Wo kommt Ihr denn her, Flüchtlingshasser?

Von Andreas Theyssen am 28. August 2015

Im sächsischen Heidenau und anderen Orten randalieren Einwohner gegen die Unterbringung von Flüchtlingen. Das ist ein bemerkenswerter Akt der Selbstverleugnung.

Wir können es ja verstehen. Flüchtlinge riechen streng (weil es in den Schlauchbooten und Lieferwagen, in denen sie nach Europa verfrachtet werden, dummerweise keine Duschen gibt). Flüchtlinge sind faul (das deutsche Asylrecht untersagt ihnen netterweise das Arbeiten). Flüchtlinge schmarotzen (weil sie ihre Ersparnisse und die ihrer Verwandten blöderweise an Schlepper abdrücken mussten). Flüchtlinge sind anders als wir (weil sie den Fehler machten, in Syrien, Mali oder Mazedonien geboren zu werden).

Dagegen muss man selbstverständlich vorgehen. Dagegen muss man einfach hetzen, pöbeln, brandstiften. Und das machen sie auch reichlich, die Müllers, Glotz’, Poweleits, Koslowskis. Im sächsischen Heidenau, auf Facebook oder anderswo. Flüchtlinge stören eben. Und anders als wir sind sie auch noch. Unverschämtheit.

Es ist faszinierend zu sehen, wie sie das machen, die Müllers, Glotz’, Poweleits und Koslowskis. Weil sie so einzigartig sind in ihrer Selbstvergessenheit. Denn sie sind selber so eine Art Flüchtlinge – weil ihre Vorfahren Flüchtlinge waren.

Zum Beispiel die Koslowskis oder Lewandowskis. Sind sogar Nachfahren von Wirtschaftsflüchtlingen. Denn die kamen im 19. Jahrhundert aus Polen, weil es im Ruhrgebiet – im Gegensatz zu ihrer Heimat – Jobs gab. Gut eine halbe Million von ihnen kam damals in den industrialisierten Westen Deutschlands. Und ihre Nachfahren gehen heute in die Millionen.

Zum Beispiel die Hugots oder de Maizieres. Sind Nachfahren der französischen Hugenotten, die im 17. Jahrhundert Zuflucht in Deutschland suchen mussten, weil sie in ihrer Heimat aus religiösen Gründen verfolgt wurden. Alleine im Jahr 1685 kamen 50.000, und ihre Nachfahren gehen heute in die Millionen.

Zum Beispiel die Poweleits. Ihre Vorfahren kamen einmal aus Ostpreußen. Dummerweise hatten sie – und der Rest der Deutschen – einen Weltkrieg angezettelt, und als der verloren war, mussten sie flüchten. Genauso wie die Schlesier und Pommern und Sudetendeutschen. Vertriebene nannte man sie. Bis 1950 kamen aus ihren Reihen rund zwölf Millionen Flüchtlinge in die Bundesrepublik, in die DDR, nach Österreich. Alles Flüchtlinge, und die Zahl ihrer Nachfahren geht in die Abermillionen.

Vor allem die DDR nahm reichlich Flüchtlinge auf, insgesamt 4,38 Millionen. Insgesamt machten sie 24,3 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Länder wie Mecklenburg-Vorpommern verdoppelten durch die Flüchtlingsflut gar ihre Bevölkerungszahl. Wenn also etwa im sächsischen Heidenau Einheimische gegen Flüchtlinge wettern, dann darf jeder vierte Flüchtlingshasser davon ausgehen, selber ein Abkömmling von Flüchtlingen zu sein.

Aber auch die Bundesrepublik war ein einziges Flüchtlingscamp. Sie nahm nicht nur 6,3 Millionen Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten auf, sondern insgesamt auch noch 3,8 Millionen Menschen, die aus der DDR geflüchtet waren. Die Zahl ihrer Nachkommen geht in die Abermillionen.

