Der schwarze Fleck der Grünen

Von Sebastian Grundke am 18. Juli 2016

Bei der Aufarbeitung ihres Pädophilie-Skandals aus Anfangszeiten haben die Grünen eklatant versagt. Damit haben sie den Schaden für die Opfer noch verstärkt.

Knapp zwei Jahre liegt der Abschluss der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Pädophilie-Skandals bei den Grünen nun zurück. Doch auch Jahre nach dem eigentlichen Skandal hat sich wenig in unserer Gesellschaft geändert. Das hat auch damit zu tun, dass die Partei kaum Verantwortung für ihre irre geleitete Politik übernommen hat.

Der von der grünen Partei finanzierte Bericht kam damals unter anderem zu dem Schluss, dass die mediale Aufmerksamkeit nach dem Bekanntwerden des Kindersex-Skandals bei den Grünen schnell abebbte. Er deutet hier eine Mitverantwortung der Presse für mangelnde Aufarbeitung an. Zudem betont er auch den Zeitgeist der 1970er- und 1980er-Jahre: In dieser Zeit machten sich die Grünen für die Abschaffung jedweden Sexualstrafrechts stark und propagierten offen Sex mit Kindern, waren damit jedoch nicht die einzigen.

Tatsächlich jedoch haben die Grünen die wirkmächtigste und überzeugteste Politik in dieser Hinsicht betrieben. Das belegen die vielfältigen Äußerungen führender Politiker aus der damaligen Zeit und der wiederholte Missbrauch von Kindern durch Parteimitglieder. Verantwortung für diese Politik hat die Partei jedoch praktisch nicht übernommen – sondern sie im Gegenteil kleingeredet. Das hat bei den Opfern zusätzlichen Schaden angerichtet. Denn der Blick auf die Ursachen von Missbrauch wurde so verstellt – nicht nur innerhalb der Partei, sondern vor allen Dingen dort, wo alle Politik eben wirken soll und wirkt: bei den Wählern.

Mit welchen Strategien Täter vorgehen, die ihre sexuelle Neigung als Akt der Rebellion gegen das Establishment kaschieren, wurde so selten thematisiert. Das wäre bei besserer Aufarbeitung und Übernahme von Verantwortung durch die Parteimitglieder geschehen. Diese waren jedoch damit beschäftigt, Schaden von sich und der Partei abzuwenden. Die katastrophalen gesellschaftlichen Folgen – in Familien, in wissenschaftlichen Disziplinen, im Gesundheits- und Bildungssystem – haben sie dabei weitgehend verschwiegen. Die Aufarbeitung erfolgte so nur für die Akten. Ein Wegschauen, an dem auch noch den Medien die Schuld zugeschoben wurde.

Die führenden Politiker der Grünen gingen auf diese Weise mit schlechtem Beispiel voran. Denn sie machten vor, wie sich das Problem wegerklären und verharmlosen lässt. Zwar mögen Schuldzuweisungen und Verantwortungslosigkeit bedauerlicher politischer Alltag sein. Sie dienen dem Machterhalt. Gerade in diesem so wichtigen Fall zeugen sie jedoch von mangelnder Einsicht und haben den Schaden für die Opfer noch verstärkt. Ihnen wurde so nämlich erschwert, einen besseren Umgang mit ihrem Schmerz zu finden und schlimmstenfalls eine Chance auf Gerechtigkeit versagt.

Sebastian Grundke arbeitet von Hamburg aus als freier Journalist. Er schreibt jeden Montag die OC-Kolumne „Was mich bewegt“.

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maSu am 21. Juli 2016

Ich finde bei der ganzen Sache einen Punkt eigentlich ganz wesentlich und auch am schwerwiegendsten:

Jene, die damals für straffreien Sex mit Kindern eintraten wurden zu keinem Zeitpunkt (und werden teils bis heute nicht) Parteiintern dafür kritisiert bzw. zur Rechenschaft gezogen.

Bei Edathy reicht es schon, dass er legale, aber moralisch sehr fragwürdige Fotos/Filme "mag" um ihn zu vernichten (rechtlich wie politisch, wobei ich den juristischen Aspekt widerlich finde, denn: Wer nichts illegales macht, der darf nicht verfolgt werden.... eigentlich, aber das ist ein anderes Thema).

Und bei den Grünen? Ja, ach, das darf man alles nicht so eng sehen..... was zum Teufel stimmt mit denen nicht?!

Und dann stelle ich mir eine Frage:
Wenn bei den Grünen die Aufarbeitung quasi nicht stattfindet, ist das dann nicht eigentlich ein starkes Indiz dafür, dass Teile der Partei Sex mit Kindern immer noch "gut" finden und daher die Partei-Elite (gut, der Beck mit seinen Drogen ist ja nun endlich einigermaßen weg...) schützen? Getreu dem Motto: "Lasst unseren Spitzenkandidaten doch den Wunsch nach Sex mit Kindern.... sonst haben wir gar kein wählbares Personal mehr!!" ?

Ich bin da ziemlich fassungslos.

Ginge es um rechtes Gedankengut, dann hätte man sich schon längst "um die Wette distanziert" ....