Der Schmu mit den nachhaltigen Geldanlagen

Von Sebastian Grundke am 28. März 2016

Nachhaltige Investments sind en vogue. Doch nicht alle Aktien sind so sauber, wie es scheint. Abhilfe könnte ein Gütesiegel schaffen, das Banken und Verbraucherschützer gemeinsam entwickeln.

Immer mehr Menschen investieren ihr Geld in so genannte nachhaltige Investments. Die sollen besonders ökologisches oder ethisch sauberes Wirtschaften unterstützen. Studien zufolge steckten im Jahr 2013 im deutschsprachigen Raum bereits rund 84 Milliarden Euro in derlei Finanzprodukten und damit mehr als doppelt so viel Geld wie noch fünf Jahre zuvor. Kleinanleger, Wohlhabende und sogar große Pensionskassen investieren in derlei Finanzprodukte – auch aus Mangel an besseren Alternativen.

Die Finanzwelt ist bestimmt von einer seltsamen Vorstellung von ökologischem und ethischem Wirtschaften: In vielen Fällen fließt das Geld nämlich lediglich in Aktien oder Anleihen von Firmen, die innerhalb ihrer Branchen als die saubersten gelten, tatsächlich aber die Umwelt verschmutzen oder immer wieder Skandale produzieren. Denn die vermeintlich saubersten Firmen sind oft schlicht die größten Konzerne: Sie haben am meisten Geld für sauberere Technik, aber auch für PR, Imagepflege, Lobbyarbeit und Vorzeigeabteilungen.

Oft sortieren die Banken nicht einmal Titel eindeutig anrüchiger und umstrittener Firmen aus ihren nachhaltigen Investmentangeboten aus: Wertpapiere von Unternehmen beispielsweise, die mit Waffen handeln, Pornos drehen oder Glücksspiele anbieten. Auch aus diesen Branchen werden in manchen Fällen schlicht die vermeintlich saubersten ausgewählt.

Bestenfalls läuft es momentan so: Die Anbieter nachhaltiger Investments sortieren schmutzige Branchen komplett aus, wählen aus den anderen Branchen die saubersten Firmen und kaufen außerdem noch das Know-How großer Analysefirmen ein. Aufgrund dessen können nämlich Skandale und Unglücke teilweise antizipiert werden. Aus manchem großen Nachhaltigkeitsfonds flogen deshalb Titel von Volkswagen und BP schon einige Zeit vor dem Abgasskandal respektive der Havarie der Ölplattform „Deepwater Horizon“.

Für Anleger ist das gut, denn Verluste durch Kurseinbrüche werden so vermieden. Die sind bei Skandalen und Katastrophen regelmäßig die Folge. Dennoch hat das Geld in der Zeit vor den Skandalen das fragwürdige Verhalten der Firmen mitfinanziert. Außerdem stand es später für Schadensbegrenzung, Aufarbeitung oder Entschädigungszahlungen nicht mehr zur Verfügung.

Natürlich ist der Trend zu rücksichtsvollen Geldanlagen grundsätzlich zu begrüßen. Gerade deshalb jedoch müssen Verbraucher vor fragwürdigen Praktiken geschützt werden. Dazu müssen nachhaltige Anlagestrategien transparent gemacht und der Begriff Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Investitionen klar definiert werden. Banken und staatliche Verbraucherschützer sollten deshalb in einen Dialog treten. Dessen Ergebnis ist idealerweise ein Gütesiegel, das Wertpapiere in Sachen Umwelt und Ethik bewertet. Eine solche Initiative täte der Umwelt gut, würde unsere gesellschaftlichen Werte festigen, den lädierten Ruf der Banker restaurieren und die Bürger vor Augenwischerei schützen.

Sebastian Grundke arbeitet von Hamburg aus als freier Journalist. Er schreibt jeden Montag die Kolumne „Was mich bewegt“.

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