Müller oder Glotz – das klingt urdeutsch, also flüchtlingsunverdächtig. Ist aber Nebbich. Hertha Müller zum Beispiel, die deutsche Literatur-Nobelpreisträgerin, wurde in Rumänien geboren, flüchtete vor dem Ceaucescu-Regime nach Deutschland. Peter Glotz, der renommierte Publizistikforscher und SPD-Politiker, stammte aus dem Sudentenland, flüchtete vor den Tschechen in die Bundesrepublik. Ergo: Auch wer Müller oder Glotz oder Schmitz heißt, kann sich nicht sicher sein, dass er nicht Abkömmling von Flüchtlingen ist.

Faszinierend ist, dass die Nachfahren der Flüchtlinge nun ausgerechnet gegen jene hetzen, pöbeln oder brandstiften, die in der gleichen Situation sind wie ihre Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern. Das zeugt von einem enormen Maß an Selbstverleugnung. Oder von unglaublicher Dummheit.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ jeden Freitag.

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Zaunkoenigin am 31. August 2015

Ja, die Bundesrepublik war mal ein einziges Flüchtlingscamp .. und ich versichere Ihnen, auch damals hatten die Füchtlinge nichts zu lachen. Wenn Wirtschaftsgüter/Wohlstand verteilt werden soll, dann gibt es Neid und Ablehnung. So einfach ist das. Und auch die DDR-Flüchtlinge wurden damals scheel angeschaut und noch mehr die Russlanddeutschen. Und das, obwohl wir uns damals noch im wirtschaftlichen Aufschwung befanden und der Sozialabbau kein Thema war. Aus meiner Sicht haben diese Menschen aber auch später notwendigen Sozialabbau beigetragen. Ein Dauergriff in die Sozialkassen (speziell die Renten) verträgt nunmal kein System.

Und unsere Politiker tragen mit ihrer Inkonsequenz und Wankelmütigkeit auch noch dazu bei, dass die Menschen die etwas abgeben müssen, verunsicherter sind als unbedingt notwendig. Es wird viel gelabert, es wird schwarz/weiss gemalt, man möchte als guter Mensch da stehen, aber lösen sollen die Probleme andere. Dass die Gemeinden häufig überfordert sind, wird ignoriert. Dass das Land über Immobilien verfügt (allen voran die stillgelegten Kasernen) die aber nicht frei gibt, die Gemeinden aber über Feldbetten und Zelte nachdenken müssen, das kehrt man unter den Teppich. Hauptsache: schön Geschwallt und im TV gewesen.

Machen wir uns mal nichts vor. Abgesehen davon, dass wir das Elend nicht ignorieren können und abgesehen davon, dass wir, wollen wir menschlich bleiben, auch helfen müssen. Wir werden teilen und abgeben müssen. An ...

- Asylanten die ein berechtigtes Interesse am Asyl haben und an
- Wirtschaftsflüchtlinge

Teilen dürfen wir aber nicht nur mit Asylanten und Wirtschaftsflüchtlingen. Wir teilen auch mit

Asien:
Afghanistan, Bangladesch, Indien, Indonesien, Kambodscha, Kirgisistan, Laos, Mongolei, Nepal, Pakistan, Tadschikistan, Usbekistan, Vietnam

Südosteuropa / Kaukasus: Albanien, Kosovo, Serbien, Ukraine

Lateinamerika und Karibik: Bolivien, Brasilien, Ecuador, Guatemala, Honduras, Kolumbien, Mexiko, Peru

Naher Osten: Ägypten, Jemen, Palästinensische Gebiete

Afrika: Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Burundi, Ghana, Kamerun, Kenia, Demokratische Republik Kongo, Mali, Malawi, Marokko, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Niger, Ruanda, Sambia, Südafrika, Südsudan, Tansania, Togo, Uganda

Und das was nach wie vor bezüglich Griechenland abläuft, sollte man auch nicht verdrängen.

