Warum Reiche so selten ins Himmelreich eingehen

Von Volker Warkentin am 19. Januar 2016

Eine Oxfam-Studie belegt die ungleiche Verteilung des Wohlstandes in der Welt. Kämen die Reichen ihren Pflichten nach, würde dies die aktuelle Fluchtbewegung eindämmen.

Zahlen wie diese treiben einem die Zornesröte ins Gesicht: Die 62 (!) reichsten Menschen der Welt besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Erdbevölkerung. Die britische Entwicklungshilfe-Organisation hat pünktlich zum Weltwirtschaftsforum in Davos ausgerechnet, dass die Entwicklung der sozialen Ungerechtigkeit ungebrochen ist. Denn vor einem Jahr waren es noch 80 Superreiche, die soviel Geld zur Verfügung hatten wie 3,5 Milliarden Menschen zusammen.

Dass die irdischen Güter ungerecht verteilt sind, treibt die Menschheit schon seit Ewigkeiten um. Ein Reicher werde schwer ins Himmelreich kommen, zitierte schon der Evangelist Matthäus dem Heiland und setzte wie ein frühchristlicher Klassenkämpfer hinzu: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“ Und den Armen stellte Christus für den St.-Nimmerleinstag eine rasche Aufnahme ins Himmelreich in Aussicht: „Die Letzten werden die Ersten sein.“
Immerhin wusste schon Christus um die Notwendigkeit von Steuern: „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“

An der sozialen Ungleichheit hat sich seither nichts geändert. Zwar gab es immer wieder Versuche, sie radikal zu beenden und das Himmelreich schon auf Erden zu schaffen. Aber den Weg dorthin pflasterten Stalin und andere rote Götter mit Millionen Leichen. Als relativ human erwies sich dagegen zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der sogenannte Rheinische Kapitalismus – auch als soziale Marktwirtschaft bekannt.

Der sozial gebändigte Kapitalismus war höchst erfolgreich und trug letztlich zum Ende des Kalten Krieges bei. Doch dieses Modell des Wirtschaftens wurde – zu früh – auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen. Mit den jetzt von Oxfam angeprangerten Folgen: Die großen Vermögen werden nur unzureichend besteuert, die Gewinne in Steueroasen verschoben. Viele Superreiche spenden Geld für gemeinnützige Zwecke. „Gut, das ist der Pfennig, doch wo ist die Mark?“, kritisierte schon Kurt Tucholsky die Almosen der Reichen als unzureichende „bürgerliche Wohltätigkeit“. Denn die Oxfam-Studie zeigt, dass die ganz Reichen und ihre Unternehmen vor allem vor dem Fiskus stiften gehen. So werden jedes Jahr mindestens 100 Milliarden Dollar an Steuern nicht gezahlt. Dieses Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Und die Mittel der Stiftungen vermögen das Defizit nie und nimmer zu decken.

Richtig wütend macht einen die Erkenntnis, dass durch Steuervermeidung allein den afrikanischen Staaten jährlich rund 14 Milliarden Dollar entgehen. Damit ließe sich flächendeckend ein Gesundheitssystem für Mütter und Kinder aufbauen. Das würde jedes Jahr das Leben von etwa vier Millionen Kindern retten.

Nicht nur das: Wenn die ärmsten Länder der Erde ausreichend finanziert wären, gäbe es Millionen Gründe mehr, die gegen eine Völkerwanderung ins reiche Europa sprächen. Und die deutsche Debatte über die Zuwanderung würde ganz anders verlaufen,

Volker Warkentin, Autor in Berlin und nicht gläubig, stimmt in Sachen Steuern mit dem Heiland überein. Seine Kolumne „Warkentins Wut“ erscheint dienstags.

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Zaunkoenigin am 19. Januar 2016

ich gehe noch weiter. Ich sage, und diese Reichen sind diejenigen, die aus dem Flüchtlingselend auch wieder einen finanziellen Nutzen ziehen wollen. Vom Bürger finanziert und vom Flüchtenden erlitten.

Und wir tragen das mit... wir und die von uns gewählten Politiker. Wir Steuerschafe gönnen uns untereinander oft genug nicht den Cent mehr, zucken aber z.B. nur bei TTIP mit den Schultern und finden es nicht sonderlich aufregend, dass Amazon keine Steuern zahlt die Subventionen aber gerne einstreicht. Da schielt man auf die Erbschaften und hält eine Erbschaft von 500.000 für Kapitalismus. Bei den ganz großen schaut man aber gar nicht mehr hin. Sowieso alles sinnlos.. also warum darüber nachdenken.

Wir sind es, die diese menschenverachtende Geldverteilung fördern. Nicht nur die Großen.