Was Winterkorn Deutschland hinterlässt

Von Volker Warkentin am 24. September 2015

Der VW-Skandal schädigt nicht nur den Konzern selber. Er wird verheerende Auswirkungen auf andere deutsche Autobauer und die gesamte deutsche Wirtschaft haben.

Hoch geflogen, tief gestürzt. Statt vorzeitiger Vertragsverlängerung nun der unrühmliche Abgang Martin Winterkorns als VW-Konzernchef. Sein Rücktritt ist angesichts der Riesenskandals um manipulierte Abgastests für Dieselautos nur folgerichtig. Ob der Abgang Winterkorns aber zur Schadensbegrenzung ausreicht, ist mehr als zweifelhaft. Denn es steht nicht nur der Ruf von Volkswagen auf dem Spiel.

VW – das ist nicht irgendein deutsches Unternehmen. Der größte Autobauer Europas steht stellvertretend für das Qualitätssiegel „Made in Germany“. Begründet hat den Ruf in den 1950er Jahren der Käfer, und gefestigt haben den Mythos Modelle wie der Polo, der Passat und vor allem der Golf. VW, das ist nicht nur Volkswagen, sondern dazu gehören auch Marken wie Audi, Skoda, Seat oder Bentley, Bugatti und natürlich Porsche.

Der Konzern, an dem das Land Niedersachsen mit 20 Prozent beteiligt ist, steht vorbildlich für das Modell Deutschland: Tarifpartnerschaft und sozialer Frieden. Ohne den mächtigen Betriebsrat und die IG Metall läuft in Wolfsburg nichts. Zudem unterhält der Konzern mit dem VfL Wolfsburg eine teure Fußball-Elf, die in der Champions League spielt, aber am Dienstag gegen den FC Bayern München 1:5 unterging. War die Niederlage ein Vorbote dessen, was noch kommt?

Den ehrgeizigen Plan, am Konkurrenten Toyota vorbeizuziehen und weltgrößter Autobauer zu werden, kann Volkswagen knicken. Der Skandal wird den Dax-Konzern bis ins Mark treffen – und das nicht nur wegen der in den USA zu erwartenden Geldbuße in Höhe mehreren Milliarden Dollar. Es droht ein Absatzeinbruch, der Arbeitsplätze bei VW und den Zulieferern gefährdet.

In den Abwärtssog könnten auch die anderen deutschen Autobauer geraten. Denn wenn schon das Aushängeschild der deutschen Autoindustrie Manipulationen begeht, so die Überlegung ausländischer Kunden, mauscheln dann auch nicht die anderen deutschen Fahrzeughersteller? Da geht man doch lieber zur amerikanischen oder zur japanischen Konkurrenz.

Der Skandal gefährdet den Exportweltmeister Deutschland. Das Vertrauen in die Qualität deutscher Produkte ist womöglich auf Dauer geschädigt – ganz gleich ob es um Autos, Chemikalien oder Werkzeugmaschinen geht. Die Folge sind wegbrechende Steuereinnahmen, die unter anderem zur Integration Hunderttausender Flüchtlinge dringend benötigt werden.

Die Bundesregierung sollte sich deshalb tatkräftig darum bemühen, den Schaden zu begrenzen. Vor allem aber sollte sie aufklären, ob und wann sie von den Manipulationen bei VW wusste. Chefsache für die Kanzlerin.

Volker Warkentin, Autor in Berlin, hat sich in seinen 35 Jahren als Reuters-Journalist auch mit Fragen der Industriepolitik befasst. Er ist froh darüber, dass sein zwei Jahre alter VW-Diesel nicht auf der Liste der manipulierten Autos steht.

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Jürgen Thiede am 24. September 2015

"Chefsache für die Kanzlerin." Ganz meine Meinung, Herr Warkentin! Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht, und ganz ohne Regierung geht die soziale Marktwirtschaft eben nicht. Komisch, dass es erst der US-Justiz bedurfte, um den Skandal aufzudecken. Übrigens genau wie bei der FIFA. Neo-Liberalismus hin oder her, in den USA scheint die Marktwirtschaft doch noch besser zu funktionieren.

phatterdee am 27. September 2015

Also, ich verstehe nicht warum man den Chip nicht sagt das immer Prüfung ist dann wäre das Problem doch gelöst? Allerding versteh ich auch nicht warum die Deutschen Autobauer sich so gegen "umwelft freundliche" Autos wehren. Verkaufen die uns seit 70 Jahren die selben Motoren?
In Deutschland Testen die Autohersteller selber und geben die Ergebnisse dann an die Prüfstellen weiter
(Heute Show)
Ein Umwelftfreundliche Auto heist Fahrrad.
p.s. der Obama soll gesagt haben unter Freuden geht das gar nicht :)

Zaunkönigin am 27. September 2015

*p.s. der Obama soll gesagt haben unter Freuden geht das gar nicht :)*

you made my day :-) :-) :-)

Und warum die das tun? Ja mei, warum werden wir nach wie vor mit unnötigem Krach der Motorräder belästigt? Und das kann bei Tourenstrecken für die Anwohner wirklich schlimmer sein als jede Autobahn. Warum wohl? Weil das irgendwelche Kunden "geil" finden.

Beim Auto gehe ich davon aus, dass das Teil dann etwas weniger "spritzig" fahren würde und der "Sound" auch nicht mehr der wäre.

Aber wie gesagt, den Softwareeinsatz auf dem TÜV-Prüfstand kennen wir beim Motorrad schon seit Jahren. Der TÜV sah sich nicht in der Lage etwas dagegen zu tun. Die Politik hatte kein Interesse daran.
Tun wir nicht so als ob wir nicht wüssten dass die schon lange (Pardon) bescheißen.