Schluss mit dem Weißwurst-Einerlei im Fußball!

Von Volker Warkentin am 14. August 2015

Mit dem Klassiker FC Bayern München gegen den Hamburger Sportverein beginnt die 53. Saison der Fußball-Bundesliga. Wegen der Dominanz der Bayern droht der höchsten deutschen Spielklasse wieder ein langweiliges Jahr. Doch die Münchner sind nicht unbezwingbar.

Weißwurst und Brezeln sind eine bayerische Spezialität. Mit einem Weißbier dazu und unter einem Schatten spendenden Baum genossen, ist das etwas Köstliches. Doch es wird rasch zum faden Mahl, wenn es jeden Tag auf den Tisch kommt. Ein vergleichbares Einerlei herrscht seit Jahren in der Bundesliga. Die Bayern aus München sind der unanfechtbare Champion, der zwar nicht immer schön, aber zumeist höchst effektiv spielt und Punkt um Punkt, Meistertitel um Meistertitel einheimst. In dieser Saison strebt der FCB den vierten Titelgewinn in Folge an – was bisher keinem Bundesliga-Club gelang.

Die Liga ist im Grunde seit Jahren langweilig. Es gibt nur einen wirklichen Spitzenclub. Was fehlt, ist eine Führungsgruppe aus mehreren Vereinen, die den Bayern den ersten Platz streitig machen. Die einstigen Rivalen HSV, VfB Stuttgart und Werder Bremen sind nur noch Schatten ihrer selbst, kämpfen seit Jahren gegen den Abstieg.

Auch die Borussen aus Dortmund und Mönchengladbach oder auch Schalke 04 vermögen den Bayern nicht das Wasser zu reichen. Die Überraschungsmannschaft der vorigen Saison war der VfL Wolfsburg. Doch dem Meisterschafts-Zweiten aus der Autometropole haftet wie Bayer 04 Leverkusen das Odium einer biederen Werkself an. Und die sonst so gepriesene Hauptstadt liefert fußballerisch allenfalls Knäckebrot und Magerquark. Hertha BSC ist seit Jahren eine fast schon rührende Lachnummer.

Somit spricht auch in der nun anbrechenden Saison alles für den FC Bayern. Im Jahr drei in München ist Trainer Pep Guardiola gefordert, mehr als nur den Meistertitel zu liefern. Denn nüchtern betrachtet, blieb die Bilanz des Katalanen und Ex-Coachs von Barcelona hinter den Erwartungen zurück: Zwei nationale Meisterschaften und der Gewinn des DFB-Pokals sind für einen Verein vom Schlag des FCB einfach zu wenig. Insbesondere patzten die Bayern in der prestigeträchtigen Champions League.

Fußball-Lehrer Guardiola sorgte indes für etliche Verwirrung im Umfeld der Elf, etwa beim Streit mit dem langjährigen Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Und unverständlich bleibt, warum der Verein einen Weltklassespieler wie Bastian Schweinsteiger ziehen lässt und anderen Leistungsträgern wie Philipp Lahm, Manuel Götze und Thomas Müller dabei zusieht, wie sie mit dem Wechsel ins Ausland liebäugeln.

Torwart-Titan Oliver Kahn hat denn auch in der Personalpolitik der Bayern des größtes Problem ausgemacht. So herrsche ein „extremes Überangebot an hochwertigen Mittelfeldspielern“, so Kahn im Fachblatt „kicker“. Das könne für den Verein zum Problem werden. Zudem will Kahn bei Guardiola Selbstzweifel ausgemacht haben, da der Spanier sich noch nicht zu einer Vertragsverlängerung über das Jahr 2016 hinaus geäußert habe.

Kahns Nachfolger Manuel Neuer sieht vor allem im Weggang des Publikumslieblings Schweinsteiger mögliche Probleme für den Verein: „Es kann also schon dauern, bis sich alles aufeinander eingestimmt hat“, gab er ebenfalls im „kicker“ zu Protokoll.

Hier liegt die große Chance für die Konkurrenz aus Dortmund oder Möchengladbach, Gelsenkirchen und Bremen, den FC Bayern zu stellen und seinen Traum vom vierten Titelgewinn in Folge wie eine Seifenblase platzen zu lassen. Sie muss nur wollen. Das ist nicht einfach, aber möglich. Denn wie wusste schon Altmeister Sepp Herberger: „Der Ball ist rund. Und der nächste Gegner ist immer der Schwerste.“

Volker Warkentin, Autor in Berlin, hat in seiner Jugend als rechter Verteidiger in Knaben- und Schülermannschaften des Allgemeinen Turn- und Sportvereins Bremerhaven (ATSB) gespielt. Seine Lieblingsteams Hertha BSC und Werder Bremen bringen ihn regelmäßig zur Verzweiflung.

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