In Ihrem Artikel fehlt mir aber auch der Blick auf den Kulturunterschied der m.E. nicht vernachlässigt werden darf (und nein, nicht jeden Unterschied ini der Kultur werte ich positiv) Ebenso wenig wie die Kriminellen die mit der Flüchtlingsflut mit schwimmt und andere Absurditäten die sich aus unserer eigenen Haltung ergeben (wie z.B., dass Flüchtlinge nicht selbst für die Sauberkeit in den Unterkünften zu sorgen haben)

Ich finde es widersinnig, dass wir hier Altersarmut züchten, aber auf der anderen Seite unbegrenzt Gutmenschentum praktizieren wollen. Da wird so getan, als ob wir Resourcen ohne Grenzen hätten, vergessen aber, dass wir im eigenen Land Armut haben, Sozialabbau betreiben, Altersarmut für die junge Generation genauso ein Thema sein wird wie für die derzeit alten Menschen. Wer die Flüchtlingsproblematik und auch die Aggressionen gegen diese armene Menschen losgelöst von den aktuellen Schiefständen in Deutschland betrachtet, der wird nie zur Problemlösung beitragen. Allenfalls zur Frontenbildung.

Und um nicht falsch verstanden zu werden. Nein, ich begrüße diese Übergriffe nicht! Und ja, ich finde sie entsetzlich und widerwärtig. Ich vertrete aber auch die Ansicht, dass wir klare Regelungen benötigen und die vor allem auch leben müssen (ohne dass angebliche Gutmenschen wie Till Schweiger dagegen intervenieren und hetzen) und schneller die Wirtschaftsflüchtlinge abschieben müssen (unabhängig davon, ob diese dann in ihrer Heimat das Gesicht verlieren) um den Menschen, die wirklich in höchster Not sind ohne Vorbehalte helfen zu können.

In unserem Land wird derartig undifferenziert über die Probleme berichtet - auch von Seiten der Politik - dass das nur zu Ablehnung führen kann. Ihr Artikel trägt leider auch nicht zur Änderung einer Geisteshaltung bei - einfach weil er die Wurzel des Problems nicht benennt.

Zaunkoenigin am 31. August 2015

und noch ein kleiner Nachtrag:

Der Hetzerei und vor allem diesen verdeckten Aktione (wie z.B. die Brandstiftung) werden zunehmen weil manche Menschen meinen sich anders nicht Luft verschaffen zu können. Ich vertrete die Meinung, dass wir schneller zu Akzeptanz und Toleranz kommen könnten, wenn jeder seine Ängste und Bedenken artikulieren dürfte ohne gleich als Unmensch abgestempelt zu werden. Diese "Kultur" haben wir aber nicht. Politisch akzeptabel sind nur die mit der "Willkommenskultur" (was ich von diesem Begriff halte, schreibe ich besser nicht). Die, die ein "ja-aber" auf den Lippen haben, die werden doch gleich in die Rassismus-Rechtsradikal-Ecke gestellt.

Ich frage mich: Wie soll auf dieser Basis etwas gedeihen können?

maSu am 31. August 2015

Zaunkönigin:

Die Flüchtlinge kosten uns dieses Jahr nur das, was bisher in den BER geflossen ist. Und beim BER hat niemand demonstriert, dass ihm/ihr etwas weggenommen worden wäre. Ja, der Vergleich hinkt, denn der Flughafen funktioniert immer noch nicht, während einige ehemalige Flüchtlinge bereits hier anerkannt sind und arbeiten, also anders als der BER bereits produktiv sind bzw. es wären, wenn man sie ließe.

Ich finde es auch bedenklich, wenn jeder Protest gegen die (misslungene) Asylpolitik gleich als rechtsradikal eingestuft wird. Ich finde dies sogar ziemlich schädlich. Menschen müssen ihre Meinung äußern können, ohne ungeachtet ihrer eigentlichen Argumente diffamiert und abgestempelt zu werden (analog zu PEGIDA, da waren die meisten Menschen auch garantiert nicht rechtsradikal, stört keinen, der sie dennoch als Nazis beschimpfte...!).

