AfD-Wähler sind so selbstlos

Von Andreas Theyssen am 29. April 2016

Der Shootingstar der deutschen Politik, die Alternative für Deutschland, beschließt endlich sein Parteiprogramm. Und erstmals wird damit klar, wie die Wähler der Rechtspopulisten tatsächlich sind.

Was haben sie sich nicht schon alles anhören müssen. Dass sie rechts sind, mindestens. Dass sie Rechtspopulisten auf den Leim gehen, logo. Und mancher Gutmensch behauptet gar, AfD-Wähler seien rechtsradikal, rechtsextremistisch, quasi die Reinkarnation der NSdAP-Wähler.

Dabei trifft das alles gar nicht. Oder höchstens am Rande. Oder so. Denn AfD-Wähler sind vor allem eines: selbstlos.

Zugegeben, das wissen sie selber nicht. Wie auch? Denn sie wählen seit drei Jahren eine Partei, die kein Programm hat. Haben quasi die Katze im Sack gekauft. Doch an diesem Wochenende wird erstmals sichtbar, was sie da gewählt haben. Denn die AfD gibt sich endlich ein Programm, und die Entwürfe, über die abgestimmt wird, lassen keinen anderen Schluss zu: AfD-Wähler sind wahrhaft selbstlos.

AfD-Wähler hängen nicht an ihrem Arbeitsplatz. Die Partei wäre gerne den Euro los, will aber mindestens einen Nord-Euro haben, einen Währungsverbund Deutschlands mit den Niederlanden, Österreich, Finnland und den Baltischen Staaten. Kommt es dazu, verteuern sich dummerweise deutsche Produkte in allen Nicht-Euro-Staaten, von denen es dann – geht es nach der AfD – schlagartig mehr gibt. Was teurer ist, wird aber seltener gekauft. Schlecht für die exportorientierte deutsche Wirtschaft. Und das kostet wiederum Jobs in deutschen Unternehmen.

AfD-Wähler studieren gerne für die Katz‘. Die BA- und MA-Abschlüsse an den Universitäten möchte die Partei wieder abschaffen. Die sind aber erst vor einigen Jahren eingeführt worden, um das deutsche Hochschulwesen kompatibel zu machen mit dem internationalen. Im Ausland erworbene Scheine werden dadurch in der Regel auch von deutschen Universitäten anerkannt – und umgekehrt. Ohne die BA- und MA-Studiengänge hingegen wird Deutschland wieder eine Bildungsinsel; Studiensemester an renommierten ausländischen Universitäten – etwa in den USA – werden damit nahezu unmöglich. Oder von deutschen Unis nicht anerkannt.

AfD-Wähler brauchen keine Autobahnen. Die Partei möchte einen Stufentarif bei der Einkommensteuer einführen, zudem Erbschafts-, Vermögen- und Gewerbesteuer abschaffen; eine Gegenfinanzierung ist nicht vorgesehen. Dadurch verlieren die staatlichen Haushalte nach Berechnungen von Wirtschaftsforschungsinstituten pro Jahr 40 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt umfasst rund 300 Milliarden Euro. Also müsste der Staat kräftig sparen: bei Bau und Sanierung von Autobahnen, Brücken, Schulen, Kindergärten etc. pp.

Vergessen wir also all das, was den AfD-Wählern sonst so gerne vorgeworfen wird: Islamhetze, Ausländerfeindlichkeit, Nationalismus. Nehmen wir einfach zur Kenntnis, dass sie vor allem Leute sind, die gerne den Gürtel enger schnallen. Und zwar bei allen.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ freitags.

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