sich nicht nur öffentlich für scheinbare Online-Erfolge feiern, sondern ihren Anhängern die Lage klar machen und offener mit ihren Problemen und ihren Zahlen umgehen. So, wie sie es sonst immer von anderen verlangt.

Falk Heunemann, Autor in Berlin, schreibt die OC-Medienkolumne „Auf einen Klick“ jeden Donnerstag.

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Gereon am 24. Juli 2015

Die taz wird von den meisten Lesern garnicht ernst genommen.
Als Leser des Tagesgeschehens nimmt man einen Artikell der taz mit folgender Intention zur Kenntnis:
Mal schauen, was die links-grün-feministische Sekte zum Thema schreibt und wie sie es diesmal schaffen, die Realität zu verdrehen und irgendjemand, der nicht an ihre Sekte glaubt als Nazi zu diffamieren. Die 4500 zahlenden Leser sind höchstwahrscheinlich alle Sektenmitglieder, die auf die Indoktrnation angewiesen sind, um die Realität sektenkonform wahrzunehmen.
Für eine kostendeckend operierende Sektenzeitung langt die Basis natürlich nicht aus, vor allem, wenn man sich den Markt noch mit weiteren konkurrierenden Sektenzeitungen (z.B. die ebenfalls defizitäre EMMA) teilt.
Deshalb müssen Sektenmitglieder auch für einen Hungerlohn dort schuften, das ist wie bei den Zeugen Jehovas.

Einen Wegfall der beiden genannten Sektenzeitungen würde der Markt nichteinmal bemerken, weil ausser ein paar plötzlich orientierungslosen, sowieso nicht aus eigener Kraft lebensfähigen Mittdreissigerinnen nichts zurückbleibt.

Zaunkoenigin am 24. Juli 2015

@Gereon
ich wundere mich darüber, dass die taz anders wahrgenommen wird als z.b. der Spiegel. Ich bin der Meinung, dass die Medienlandschaft ohne die taz ein Stück ärmer wäre. Gleichgültig was man von deren Artikel hält. Abgesehen davon, dass es noch keinem geschadet hat über andere Blickwinkel nachzudenken.

Herr Heunemann, besonders ihrem letzten Absatz möchte ich mich anschließen.

KlausT am 24. Juli 2015

Die taz steht mir gesinnungsmäßig in vielen Bereichen durchaus nahe, allerdings nervt mich der penetrante Feminismuskurs. Leider sind viele Linke irrig der Ansicht, dass Feminismus links sei und dementsprechend ist die "taz" mittendrin. Für mich jedenfalls ein gewichtiger Grund, diese Zeitung finanziell nicht zu bedenken!

Diddi am 24. Juli 2015

Die Frage ist doch eher wieviel Geld die taz NOCH braucht und wie unabhängig sie wirklich ist, denn

1. bekommt sie zum Erhalt Steuergelder der Stadt Berlin und der Stadtteils Kreuzberg

2. bekommt sie ein Grundstück zum absoluten Vorzugspreis (statt >10 Millionen für 3 Millionen € von der Stadt Berlin (das hat strafrechtliche Ausmaße durch Ausfall von Grunderwerbssteuer und Grundstückspreise der 'volkseigenen' Grundstücke) )

3. der taz ist es natürlich weiter erlaubt ihr altes Gebäude weiter zu behalten und Gewinne aus der Vermietung zu ziehen (hier hätten sie ihr neues Gebäude vollkommen ohne Staatsknete finanzieren können)

4. um das neue Gebäude bauen zu können, müssen alte Bäume in der Friedrichsstrasse gerodet werden. Nicht nur, dass die Anwohner darüber nicht informiert wurden, mittlerweile hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, wurden diese Maßnahmen schnell, unkompliziert und im Geheimen durch die rot-grüne Stadtteilregierung abgesegnet.

5. wie unabhängig kann eine Zeitung sein, die von diesem Berliner Klüngel hofiert wird oder anders gefragt: würde der Stadtteil Kreuzberg und die Stadt Berlin auch die Junge Freiheit, Welt oder Focus in den Genuss derartiger Vorteile kommen lassen?

Eines zeigt der Fall taz ganz klar: in Korruption und kriminellen Machenschaften stehen die Linken den Schwarzengelben von CDU/CSU/FDP in nichts nach. Nur ein Umstand kommt bei den Linken noch erschwerend hinzu, dass sie im Gegensatz zu den Schwarzgelben, immer den moralischen Finger erheben und vorgeben die besseren Menschen zu sein. Alleine diese Heuchlerei lässt mich angewidert ausspucken.

Falk Heunemann am 24. Juli 2015

@Diddi
Die Frage der Unabhängigkeit kann man in der Tat stellen, ebenso der Berechtigung, ein Unternehmen zu subventionieren. Ich weise allerdings darauf hin, dass Subventionen nicht automatisch als Korruption bezeichnet werden sollten, dies ist ein schwerer strafrechtlicher Vorwurf (Beamtenbestechung), den Sie erst einmal beweisen müssen.

Und: Das Grundstück hat nicht die rot-grüne Stadtteilregierung der taz zum Verkehrswert überlassen, sondern das rot-schwarz regierte Land Berlin.

Stellungnahmen sowie Informationen der taz zur Bürgerbeteiligung im Verfahren und der Baumrodung von 14 Bäumen finden Sie u.a. hier:
http://blogs.taz.de/hausblog/2014/09/21/anwohner-protestieren-gegen-taz-neubau/
http://blogs.taz.de/hausblog/2014/11/10/buergerbeteiligung-zum-taz-grundstueck/

Und zum Vorwurf der Heimlichtuerei: Laut Bezirk stehen die Bäume auf einem Privatgrundstück
http://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/aktuelles/pressemitteilungen/2014/pressemitteilung.201846.php
Zudem war ihre Abholzung seit spätestens 2012 im Bebauungsplan VI-150d-2b vorgesehen, der öffentlich für Jeden einsehbar ist:
http://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/verwaltung/org/vermessung/b-plaene/2015/index.html

Martin am 24. Juli 2015

Naja...es herrscht halt nun mal absolut kein Mangel an rotgrüner, anti-israelischer, freiheitsfeindlicher, feministischer und islamophiler Propaganda. Da zahlt niemand noch extra was dafür.

Ach... zu meinem Vorschreiber KlausT: das die Linke in altbekannter Form nun nach Jahrzehnten versucht dem Feminismus das "Rechts" Etikett anzuheften, ist ja nur das altbekannte Muster, nach dem Motto: Das war ja alles gar kein echter Kommunismus/Sozialismus, eigentlich ja alles rechts. Diese Art der Wahrheitsunfähigkeit zeigt eigentlich nur den semi-religiösen Charakter des "Links seins".

JeanP am 24. Juli 2015

Warum sollte ich eine Zeitung kaufen bzw. abonnieren, für die ich als Mann-weiß-hereto nichts als der letzte Dreck bin? Die TAZ ist ideologiegeprägt und einseitig. Und in der Masse solcher Artikel gehen die besseren oder gar guten unter.
Inwieweit der Rückgang der Auflagenzahlen mit dem generellen "Zeitungssterben" zu tun hat, ob bspw. die TAZ mehr Käufer und Abonnenten (nein, ätsch, kein Gendersprech) verloren hat, als die FAZ oder ZEIT, klar - das weiß ich nicht ....