Fazit:
Die Flüchtlinge und die damit verbunden Kosten kann Deutschland locker stemmen und sollte daher auch viele Flüchtlinge aufnehmen.

Ich würde mir nur wünschen, dass das Asylverfahren schneller ginge, sodass die Menschen aus den Ghettos raus in gescheite Wohnungen kommen, sich integrieren können und einer Arbeit nachgehen können. Denn: Anders als manche behaupten, haben wir mehr als genug freie Arbeitsplätze.

Andreas Theyssen am 31. August 2015

Werte Zaunkönigin,

wenn man den Grundgesetzartikel, laut dem alle Menschen gleichberechtigt sind, ernst nimmt, dann kann es gar nichts anderes als eine "Willkommenskultur" geben.

Das muss nicht heißen, dass die Bundesrepublik jeden Flüchtling oder jeden Asylbewerber - beides wird ja gerne miteinander vermengt - dauerhaft aufnehmen muss. Ich habe z.B. große Zweifel, ob Serben die Voraussetzung mitbringen, um Asyl zu erhalten.

Zaunkoenigin am 1. September 2015

Werter Herr Theyssen,
Gleichheit vor dem Gesetz (so heißt das nämlich) ist nicht zwangsläufig damit zu verbinden, dass man jeden Menschen im Land willkommen heißt. So abgeklärt werde ich vermutlich auch nicht mit 80 sein. Ich denke auch, dass wir uns - wenn wir den Menschen helfen wollen die Hilfe nötig haben, von Missbräuchen distanieren müssen.

Ich für meinen Teil begrüße keine ...

- Kriminiellen wie Schlepper, Dealer, Diebe, Vergewaltiger (gleichgültig ob Flüchtlingsfrauen/Männer oder deutsche Bürger(innen)), Gewalttäter.
- Menschen die sich an die Regeln hier nicht anpassen wollen/können
- Wirtschaftsflüchtlinge
- ich heiße auch keine Menschen willkommen, die ihre Unterkünfte so behandeln, dass sie nach kurzer Zeit eigentlich nur noch kernsaniert werden können. (das ist etwas, was es offiziell nicht gibt)

Eines sehen wir aber offensichtlich ähnlich. Es wird zu wenig differenziert. Ein Flüchtling kann ein Asylbewerber sein, aber eben auch ein Wirtschaftsflüchtling. Bei der Masse der Menschen die zu uns herüber schwappt, wird es Zeit, dass wir das ändern. Und das Länderabkommen das besagt, dass Flüchtlinge in dem Land aufgenommen werden müssen in dem sie zuerst ankamen ist - das wissen wir doch alle - sowieso schon längst reine Makulatur. Wir werden in Chaos und in Gewalt enden wenn wir nicht schnellst möglich damit beginnen klare Regeln konsequent zu leben.

Irgendwie scheint mir, dass vielen gar nicht bewusst ist, dass die offiziellen Flüchtlingszahlen heute schon ad absurdum geführt werden und dass die Zahlen der Vergangenheit Pillepalle waren gegen das was jetzt auf uns wartet. Inzwischen dürfte es sich rächen, dass unsere Politiker das Problem aussitzen wollten.

http://www.welt.de/politik/ausland/article145864791/Fluechtlingsstrom-Die-Dynamik-nimmt-zu.html
http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/fluechtlingszuege-aus-ungarn-erreichen-bayern-13778910.html

Die Überforderung der Behörden zeigt sich auch darin, dass Flüchtlingen schon seit geraumer Zeit nicht mehr registriert werden können:
http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Polizei-schlaegt-Alarm-Viele-Fluechtlinge-werden-nicht-registriert-id34754992.html
Und ich kann aus Erzählungen berichten, dass zwar bei der Erstaufnahme Fingerabdrücke genommen werden, diese aber dann rapp zapp im Papierkorb verschwinden weil man gar nicht mehr die Zeit hat diese zu verwalten.

