Wie Politsprechblasen entstehen

Von Hans-Joachim Rehg am 8. September 2017

Dass Politiker nicht verstanden werden, hat auch mit der Kultur bei TV-Diskussionen zu tun.

In irgendeinem Lehrbuch für Fernseh-Moderatoren scheint zu stehen: Wenn jemand länger als 30 Sekunden antwortet, musst du ihm unbedingt ins Wort fallen – sonst bist du ein schlechter Moderator.

Also erleben wir jetzt Diskussionsrunden zur Bundestagswahl, in denen Politiker in 20 Sekunden die Dieselkrise erklären und in 30 Sekunden die Rentenpläne bis zum Jahr 2050 offenlegen sollen. Hinterher wundern sich alle im Kollektiv (genannt: mediale Nachbetrachtung), dass wieder nur Sprechblasen abgelassen wurden. Ja, was denn sonst, wenn die verbale Blutgrätsche das Wort immer dann abschneidet, wenn es gerade spannend werden könnte?

War das früher anders? Ja, Helmut Schmidt wurde von niemandem unterbrochen. Weil er sich das nicht gefallen lassen hätte und weil jeder spürte, da redet einer, der etwas zu sagen hat.

Hans-Joachim Rehg, Autor in München, berichtet vornehmlich aus der Automobilwelt. Wähler ist der Journalist dennoch.

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Franz Müller am 10. September 2017

Bis zum letzten Satz Ihres Beitrags wollte ich Ihnen widersprechen, aber Sie haben Recht. Es ist wohl die fatale Kombination aus Moderatoren, denen ihr Ego nicht erlaubt, andere ausführlich zu Wort kommen zu lassen, und Politikern, die im Grunde genommen im Regelfall nur Sprechblasen oder Unsinn absondern, denen zuzuhören sich also ohnedies nur in den seltensten Fällen lohnt.

Friedrich -Wilhelm am 7. Oktober 2017

ich nenne das deutsche fernsehen: "tittytainment" durch und durch!!