Amerika ist keine Waschmittelfabrik

Von Michael Remke am 21. Februar 2017

Donald Trumps erste Wochen als US-Präsident sind eine Abfolge von Chaos, Pannen und Unverschämtheiten. Die große Frage ist: Was machen Trump und seine Chaos-Truppe eigentlich, wenn das Land in eine ernste Krise gerät?

Der Anfang ist immer schwer. Klar. Das ging jedem neuen Präsidenten so. Niemand blieb davon verschont.

Doch was sich Donald Trump und seine Truppe aus Generälen und Millionären in den ersten vier Wochen geleistet haben, lässt sich mit typischen Anfängerfehlern nicht mehr entschuldigen.

Die Entlassung von Trumps Sicherheitsberater, Michael Flynn, ist nur der vorläufige Höhepunkt. Der Ex-Drei-Sterne General, den Präsident Obama schon gefeuert hatte, war von Anfang an eine Fehlbesetzung. Ex-Außenminister Collin Powell, ein Republikaner, warnte vor dem „durchgeknallten Rechten“. Flynn nennt den Islam eine Ideologie. Er streute Fake News über Hillary Clinton und unterhält seit Jahren dubiose Beziehungen zu Russlands Präsidenten Putin. Letzteres wurde ihm jetzt zum Verhängnis.

Bleibt die Frage: Hat Flynn im Alleingang mit dem russischen Botschafter über die US-Sanktionen telefoniert? Oder hatte er einen Auftraggeber? Trump, Vize-Präsident Mike Pence? Warum sollte Flynn das auf eigene Faust getan haben?

Michael Flynn dürfte nicht das letzte Opfer in Trumps Dilettanten-Haufen bleiben. Der völlig überforderte White-House-Sprecher Sean Spicer wackelt genauso wie die sprachlos machende Lügnerin Kellyanne „Alternative Fakten“ Conway. Ernst nimmt letztere ohnehin niemand mehr.

Trumps Aktionismus mit täglich neuen präsidialen Verordnungen ist längst verpufft. Er hat damit nur Angst und Schrecken verbreitet, das Land aber nicht vorangebracht.

Chaos lösten auch Trumps Ministerkandidaten aus. Einige wurden erst zu später Stunde durchgeboxt. Andere wie Bildungsministerin Betsy DeVos, die wegen der Bären-Gefahr (kein Witz!) Waffen in Schulen erlauben will, musste von Vize-Präsident Mike Pence gerettet werden. Selbst Republikaner stimmten gegen sie.

Die größte Schlappe erlebte Trump in seiner erst kurzen Amtszeit aber mit seinem Einreiseverbot für Menschen aus sieben Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung. Den Muslim-Ban (wie ihn Trumps Berater Rudy Giuliani nennt ) haben ihm die Richter um die Ohren gehauen. Verfassungswidrig! Selbst Trumps Angstmacher-Tweets über die Gefahren für die USA zogen nicht. In Amerika darf niemand wegen seiner Religion verfolgt werden!

Dabei ist der Präsident selbst ein Sicherheitsrisiko. Nach dem Raketentest von Nordkorea besprach sich Trump mit seinen Beratern kurzerhand während des Essens mit dem japanischen Premier Abe im Restaurant seines Mar-a-Lago Ressort. Ein Besucher konnte nicht nur Fotos von der illustren Runde machen. Auch ein Bild des Koffers mit den Codes für das 6800 Sprengköpfe umfassende Atombomben-Arsenal Amerikas landete später auf Facebook.

Nach vier Wochen hat Trump bereits einen Beweis geliefert: Manager sind nicht die besseren Politiker. Zumindest wenn der Chef „The Donald“ heißt.

Amerika ist kein Autounternehmen, keine Fluggesellschaft oder ein Waschmittelunternehmen, das man von Oben herab dirigieren und auf Wachstumskurs trimmen kann. Auch nicht mit Twitter.

Amerika ist eine Demokratie mit einer Opposition, freier Presse, mit unabhängigen Gerichten. Ein Land mit einer Gewaltenteilung und mit einer Verfassung. Trump hat einen Eid auf die Verfassung abgelegt – vielleicht sollte er sie mal lesen?

Bleibt die besorgte Frage: Was machen Trump und seine Chaos-Truppe eigentlich, wenn das Land in eine ernste Krise gerät?

Michael Remke, Autor in New York, schreibt unter anderem für „Die Welt“ und bloggt auf „US-Politik direkt

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