Mich gruselt, wenn ich so etwas lese und höre. Wir befinden uns nämlich erst am Anfang

Zaunkoenigin am 1. September 2015

*Fazit:
Die Flüchtlinge und die damit verbunden Kosten kann Deutschland locker stemmen und sollte daher auch viele Flüchtlinge aufnehmen*

maSu, Ihr Fazit finde ich dann doch etwas ... sagen wir mal .. überraschend. Verstehe ich das richtig, dass Sie die Meinung vertreten, dass wir die Flüchtlingsschwemme problemlos finanziell stemmen können weil wir in der Vergangenheit das Geld sinnlos zum Fenster raus geworfen haben?

Ihnen ist aber schon auch aufgefallen, dass wir, die Menschen die bisher in das Sozialsystem der Bundesrepublik Deutschland eingezahlt haben, in den letzten Jahren einen starken Sozialabbau erfahren haben? Ich für meinen Teil habe mir mal erlaubt grob zu überschlagen wieviel "Verlust" ich zwischen meinem Eintritt ins Berufsleben und aktuelle Prognose meiner Rente inkl. der geänderten Rahmenbedingungen wie Steuern + Kranken- und Pflegeversicherung ich erleben werde. Wenn sich nichts ändert sind das Pi mal Daumen 25%. Ich finde, das ist ein Wort. Aber klar, wir können ja noch etwas mehr verzichten. Aber glauben Sie ernsthaft, dass Menschen dazu bereit sind ihr bischen Luxus den sie sich hart erarbeitet haben für immer aufzugeben? Ich nicht.

Zaunkoenigin am 1. September 2015

und wenn wir schon mal beim Thema sind. Der folgende Artikel wurde am 22.09. 2014 veröffentlicht. Er jährt sich also bald.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article132448907/Die-deutsche-Fluechtlingskatastrophe-mit-Ansage.html

Im Grunde fasst er alles wesentliche zusammen und zeigt auf, dass man damals schon wusste wo es hin geht .. und bestätigt leider, wie sehr die Verantwortlichen geschlafen haben. Weggeduckt hat man sich schon damals und heute weiß man, dass die Zahlen damals noch optimistisch geschätzt waren.

Und da wundert man sich, dass Menschen ablehnend/skeptisch reagieren? Unsere Vorturner lassen uns alle die - bei aller Skepsis - doch ein Herz im Leib haben, im Regen stehen.

Über eines ärgere ich mich dennoch maßlos (wird mir auch keiner ausreden können), dass herum gejammert wird, dass die Heime versiffen. Warum in drei Teufels Namen sind die Bewohner nicht in der Lage die Sauberhaltung selbst zu organisieren? Das ist eine Randerscheinung die sicherlich nicht ausschlaggebend für die Skepsis vieler deutscher Bürger ist, aber sie trägt zur Ablehnung bei. Das kann niemand mit "Versicherungstechnisch" (ein schönes Wort übrigens) begründen/erklären. Warum begreift das niemand?

Andreas Theyssen am 1. September 2015

Werte Zaunkönigin,

"Ich für meinen Teil begrüße keine …

– Kriminiellen wie Schlepper, Dealer, Diebe, Vergewaltiger (gleichgültig ob Flüchtlingsfrauen/Männer oder deutsche Bürger(innen)), Gewalttäter.
– Menschen die sich an die Regeln hier nicht anpassen wollen/können
– Wirtschaftsflüchtlinge
– ich heiße auch keine Menschen willkommen, die ihre Unterkünfte so behandeln, dass sie nach kurzer Zeit eigentlich nur noch kernsaniert werden können. (das ist etwas, was es offiziell nicht gibt)", schreiben Sie.

Mal abgesehen davon, dass unser Strafgesetzbuch - zu Recht - solche Menschen (Schlepper etc.) nicht begrüßt, bin ich ein wenig fassungslos, dass Ihnen beim Thema Flüchtlinge vor allem Kriminelle einfallen. Haben Sie Daten, wieviel Prozent der Flüchtlinge kriminell sind?

