Toller Spieler, Wladimir Putin

Von Andreas Theyssen am 17. Juni 2016

Harte Zeiten für Russland: Seine Leichtathleten dürfen nicht bei den Olympischen Spielen mitmachen, seinem Fußballteam droht der Ausschluss von der EM. Vielleicht hätten die Russen doch etwas weniger ihrem Präsidenten nacheifern sollen.

Wenn es einen Mann gibt, der das zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts geprägt hat, dann ist es Wladimir Putin. Ein Mann, der Schluss gemacht hat mit diesem Konsens-Gedöns, diesem internationalen Diplomatengeschwätz, diesem gutmenschelnden Miteinanderabsprechen. Ein Mann, der einen neuen Ansatz gefunden hat in der internationalen Politik. Zumindest neu in den letzten 70 Jahren.

Der Ansatz heißt: Frechheit siegt. Oder: Es gilt das Recht des Stärkeren. Und so landete die Krim dank kleiner grüner Männchen wieder bei Russland. Und die Ukraine ist dank mit Kalaschnikow im Donbass urlaubender russischer Soldaten ein großer Haufen Chaos.

Das kommt an im Land, die Umfragewerte für den Mann im Kreml belegen es. Und belegt wird es auch durch andere Russen, die agieren nach der Devise: Was Putin kann, das können wir auch. Zum Beispiel die russischen Hooligans, die in Marseille und anderswo die EM aufmischen und deshalb von heimischen Funktionären noch belobigt werden. Oder die russischen Leichtathleten, die sich einen Mist darum scheren, dass die Sportverbände schon seit längerem massiv gegen Doping vorgehen.

Irgendwie scheint sich die Methode Putin für sie aber nicht auszuzahlen. Die Uefa hat Russlands Fußballverband mit Ausschluss aus der EM gedroht, falls er seine krawalligen Anhänger nicht an die Kandare nimmt. Russlands Leichtathleten sind gerade sogar von den Olympischen Spielen ausgeschlossen worden; weiteren Sportarten droht ebenfalls der Ausschluss.

Die Empörung ist natürlich groß in Russland. Absolut normal. Nur: Vielleicht hätten sich die Russen einmal genauer anschauen sollen, wessen Beispiel sie da folgen. Putin ist all seinem halbstarken Gehabe zum Trotz nämlich grandios gescheitert.

Russlands Wirtschaft liegt am Boden. Wegen der Sanktionen, die gegen Moskau verhängt wurden, weil Putin immer noch in der Ostukraine zündelt. Vor allem aber wegen des niedrigen Ölpreises, denn der Präsident hat es in all seinen Jahren an der Spitze versäumt dafür zu sorgen, dass Russland neben Rohstoffen und Kalaschnikows noch andere weltmarktfähige Produkte exportieren kann.

Vor allem aber: Nach einem entspannten Vierteljahrhundert stehen plötzlich Nato-Truppen – inklusive der Amis – an Russlands Grenzen, in Polen und im Baltikum.

Solch eine Blamage hat sich noch kein sowjetischer/russischer Führer geleistet. Aber durch seine Militärmuskelspiele in der Ukraine, in Syrien oder Georgien hat Putin dafür gesorgt, dass Länder wie Polen, die baltischen Staaten oder Rumänien kontinuierlich Nato-Truppen in ihren Ländern haben wollen. Und dass die eigentlich neutralen Staaten Schweden und Finnland immer mehr mit der Nato kooperieren. Sie alle wollen eben nicht das Schicksal der Ukraine erleiden.

Natürlich jammern jetzt viele Russen – vorneweg Wladimir Putin -, dass hinter all diesem Ungemach eine Verschwörung gegen Russland steckt. Mit der Verschwörung haben sie zweifelsohne Recht. Es ist eine Verschwörung derjenigen, die meinen, dass die Welt nicht ohne Spielregeln zusammenleben kann. Solchen Verschwörungen kann man sich allerdings entziehen – indem man sich an die Spielregeln hält. Vielleicht sollten die Russen ihren Präsidenten daran mal erinnern.

Andreas Theyssen, Autor in Berlin, schreibt die OC-Kolumne „Mein Held der Woche“ freitags.

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