Zu großzügig, Horst Seehofer

Von Andreas Theyssen am 21. August 2015

Die Bayern sind knauserig? So an Schmarrn! Wenn es um Staatsgäste geht, kann es der Ministerpräsident des Freistaates richtig krachen lassen.

Es gibt die wirklich großen Probleme der Welt. Die Flüchtlingskrise. Oder Griechenland. Oder Wladimir Putin, den Dauerstänkerer. Aber für solche Probleme haben wir ja Angela Merkel. Mutti macht das schon.

Wir können uns also getrost mit den Kleinigkeiten der Weltgeschichte befassen. Mit Horst Seehofer, dem Bayern-Chef. Und den Geschenken, die er so macht.

Neulich war da bei ihm in irgend so einem Tal auf irgendeinem Schloss ein G7-Gipfel. Und da gab es Geschenke. Nicht nur für die sieben Staats- und Regierungschefs, sondern auch für jedes Mitglied ihrer Delegationen. Rucksack, Bayern-Buch, Regenschirm, Wein, Kugelschreiberset und als Krönung einen  Porzellanlöwen von Hutschenreuther zu 99,23 Euro das Stück. Insgesamt knapp 47.700 Euro gab der Freistaat dafür aus, wie jetzt die Landesregierung auf Nachfrage der Grünen bekanntgeben musste.

Klingt nett. Aber hat in der Münchner Staatskanzlei mal jemand darüber nachgedacht, was davon ein durchschnittliches Delegationsmitglied überhaupt gebrauchen kann?

Rucksack? Hat es eh dabei – wegen der Aktenordner.

Bayern-Buch? Bestimmt schön bunt, aber auch verdammt schwer; außerdem hat man ja schon an den Akten-Rucksäcken zu schleppen.

Regenschirm? Guter Witz, denn als durchschnittliches Delegationsmitglied sieht man eh kaum Tageslicht.

Wein? Schwer im Gepäck und für Biertrinker eh ungenießbar.

Kugelschreiberset? So etwas dürften 99,9 Prozent der Delegationsteilnehmer schon aus beruflichen Gründen stets bei sich führen.

Und der Porzellanlöwe? Stellt jedes Delegationsmitglied vor eine hochnotpeinliche Frage: Wie lasse ich dieses Nippeszeugs möglichst unauffällig verschwinden?

Woher wir das alles wissen? Weil wir Angela Merkel auf etlichen Staatsbesuchen begleitet haben und uns nur zu gut erinnern, wie uns indische Porzellanelefanten und chinesische Riesenfächer ins Schwitzen brachten.

Während die G7-Teilnehmer wahrscheinlich noch mit Grausen an Schloss Elmau und Seehofers Geschenkelawine zurückdenken, sehen wir die Aktion dennoch positiv. Denn der Bayer als solcher steht ja im Ruf, recht knauserig zu sein. Den Bremern und Saarländern will er im Länderfinanzausgleich nichts geben. Flüchtlingen will er das karge Taschengeld kürzen. Ausländischen Autofahrern gönnt er nicht die kostenfreie Nutzung deutscher Autobahnen. Etc. pp. Dass der Bayer aber auch ganz anders, nämlich großzügig kann, das wissen wir nun – dank Horst Seehofers teuren Porzellanlöwen.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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