Und wenn Sie generell etwas gegen Wirtschaftsflüchtlinge haben - gilt das auch für jene unter den damaligen DDR-Flüchtlingen, die in den Westen gingen, weil es dort die besseren Jeans, die besseren Lebensmittel und die besseren Autos gab?

Zaunkönigin am 2. September 2015

Oh, Herr Theyssen, Sie haben falsch gefolgert. Ich schrieb an keiner Stelle, dass ich Flüchtlinge mit Kriminellen gleich setze. Ich schrieb lediglich, dass ich nicht bereit bin ALLE willkommen zu heißen und habe konkretisiert welche ich davon ausschließe.

Die Menschen aus der DDR waren keine Wirtschaftsflüchtlinge. Da gab es einen kleinen aber feinen politischen und zwischenmenschlichen Unterschied. Zwischen BRD und DDR gab es zwar den Grundlagenvertrag, aber das ersetzte keinesfalls (auch wenn das die DDR anders sehen wollte) die Anerkennung durch die BRD als souveränen Staat. Insofern waren das immer noch deutsche Bürger - was nach meinem Verständnis auch so richtig ist. Im Grundlagenvertrag wurden allerdings nicht die Fragen bezüglich der Staatsangehörigkeit geregelt. Für die Bürger der BRD galt nach wie vor nur eine deutsche Staatsangehörigkeit. Dies ermöglichte DDR-Bürgern, das Bürgerrecht der BRD zu beanspruchen, so dass sie bei Ausreise oder Flucht als Deutsche galten und nicht als Ausländer.

Was die Kriminalitätsrate angeht: dDrzeit gibt es nach meinem Kenntnisstand keine verlässlichen Zahlen. Zum Einen deshalb nicht, weil (zumindest in Bayern + BaWü) in der Statistik nur zwischen Deutsch/Nichtdeutsch unterschieden wird und zum Anderen nicht, weil vieles gar nicht erfasst wird (Übergriffe in den Heimen z.B.) Abgesehen davon wundert es mich das nicht, dass es wenig verlässliche Aussagen gibt in Anbetracht der Tatsache, dass unsere Ämter noch nicht einmal mit der Registrierung hinter her kommen. Außerdem ist es ein Tabuthema das gerne abgewiegelt wird.

Ich behaupte aber keinesfalls, dass wir mit den Flüchtlingen eine kriminelle Bande ins Land bekommen! Ich sage lediglich, dass wir die Probleme die wir damit bekommen nicht ignorieren dürfen. Schon alleine vor dem Hintergrund nicht, dass in allen Bundesländern die Polizeikräfte spürbar abgebaut wurden.

Was mich auch noch beunruhigt ist, dass viele der Flüchtlingen eben keine politisch neutralen, einfach nur um ihr Leben fürchtende Menschen sind sondern ihre Feindschaften mit hier her bringen. Aber diesbezüglich kenne ich nur einzelne lokale Berichte und keine umfassenden Zahlen. Ich hoffe ich irre mich und wir bekommen damit nicht noch mehr Gewaltpotential ins Land.

Das hier dürfte aber einen ersten Einblick geben:
http://www.welt.de/regionales/hamburg/article136108482/Polizei-alarmiert-von-Straftaten-junger-Fluechtlinge.html
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.kriminalitaet-bei-fluechtlingen-eine-explosive-mischung.262686f8-89f6-46fb-9fb3-01dce156e879.html

Vergewaltiger und Gewalttäter dürften selten bis gar nicht in den Statistiken auftauchen. Oder glauben Sie, dass die Übergriffe in den Flüchtlingsheimen tatsächlich zur Anzeige gebracht werden (von Ausnahmen einmal abgesehen) - sie dürften (das ist aber eine persönliche Vermutung) das Gesamtbild auch nicht wesentlich beeinflussen.