Warum Trump richtig gehandelt hat

Von Falk Heunemann am 27. August 2015

Deutsche Medien ergötzen sich am Schauspiel Donald Trump – und werfen ihm nun Fehlverhalten vor, weil er einen Journalisten rauswarf. Dabei ist dieser Vorwurf absolut unberechtigt.

Donald Trump ist derzeit das Youtube-Kätzchen des Politikjournalismus – was auch immer man über ihn schreibt oder postet, es wird sicher geklickt. Dass das, was der populistische, aber chancenlose US-Präsidentschaftskandidat sagt, oft irrelevant ist – egal. Dass es noch mehr als 400 Tage bis zu den US-Wahlen sind und aktuelle Umfragesiege völlig wertlos – nebensächlich. Es bringt ja Klicks. Was wir hier erleben, ist plumpes Trumpbaiting, eine Mutation des Clickbaiting.

Nun bietet der grelle US-Milliardär und TV-Star aus New York City zweifellos einen gewissen Unterhaltungswert – den die meisten amerikanischen Medien inzwischen auch als solchen einordnen. Nicht so in Deutschland. Hierzulande wird er behandelt wie ein ernsthafter Politiker. Zum Einen, weil man das politische System der USA und den komplizierten Vorwahlenprozess nicht richtig versteht. Und zum anderen, weil man sich dann umso besser empören kann.

Aktuelles Beispiel: Bei einer Pressekonferenz wurde ein Journalist kurzzeitig vor die Tür gesetzt. Tagesschau.de titelt dazu “Journalist nach Kritik rausgeworfen”; der „Stern“ schreibt: “Trump schmeißt Journalisten nach unerwünschter Frage aus Pressetermin”, Spiegel Online findet sogar: “Trump attackiert Reporter”. Und die „Welt“ stellt folgenden Zusammenhang auf: “Trumps Haltung zu Einwanderern ist deutlich: ,Sie bringen Drogen, sie bringen Kriminalität, sie sind Vergewaltiger.'“ Nun flog der Reporter eines spanischsprachigen Senders aus einer Pressekonferenz.” Das alles soll wohl heißen: Guck mal, dieser rassistische arrogante Milliardär, ihm passen unbequeme Fragen nicht, schon gar nicht von Migranten.

Dabei hätte es vielleicht mal geholfen, sich das Video des Ereignisses in Gänze anzuschauen.

Trump ruft einen Reporter auf, der sich gemeldet hatte. Von der Seite ist ein anderer zu hören, der sich dazwischendrängeln will. Trump versucht den Zwischenrufer zu stoppen: “Excuse me, you weren’t called, sit down”. Der Rufer lässt sich davon nicht stoppen. Er redet weiter und weiter und weiter. Trump versucht, ihn erneut zur Ordnung zu rufen, dann zu ignorieren. Schließlich kommt ein Sicherheitsmann und bittet den Reporter, sich nach draußen zu begeben, um nicht länger zu stören. “You can’t just stand up and scream”, erklärt sich Trump kurz danach. Wenige Sekunden später darf der Reporter wieder rein und seine Fragen – es ist eher ein ununterbrochenes Statement von zweieinhalb Minuten – stellen. Trumpf kommt übrigens zunächst nicht zu einer Antwort. Und nach dem dritten Satz fängt der Reporter wieder an zu reden. So geht das einige Male hin und her. Erst nach weiteren fünf Minuten kann der nächste Journalist eine Frage stellen. Sie dauert 20 Sekunden.

Was hätte Trump an dieser Stelle bitte anders machen sollen? In Pressekonferenzen ist es üblich, dann erst eine Frage zu stellen, wenn man das Wort vorne erteilt bekommt. Dass man ungehalten reagiert und nicht gewähren lässt, wenn ein Kollege sich dazwischen zu drängeln versucht, ist verständlich. Hätte der Politiker stattdessen etwa auf ihn eingehen sollen? Die Folge wäre doch, dass bei den nächsten Pressekonferenzen sich niemand mehr daran gebunden fühlt, aufgerufen zu werden. Alle schrieen dann dazwischen, keiner verstünde ein Wort.

Man muss Trump nicht mögen, kann seine Argumente gern als hohl, populistisch, ausgedacht und unausgegoren bezeichnen. Aber damit hat er nicht automatisch immer Unrecht. Auf einen unhöflichen, respektlosen Dauer-Zwischenrufer konnte er kaum anders reagieren. Die Überschriften zu dem Ergeignis sollten daher korrekterweise eher lauten: “Trump antwortet nicht auf unhöflichen Reporter” oder “Trump bittet Zwischenrufer vor die Tür” oder auch “Journalist stört Trump-Pressekonferenz.”

Aber das würde ja Verständnis für Trump wecken und einen Kollegen in ein schlechtes Licht rücken. Und schlimmer noch: Womöglich keine Klicks bringen.

Falk Heunemann, Autor in Berlin, schreibt die OC-Medienkolumne „Auf einen Klick“ jeden Donnerstag.

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