Das reicht nicht, Ursula von der Leyen

Von Andreas Theyssen am 27. April 2016

Die Verteidigungsministerin hat das World Wide Web als Schlachtfeld entdeckt und stellt eine Cybertruppe auf. Das war überfällig. Dabei hat sie indes etwas übersehen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist aufgefallen, dass es neben Land, Luft und Wasser noch ein weiteres potenzielles Schlachtfeld gibt: den Cyberspace. Deshalb will sie jetzt eine eigene Truppe für die digitale Kriegsführung aufstellten, 13.500 Mann stark.

Das ist löblich. Allerdings nicht unbedingt verfrüht. Der erste Cyberwar fand schließlich schon vor auf den Tag genau neun Jahren statt, als russische Hacker nach einem Streit um die Versetzung eines Denkmals für sowjetische Kriegsgefallene Estland attackierten, das digital fortschrittlichste EU- und Nato-Land. Mit Denial-of-Service-Angriffen legten sie Regierungs- und Verwaltungsstellen lahm, das Online-Banking der größten Bank, auch Krankenhäuser, Notrufnummern und die Energieversorgung waren betroffen.

Zu früh kommt von der Leyen auch nicht, weil die meisten relevanten Armeen der Welt entsprechende Einheiten längst haben, allen voran die USA mit ihrem Cyber Command und China, das gleich mehrere Regimenter zur digitalen Kriegsführung unterhält, die auch schon in deutschen Regierungsrechnern aktiv waren.

Nun also auch die Bundeswehr. Begeisterung über allzu viel Fortschritt ist dennoch nicht angesagt. Zum einen, weil von der Leyen vor allem bereits existierende und verstreut arbeitende Einheiten zur elektronischen Aufklärung und Abwehr bündelt. Zum anderen, weil das neue Cyber-Kommando ausschließlich zur Defensive da sein soll.

Die Bundeswehr braucht allerdings auch offensive Cyber-Soldaten. Nicht, weil sie partout auch eingesetzt werden sollen – außer vielleicht im Kampf gegen Daesh, der selbsternannten „Islamischen Staat“ -, sondern zur Abschreckung.

Seit es dank Wladimir Putin in Europa wieder ein Land gibt, das Grenzen mit militärischer Gewalt verschiebt, müssen die Nato-Staaten wieder verschärft über das Thema Bündnisverteidigung nachdenken. Vor allem die baltischen Staaten, Polen und Rumänien sind seit Russlands Annexion der ukrainischen Krim höchst besorgt.

Ein moderner Krieg wird neben Luft- und Artillerieangriffen auch mit Cyberattacken auf die Energieversorgung und Verkehrswege des Gegners beginnen. Was das im Falle Europas konkret bedeuten würde, hat – in einem fiktiven Szenario – der Autor Marc Elsberg in seinem Bestseller „Blackout“ sehr fachkundig und anschaulich beschrieben.

Die Bundeswehr braucht also auch eine offensive Cybertruppe, die im Ernstfall etwa die Energieversorgung und Eisenbahnlinien eines Gegners lahmlegen kann. Wie gesagt: nicht, um es tatsächlich zu tun, sondern um durch dieses Potenzial einen Gegner von einem Angriff auf Nato-Länder abzuhalten. Und deshalb ist Ursula von der Leyen mit ihrer Cybertruppe gedanklich zu kurz gesprungen. Viel zu kurz.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, befasst sich seit den Angriffen auf Estland 2007 mit dem Thema Cyberwar.

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maSu am 29. April 2016

vdL ist gänzlich unfähig, was (nicht nur) dieses Thema angeht. Seit ihren dämlichen Stoppschild-Vorhaben (die auch noch umgesetzt, ausgesetzt und wieder abgeschafft wurden...) kann ich die Dame überhaupt nicht mehr als auch nur ansatzweise Kompetent bezeichnen. Diese Person weiß wohl bis heute nicht, dass das Internet aus mehr als Google.de besteht.

Wenn vdL eine "Truppe für die digitale Kriegsführung" aufstellt, dann ist das so, als ob mein Hund eine Rakete bauen und zum Mond fliegen wollte.

Würden beide (mein Hund und vdL) ihre Vorhaben umsetzen wollen (vdL ist ja schon dabei, also los Rufus!!), dann würde ich - so ehrlich bin ich - auf meinen Hund wetten. Der ist eher auf dem Mond, als vdL auch nur rudimentäre Kenntnisse über das WWW erlangt hat.